Teheran nutzt das Abkommen als Schutzschild für neue Gewalt


Kaum war die amerikanisch-iranische Absichtserklärung verkauft, griff Iran wieder an. Die Angriffe auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain zeigen, warum Papier aus Teheran keine Sicherheit schafft.

Teheran nutzt das Abkommen als Schutzschild für neue Gewalt
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Das iranische Regime hat die neue Absichtserklärung mit Washington nicht gebrochen, weil es sie missverstanden hätte. Es hat sie genutzt. Genau darin liegt die eigentliche Warnung dieser Angriffe auf US-Militärstandorte in Kuwait und Bahrain. Teheran wollte nicht einfach Raketen und Drohnen abfeuern. Teheran wollte zeigen, dass es trotz Gesprächen, Zusagen und wirtschaftlicher Entlastung weiter handlungsfähig bleibt. Nicht als Friedenspartner, sondern als Macht, die ihre Nachbarn, die USA und IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen jederzeit unter Druck setzen kann.

Die Angriffe kamen nach neuen amerikanischen Schlägen gegen iranische Ziele am Persischen Golf. Die USA hatten zuvor auf einen iranischen Drohnenangriff auf einen Tanker in der Straße von HormusStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen reagiert, jener Wasserstraße, deren Öffnung eigentlich ein Kernpunkt der Entspannung sein sollte. Iranische RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen erklärten daraufhin, US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain angegriffen zu haben; zugleich drohten sie amerikanischen Basen in der Region mit „Hölle“ in den kommenden Tagen. Reuters berichtete über Raketen- und Drohnenangriffe auf US-Militärstandorte in beiden GolfstaatenStraße von Hormus: Die gefährlichste Engstelle der WeltwirtschaftDie Straße von Hormus ist eine Meerenge zwischen Iran und Oman. Sie verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und ist eine der wichtigsten Routen für Öl und Flüssigerdgas weltweit.Mehr lesen.

Damit wurde sichtbar, was viele Kritiker des Abkommens von Beginn an befürchteten: Die Vereinbarung hat Druck gemindert, aber keine Gefahr beseitigt. Sie behandelt Hormus, Sanktionen und einzelne militärische Schritte wie technische Fragen. Doch das Problem ist nicht technisch. Das Problem heißt iranische Machtpolitik. Teheran will wirtschaftliche Luft, ohne seine regionalen Hebel aufzugeben: Raketen, Drohnen, Milizen, Drohungen gegen Seewege und die Fähigkeit, Nachbarstaaten in ständiger Unsicherheit zu halten.

Für die Golfstaaten ist das eine bittere Bestätigung. Kuwait und Bahrain sind nicht zufällig betroffen. Dort stehen amerikanische Einrichtungen, dort lässt sich Washington treffen, ohne das amerikanische Festland zu berühren. Gleichzeitig sendet Iran eine Botschaft an die arabischen Nachbarn: Kein Abkommen schützt euch, wenn Teheran seine Reichweite demonstrieren will. Dass in Bahrain nach Berichten auch ein Wohngebäude beschädigt wurde, zeigt, wie schnell aus angeblich gezielten Schlägen eine Bedrohung für Zivilisten wird.

Der Zeitpunkt war ebenfalls kein Zufall. Kurz zuvor war ein neues Rahmenabkommen zwischen Israel und dem Libanon bekannt geworden, das den israelischen Rückzug aus Teilen des Südlibanon an die Zurückdrängung und Entwaffnung der HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen knüpft. Für Teheran ist das gefährlich. Die Hisbollah ist nicht irgendeine libanesische Kraft, sondern Irans wichtigster bewaffneter Hebel an Israels Nordgrenze. Wenn dieser Hebel geschwächt wird, verliert Iran Einfluss, Abschreckung und Erpressungskraft. Reuters berichtete, dass das Israel-Libanon-Rahmenabkommen einen Prozess zur Entwaffnung der Hisbollah und zur Wiederherstellung libanesischer Souveränität vorsieht.

