Teheran: Khamenei beschwört Stärke und verbietet Kritik, während das Regime sichtbar ins Wanken gerät


Nach dem Tod seines Vaters übernimmt Mojtaba Khamenei die Bühne und fordert Geschlossenheit. Doch hinter den Parolen wird sichtbar, wie fragil die Macht tatsächlich ist.

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Irans neuer Oberster Führer Mojtaba Khamenei hat zum persischen Neujahr Nowruz eine Ansprache gehalten, die vor allem eines zeigt: Ein Regime, das um Kontrolle kämpft. Während er die Medien auffordert, „Schwächen nicht hervorzuheben“, offenbart genau diese Forderung, wie groß die Nervosität in Teheran ist.

Die Worte sind eindeutig, fast schon bezeichnend. Medien sollen nicht berichten, was offensichtlich ist. Sie sollen Stärke zeigen, wo Unsicherheit wächst. Sie sollen Einheit vermitteln, wo Angst regiert.

Das neue Jahr stellte Khamenei unter das Motto der „Widerstandswirtschaft unter nationaler Einheit und nationaler Sicherheit“. Es ist eine bekannte Formel, die immer dann auftaucht, wenn wirtschaftlicher Druck, militärische Rückschläge und politische Unsicherheit zusammenkommen.

„Eine List des zionistischen Feindes“

Besonders auffällig ist der Versuch, Verantwortung konsequent nach außen zu verlagern. Angriffe, die international dem Iran zugeschrieben werden, bezeichnete Khamenei als „List des zionistischen Feindes“. Israel nutze angeblich sogenannte False-Flag-Operationen, um den Iran zu diskreditieren und Konflikte mit Nachbarstaaten zu provozieren.

Diese Argumentation wirkt wie ein Reflex. Alles, was schadet, kommt von außen. Alles, was destabilisiert, ist Teil einer Verschwörung. Dass diese Erzählung gleichzeitig von einer Führung kommt, deren eigene Strukturen massiv unter Druck stehen, bleibt unausgesprochen.

Drei Kriege und eine Realität

Khamenei sprach von drei Konflikten, die dem Iran „auferlegt“ worden seien. Der Krieg mit Israel, die Proteste im eigenen Land und der aktuelle Konflikt mit Israel und den Vereinigten Staaten.

Doch die Darstellung dieser Ereignisse folgt einer klaren Linie. Der Staat ist Opfer, nie Verursacher. Die Bevölkerung steht angeblich geschlossen hinter der Führung. Zweifel existieren nicht, Kritik wird nicht erwähnt.

Die Realität sieht anders aus. Die Proteste der vergangenen Monate haben gezeigt, wie tief die Unzufriedenheit sitzt. Tausende Menschen gingen auf die Straße, viele von ihnen bezahlten dafür mit ihrem Leben. Dass diese Bewegung als „Putsch“ bezeichnet wird, sagt mehr über die Perspektive der Führung als über die Ereignisse selbst.

Macht ohne Vertrauen

Mojtaba Khamenei tritt sein Amt in einer Situation an, die für das Regime schwieriger kaum sein könnte. Sein Vater wurde getötet, zentrale Figuren des Systems sind ausgeschaltet, militärische Strukturen stehen unter Druck.

Gleichzeitig fehlt es an echter Unterstützung in der Bevölkerung. Was nach außen als Einheit dargestellt wird, ist in vielen Fällen das Ergebnis von Angst. Wer widerspricht, riskiert mehr als nur politische Konsequenzen.

Die Aufforderung an die Medien, Schwächen nicht zu benennen, ist deshalb kein Zeichen von Stärke. Sie ist ein Eingeständnis. Ein Eingeständnis, dass diese Schwächen existieren und sichtbar sind.

Worte gegen Wirklichkeit

Die Ansprache zeigt ein Regime, das sich selbst Stabilität zuschreibt, während es gleichzeitig versucht, jede kritische Stimme zu kontrollieren. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität wird dabei immer größer.

Israel wird beschuldigt, Täuschungsangriffe zu inszenieren. Gleichzeitig steht Teheran unter militärischem Druck, erlebt interne Spannungen und versucht, die eigene Bevölkerung hinter sich zu halten.

Diese Mischung aus Durchhalteparolen, Schuldzuweisungen und Kontrollversuchen wirkt zunehmend wie ein System, das sich selbst überzeugen muss.

Die Worte aus Teheran sollen Stärke vermitteln. Doch zwischen den Zeilen entsteht ein anderes Bild. Eines, das weniger von Kontrolle als von Unsicherheit geprägt ist.



Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Tasnim News Agency, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=185776040

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 20. März 2026

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