Iran unter Militärkontrolle: Revolutionsgarde schneidet Präsident und Staatsführung voneinander ab


Ein Machtkampf erschüttert die Spitze des iranischen Systems. Was nach außen wie Stabilität wirkt, ist in Wahrheit ein tiefgreifender Bruch im Inneren des Regimes.

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Hinter verschlossenen Türen entscheidet nicht mehr die politische Führung, sondern eine militärische Elite. Die Entwicklung könnte die gesamte Region verändern.

Im Iran zeichnet sich eine dramatische Verschiebung der Machtverhältnisse ab. Nach übereinstimmenden Berichten hat ein informeller Führungszirkel innerhalb der Islamic Revolutionary Guard Corps faktisch die Kontrolle über den Staat übernommen. Dieser sogenannte Militärrat soll zentrale Entscheidungen blockieren, Personalvorschläge ablehnen und den Zugang zur höchsten Autorität des Landes kontrollieren.

Im Zentrum der Krise steht Masoud Pezeshkian, der als Präsident formal die Regierung führt, in der Realität jedoch kaum noch handlungsfähig ist. Seine Vorschläge für Schlüsselpositionen, insbesondere im Sicherheitsapparat, werden systematisch zurückgewiesen. Ohne Zustimmung der Revolutionsgarde bleibt jede politische Initiative wirkungslos. Damit wird das ohnehin eingeschränkte Amt des Präsidenten weiter entleert.

Noch gravierender ist die Situation rund um den neuen religiösen Führer Mojtaba Khamenei. Seit seiner Ernennung ist er nicht mehr öffentlich aufgetreten. Berichte deuten darauf hin, dass er nach den militärischen Angriffen Ende Februar verletzt wurde. Gleichzeitig soll er vollständig von der Außenwelt abgeschottet sein. Selbst der Präsident erhält offenbar keinen Zugang mehr zu ihm.

Ein Staat ohne sichtbare Führung

Diese Isolation ist kein Zufall, sondern Teil einer gezielten Strategie. Der Militärrat kontrolliert laut Berichten nicht nur den Zugang zum religiösen Führer, sondern auch den Informationsfluss. Regierungsberichte erreichen ihn nicht mehr. Entscheidungen werden stattdessen innerhalb der militärischen Struktur getroffen.

Angeführt wird dieses Machtzentrum offenbar von Ahmad Vahidi, einem langjährigen Hardliner innerhalb der Revolutionsgarde. Seine Rolle zeigt, wohin sich das System bewegt: weg von einem komplexen Zusammenspiel religiöser und politischer Institutionen hin zu einer direkten militärischen Steuerung.

Diese Entwicklung bestätigt eine Befürchtung, die in Israel seit Jahren geäußert wird: dass die Revolutionsgarde nicht nur ein Machtinstrument ist, sondern langfristig darauf abzielt, selbst die zentrale Autorität im Iran zu werden. Der aktuelle Zustand kommt diesem Szenario gefährlich nahe.

Der Tod des alten Systems

Der Auslöser für diese tektonische Verschiebung liegt in den Ereignissen der vergangenen Wochen. Der Tod von Ali Khamenei infolge der ersten Angriffe der israelisch-amerikanischen Militärkampagne hat ein Machtvakuum geschaffen, das nicht durch institutionelle Prozesse gefüllt wurde. Stattdessen hat die militärische Elite die Gelegenheit genutzt, ihre Position massiv auszubauen.

Ein weiterer Faktor ist der gezielte Schlag gegen die Sicherheitsstruktur des Regimes. Die Tötung des Geheimdienstministers Esmaeil Khatib hat die ohnehin fragile Balance zusätzlich destabilisiert. In einem System, das stark auf Loyalität und Kontrolle basiert, führen solche Verluste zu schnellen und oft brutalen Machtverschiebungen.

Auch innerhalb des Machtapparats wächst der Widerstand. Figuren wie Ali Asghar Hejazi, ein einflussreicher Vertrauter des früheren Führers, sollen offen vor der aktuellen Entwicklung gewarnt haben. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen die Ernennung Mojtaba Khameneis, die er als unqualifiziert und gefährlich bezeichnete. Genau dieses Szenario scheint nun Realität zu werden.

Für Israel ergibt sich daraus ein ambivalentes Bild. Einerseits schwächt der interne Machtkampf den Iran kurzfristig. Andererseits erhöht die Dominanz der Revolutionsgarde das Risiko unberechenbarer Entscheidungen. Militärisch geprägte Führungssysteme neigen dazu, Konflikte nicht zu entschärfen, sondern zu verschärfen.

Am Ende steht ein Staat, dessen offizielle Führung von der eigenen Machtbasis abgeschnitten ist. Der Iran wirkt nach außen weiterhin geschlossen, doch im Inneren hat sich die Struktur grundlegend verändert. Die entscheidende Frage ist nicht mehr, wer formal regiert, sondern wer tatsächlich Befehle erteilt.

Diese Antwort liegt zunehmend nicht mehr in politischen oder religiösen Institutionen, sondern in den Händen einer militärischen Elite, die kaum kontrolliert wird.



Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Sarallah Ankouti - https://www.tasnimnews.com/fa/news/1402/08/30/2993396/%D8%AA%D8%B5%D8%A7%D9%88%DB%8C%D8%B1-%D8%B1%D8%B2%D9%85%D8%A7%DB%8C%D8%B4-%D8%AA%D8%A7%DA%A9%D8%AA%DB%8C%DA%A9%DB%8C-%D9%86%DB%8C%D8%B1%D9%88%DB%8C-%D8%B2%D9%85%DB%8C%D9%86%DB%8C-%D8%B3%D9%BE%D8%A7%D9%87-%DA%A9%D8%B1%D9%85%D8%A7%D9%86, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=174070513

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 1. April 2026

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