Iran vor Machtkampf: Pezeshkian soll Rücktritt angeboten haben


Ein Bericht über ein Rücktrittsschreiben des iranischen Präsidenten offenbart den inneren Bruch des Regimes. Die Revolutionsgarden bestimmen offenbar immer offener, während die Regierung an Einfluss verliert.

Iran vor Machtkampf: Pezeshkian soll Rücktritt angeboten haben
Bildnachweis: Symbolbild

Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian soll dem Obersten Führer Mojtaba Khamenei ein offizielles Schreiben übermittelt haben, in dem er um seinen Rücktritt bittet. Das berichtete der oppositionelle Sender Iran International unter Berufung auf eine Quelle. Eine unabhängige Bestätigung liegt bislang nicht vor, und offen bleibt auch, ob Khamenei einem solchen Schritt zustimmen würde. Doch schon die Tatsache, dass ein solches Schreiben aus Teheraner Machtkreisen berichtet wird, ist politisch hochbrisant. Es deutet auf eine schwere Krise im Zentrum der Islamischen Republik hin: Die gewählte Regierung scheint zunehmend von jenen Kräften verdrängt zu werden, die ohnehin seit Jahrzehnten den harten Kern des Systems bilden: den RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen.

Nach dem Bericht soll Pezeshkian in dem Schreiben scharf kritisiert haben, dass seine Regierung von zentralen Entscheidungen ausgeschlossen worden sei. Die tatsächliche Kontrolle über wichtige staatliche Vorgänge liege demnach nicht mehr beim Präsidenten und seinem Kabinett, sondern bei einer Gruppe von Kommandeuren der Revolutionsgarden. Damit würde der Präsident nicht nur über politische Differenzen klagen, sondern über den faktischen Verlust seiner Amtsgewalt. Genau das macht den Vorgang so schwerwiegend. Es geht nicht um einen gewöhnlichen Streit zwischen Regierung, Militär und Sicherheitsapparat. Es geht um die Frage, wer Iran in einer Phase militärischer, wirtschaftlicher und innenpolitischer Krise überhaupt noch führt.

Pezeshkian soll in seinem Brief erklärt haben, dass das entstandene Machtvakuum den radikalen Strömungen innerhalb der Revolutionsgarden den Weg zur Übernahme zentraler Entscheidungsbereiche geöffnet habe. Unter diesen Umständen sehe er sich nicht mehr in der Lage, die Regierung zu führen und seine gesetzlichen Pflichten zu erfüllen. Diese Formulierung wäre, sollte sie zutreffen, ein politischer Offenbarungseid. Ein Präsident, der seine eigene Regierungsfähigkeit infrage stellt, bestätigt damit indirekt, was Kritiker der Islamischen Republik seit Langem sagen: Die formalen Institutionen des Staates dienen oft nur noch als Fassade, während die eigentliche Macht in den Händen ideologischer Sicherheitsapparate liegt.

Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt. In den vergangenen Monaten häuften sich Berichte über Spannungen zwischen Pezeshkian und den militärisch-sicherheitspolitischen Machtzentren. Iran International hatte bereits über wachsende Reibungen zwischen der Regierung und den Revolutionsgarden berichtet. Ende April soll es schwere Meinungsverschiedenheiten zwischen Pezeshkian und Ahmad Vahidi gegeben haben, der als besonders einflussreiche Figur im Umfeld der Revolutionsgarden gilt. Dabei soll es unter anderem um die Führung des Krieges und um dessen zerstörerische Folgen für die iranische Wirtschaft gegangen sein. Auch andere Berichte beschrieben, dass Pezeshkian bei zentralen Personalentscheidungen blockiert worden sei und sich in einer politischen Sackgasse gesehen habe.

Die Lage zeigt, wie tief der Widerspruch im iranischen System geworden ist. Nach außen gibt sich die Islamische Republik als geschlossene Front gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, die Vereinigten Staaten und den Westen. Nach innen aber wächst offenbar der Kampf zwischen zivilen Regierungsstellen, klerikaler Führung und militärischen Machtblöcken. Die Revolutionsgarden sind längst nicht nur eine militärische Organisation. Sie sind ein wirtschaftliches Imperium, ein Geheimdienstapparat, ein ideologischer Machtkörper und ein politischer Staat im Staat. Wenn sie in einer Krisenlage zentrale Regierungsfunktionen übernehmen, bedeutet das nicht Stabilität. Es bedeutet, dass die Gewaltapparate die politische Ordnung noch stärker bestimmen.