Teherans Antwort lautet deshalb: Wir sind nicht geschlagen. Wir verhandeln, aber wir weichen nicht. Wir nehmen wirtschaftliche Erleichterung, aber behalten die Waffen. Wir sprechen von Vereinbarungen, aber unsere Revolutionsgarden zeigen, wer die Region weiter in Atem hält.

Genau diese Doppelstrategie macht jede Beschwichtigung so gefährlich. Das iranische Regime versteht Diplomatie nicht als Weg zu dauerhaftem Frieden, sondern als Mittel zur Entlastung. Wenn der Druck zu groß wird, verhandelt man. Wenn die eigene Basis Stärke sehen will, schlägt man zu. Wenn Washington Ruhe sucht, testet man die Grenze. Wenn Israel oder der Libanon die Hisbollah zurückdrängen wollen, wird die Region an anderer Stelle angezündet.

Das ist keine Politik eines Staates, der Stabilität sucht. Es ist die Politik eines Regimes, dessen Macht auf dauernder Spannung beruht. Die Revolutionsgarden brauchen Feinde, Drohkulissen und äußere Konflikte, weil sie daraus ihre innere Legitimation ziehen. Ein echter Frieden würde diesem System den Sauerstoff nehmen. Darum kann Teheran Vereinbarungen unterschreiben und trotzdem Gewalt fortsetzen. Für das Regime ist das kein Widerspruch, sondern Methode.

Für Israel ist diese Entwicklung eine weitere Bestätigung. Wer glaubt, Iran lasse sich durch begrenzte Zugeständnisse beruhigen, verwechselt Pause mit Lösung. Solange Teheran seine Stellvertreter schützt, Hormus als Druckmittel nutzt, amerikanische Stützpunkte in der Golfregion bedroht und die Hisbollah im Libanon als Vorposten hält, bleibt jedes Papier brüchig.

Washington muss nun entscheiden, was seine Zusagen wert sind. Wenn iranische Angriffe folgenlos bleiben, wird die Absichtserklärung nicht zum Beginn einer stabileren Ordnung, sondern zum Schutzschild für neue Erpressung. Dann lernen Teheran und seine Verbündeten, dass man verhandeln und schießen kann, ohne den Preis zu zahlen.

Die Angriffe auf Kuwait und Bahrain sind deshalb mehr als eine militärische Episode. Sie sind eine Botschaft. An die Golfstaaten: Ihr bleibt erreichbar. An Israel: Unsere Achse bleibt aktiv. An Washington: Eure rote Linie testen wir sofort. Und an die eigene Machtbasis in Iran: Wir haben nicht kapituliert.

Genau darum ist dieses Abkommen so gefährlich, wenn es nicht mit Härte durchgesetzt wird. Frieden entsteht nicht dadurch, dass man Teheran Erleichterungen gibt und hofft, die Revolutionsgarden würden daraus Mäßigung lernen. Frieden entsteht nur, wenn Gewalt keinen Gewinn mehr bringt. Davon ist die Region nach diesen Angriffen weiter entfernt als zuvor.



Autor: Bernd Geiger

Artikel veröffentlicht am: Montag, 29. Juni 2026

haOlam-News unterstützen

haOlam-News ist auf die Unterstützung seiner Leserinnen und Leser angewiesen. Jeder Beitrag hilft, unabhängige Berichterstattung weiterzuführen.

Sie benötigen nicht zwingend ein PayPal-Konto. Im nächsten Schritt kann je nach PayPal-Anzeige auch eine Zahlung per Karte angeboten werden.

Sie möchten unsere Arbeit unterstützen, nutzen aber kein PayPal? Schreiben Sie uns kurz, wir melden uns mit den passenden Möglichkeiten.

Weitere interessante Artikel

Newsletter