Teheran macht aus 18 Toten plötzlich 500

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Teheran macht aus 18 Toten plötzlich 500


Iran nimmt eine amerikanische Statistik mit rund 650 Gefallenen und Verwundeten und erklärt fast 500 von ihnen für tot. Mohsen Rezaei verkauft eine leicht erkennbare Verdrehung als militärischen Triumph.

Teheran macht aus 18 Toten plötzlich 500
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Das iranische Regime braucht dringend einen großen Sieg. Weil ein solcher auf dem Schlachtfeld offenbar nicht vorzuweisen ist, wird er in den Studios des staatlichen Senders Press TV hergestellt. Mohsen Rezaei, militärischer Berater des neuen Obersten Führers Mojtaba Khamenei, behauptete dort, iranische Angriffe hätten annähernd 500 amerikanische Soldaten getötet und Hunderte weitere verwundet. Die Vereinigten Staaten hätten insgesamt etwa 650 Verluste eingestanden, erklärte der frühere Kommandeur der RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen. Aus dieser Zahl leitete er eine angebliche Todesbilanz ab, für die es keinerlei Beleg gibt.

Die tatsächlichen amerikanischen Angaben zeigen, wie plump diese TäuschungDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen konstruiert wurde. Das offizielle Defense Casualty Analysis System führt für die Operation Epic Fury 14 tote und 417 verwundete Soldaten auf. Für die seit dem 7. Juli gesondert erfassten „Overseas Operations“ kommen vier Tote und 207 Verwundete hinzu. Insgesamt sind damit 18 gefallene und 624 verwundete US-Soldaten dokumentiert. Die Summe liegt tatsächlich nahe bei den von Press TV genannten 650 Verlusten. Doch ein militärischer Verlust ist nicht automatisch ein Todesfall. Der Begriff umfasst auch Verwundete. Teheran nahm also eine annähernd richtige Gesamtzahl und verwandelte einen Großteil der Überlebenden kurzerhand in Tote.

Das ist kein geringfügiger Übersetzungsfehler und keine unterschiedliche Bewertung unübersichtlicher Gefechte. Zwischen 18 und nahezu 500 Toten liegt keine Grauzone. Rezaei vervielfachte die belegte Zahl um mehr als das Siebenundzwanzigfache. Seine Aussage ist keine militärische Bilanz, sondern eine erfundene Siegesmeldung für ein Publikum, dem das Regime Stärke vorspielen muss.

Eine echte Zahl wird zur erfundenen Siegesmeldung

Die Methode ist durchschaubar und gerade deshalb wirkungsvoll. Press TV kann sich auf eine amerikanische Zahl von ungefähr 650 Verlusten berufen. Wer nicht prüft, was das englische Wort „casualties“ bedeutet, könnte annehmen, damit seien Tote gemeint. Tatsächlich werden darunter Gefallene, Verwundete und teilweise Vermisste zusammengefasst. Das iranische Staatsfernsehen verschweigt diesen Unterschied nicht zufällig. Es benötigt die amerikanische Statistik als Ausgangspunkt, damit die anschließende Fälschung glaubwürdig erscheint.

Dabei gibt es berechtigte Fragen an die amerikanische Informationspolitik. Das Pentagon entfernte vier im Juli getötete Soldaten aus der Bilanz von Epic Fury und ordnete sie zusammen mit 207 Verwundeten einer neu geschaffenen Kategorie für Auslandseinsätze zu. Die Behörde begründete dies damit, dass Epic Fury offiziell beendet worden sei und die erneuten Kämpfe deshalb getrennt erfasst würden. Diese Entscheidung löste Kritik aus, weil sie die gesamten Verluste des Krieges weniger übersichtlich erscheinen lässt. An der tatsächlichen Zahl der Gefallenen ändert die neue Buchführung jedoch nichts. Auch wenn beide Kategorien zusammengezählt werden, ergeben sich 18 Tote und nicht 500.

CENTCOM bestätigte für den Juli zwei zunächst getötete US-Soldaten nach einem iranischen Raketen- und Drohnenangriff in Jordanien sowie einen vermissten Soldaten. Später wurden weitere sterbliche Überreste gefunden. In einem getrennten Vorfall starb ein Soldat im Nordirak bei der kontrollierten Sprengung eines nicht explodierten iranischen Angriffsmittels. Mehrere weitere Soldaten wurden medizinisch behandelt, viele von ihnen konnten anschließend in den Dienst zurückkehren. Diese Vorgänge sind dokumentiert und für die betroffenen Familien bitter genug. Sie benötigen keine erfundene Vervielfachung durch ein Regime, das Tote als Material für seine Propaganda benutzt.

Israel soll wieder an allem schuld sein

Rezaei beließ es nicht bei der falschen Verlustzahl. Er behauptete zugleich, IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ziehe im Hintergrund die Fäden und dränge die Vereinigten Staaten in den Krieg. Washington solle nur den Eindruck einer eigenständigen Großmacht erwecken, stehe tatsächlich aber unter dem Einfluss des „zionistischen Regimes“. Damit verbindet Teheran seine militärische Propaganda erneut mit der bekannten Vorstellung, Juden oder Israel kontrollierten die Entscheidungen anderer Staaten.

Diese Erzählung erfüllt gleich mehrere Zwecke. Sie spricht den Vereinigten Staaten jede eigene Verantwortung für ihre Entscheidungen ab, erklärt Israel zum geheimen Lenker der Weltpolitik und lenkt zugleich von Irans Angriffen auf amerikanische Stützpunkte, Handelsschiffe und arabische Nachbarn ab. Das Regime stellt sich als Opfer einer fremdgesteuerten Weltmacht dar, obwohl es selbst Raketen und Drohnen einsetzt und die Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen als politisches Druckmittel benutzt.

Parallel behauptete Rezaei, Iran bevorzuge Diplomatie und die Vereinigten Staaten seien die eigentlichen Kriegstreiber. Doch selbst über angeblich bevorstehende Verhandlungen verbreiteten Washington und Teheran am Montag widersprüchliche Darstellungen. Präsident Donald Trump erklärte, Iran habe mit Unterstützung Saudi-Arabiens, der Vereinigten Arabischen Emirate und Katars neue Gespräche gesucht. Das iranische Außenministerium bestritt dagegen, dass Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten stattfänden oder Treffen geplant seien.

Diese widersprüchlichen Botschaften sind Teil des Machtkampfes. Nach außen soll Iran gleichzeitig unnachgiebig, siegreich und friedensbereit erscheinen. Im Inneren darf kein Zweifel daran entstehen, dass die Revolutionsgarden dem amerikanischen Militär angeblich verheerende Verluste zugefügt hätten. Dafür werden aus Verwundeten Tote, aus amerikanischen Entscheidungen israelische Befehle und aus iranischen Angriffen reine Selbstverteidigung.

Die 18 getöteten US-Soldaten sind eine schwere Bilanz. Auch 624 Verwundete zeigen, dass iranische Raketen und Drohnen eine reale Gefahr darstellen. Gerade deshalb ist keine Beschönigung notwendig. Doch aus diesen Zahlen fast 500 Gefallene zu machen, ist keine Übertreibung am Rand eines Krieges. Es ist eine bewusste Verdrehung, mit der Teheran militärische Stärke vortäuscht und die eigene Bevölkerung täuscht.

Das iranische Regime hat keinen Beweis für 500 tote Amerikaner vorgelegt. Es hat lediglich bewiesen, wie schnell in seiner Propaganda ein Verwundeter für tot erklärt wird, sobald die erfundene Leiche einem politischen Zweck dient.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 4. August 2026

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