Für Israel und die Region ist diese Entwicklung von erheblicher Bedeutung. Ein Iran, in dem die Revolutionsgarden noch direkter über Krieg, Diplomatie und innere Sicherheit entscheiden, ist gefährlicher und unberechenbarer. Diejenigen Kräfte, die Stellvertreterorganisationen bewaffnen, Angriffe planen, regionale Eskalationen vorantreiben und Israel als Feindbild nutzen, würden noch weniger durch politische Rücksichten gebremst. Wenn Pezeshkians Klage zutrifft, dann ist nicht die Regierung das eigentliche Zentrum der Macht, sondern ein Kreis aus Kommandeuren, die ihre Legitimität aus Konfrontation, Geheimhaltung und ideologischer Härte ziehen.

Dass Pezeshkian kurz zuvor auf X sinngemäß schrieb, große Herausforderungen könnten nicht ohne die damit verbundenen Härten bewältigt werden, fügt sich in dieses Bild. Er sprach davon, der Öffentlichkeit die Wirklichkeit so zeigen zu müssen, wie sie sei, damit alle Teile der Gesellschaft an der Lösung der Probleme mitwirken könnten. Solche Worte klingen in einem freien politischen System unspektakulär. In Iran aber sind sie ein Zeichen von Spannung. Wer der Öffentlichkeit die Realität zeigen will, stellt sich gegen ein System, das Macht gerade dadurch erhält, dass es Wirklichkeit kontrolliert, verschleiert und durch PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen ersetzt.

Die entscheidende Frage lautet nun, ob Khamenei Pezeshkian fallen lässt, ihn zum Bleiben zwingt oder den Vorgang öffentlich dementieren lässt. Jede Variante hätte ihren Preis. Nimmt er den Rücktritt an, wird der Machtbruch sichtbar. Lehnt er ihn ab, bleibt ein Präsident im Amt, der nach den Berichten seine eigene Handlungsunfähigkeit beklagt hat. Lässt das Regime alles als Lüge darstellen, dürfte die Frage dennoch bleiben, warum solche Berichte überhaupt aus dem Machtapparat nach außen dringen. In autoritären Systemen sind solche Lecks selten zufällig. Sie sind oft Teil innerer Kämpfe.

Für die iranische Bevölkerung dürfte der Vorgang vor allem eines bestätigen: Die Regierung, die offiziell Verantwortung trägt, kann zentrale Fragen offenbar nicht mehr frei entscheiden. Die Menschen leiden unter Krieg, Sanktionen, wirtschaftlicher Not, politischer Repression und der Willkür der Sicherheitsapparate. Wenn nun selbst der Präsident erkennen lässt, dass seine Regierung aus den entscheidenden Räumen verdrängt wurde, verliert das Regime weiter an Glaubwürdigkeit. Es kann nicht gleichzeitig behaupten, stabil, souverän und handlungsfähig zu sein, während im Inneren die Macht zwischen rivalisierenden Zentren zerrieben wird.

Die Islamische Republik steht damit nicht einfach vor einer Personalfrage. Sie steht vor der Frage, ob ihre zivilen Institutionen überhaupt noch mehr sind als Kulisse. Sollte Pezeshkians Rücktrittsgesuch bestätigt werden, wäre es ein sichtbarer Ausdruck jener Machtverschiebung, die sich seit Langem abzeichnet: weg von Regierung und Parlament, hin zu den Revolutionsgarden. Ein Staat, der seine Krise militärisch verwaltet, wird nach außen härter und nach innen brutaler.

Für JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen ist diese Entwicklung kein Grund zur Entwarnung, sondern zur Wachsamkeit. Ein geschwächtes Regime kann riskant handeln, um Stärke zu zeigen. Ein von Sicherheitsapparaten beherrschtes Regime kann diplomatische Fenster schließen, bevor sie überhaupt entstehen. Und ein Iran, in dem Präsident und Regierung kaum noch Einfluss haben, kann schwerer einzuschätzen sein als ein System mit klaren Entscheidungswegen.

Noch ist nicht sicher, ob Pezeshkians Rücktritt tatsächlich erfolgt. Sicher ist aber: Der Bericht legt eine Krise offen, die weit über eine einzelne Person hinausgeht. In Teheran geht es um Macht, Kontrolle und die Frage, ob die Islamische Republik noch von politischen Institutionen gelenkt wird oder bereits immer offener von jenen Kräften, die Krieg, Repression und ideologische Konfrontation zu ihrer Grundlage gemacht haben.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Montag, 1. Juni 2026

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