Irans Geistlichenrat bereitet Ernennung von Mojtaba Khamenei zum neuen Obersten Führer vor


Im Machtzentrum der Islamischen Republik läuft eine Entscheidung mit enormer Tragweite. Nach dem Tod von Ali Khamenei deutet vieles darauf hin, dass sein Sohn Mojtaba Khamenei die Führung des Landes übernehmen könnte.

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Im Iran verdichten sich die Hinweise darauf, dass die religiöse Führung des Landes kurz davorsteht, Mojtaba Khamenei zum neuen Obersten Führer der Islamischen Republik zu ernennen. Mitglieder des Expertenrates, des mächtigen Gremiums der schiitischen Geistlichkeit, signalisierten am Sonntag, dass eine Entscheidung möglicherweise schon in Kürze bekanntgegeben werden könnte.

Mehrere hochrangige Geistliche erklärten, es gebe innerhalb des Gremiums inzwischen nahezu einen Konsens über die Nachfolge des getöteten Staatsoberhaupts Ali Khamenei. Der 88 Mitglieder umfassende Expertenrat ist laut iranischer Verfassung für die Wahl des Obersten Führers zuständig und besitzt damit eine der zentralen Machtfunktionen des Systems.

Der Geistliche Mohammad Mahdi Mirbagheri erklärte, es existierten zwar noch einzelne Hindernisse, doch die Mehrheit der Mitglieder unterstütze bereits einen bestimmten Kandidaten. Auch ein weiteres Mitglied des Gremiums, Ajatollah Mohsen Heidari Alekasir, bestätigte indirekt, dass eine Entscheidung gefallen sei.

Er verwies auf eine Empfehlung des verstorbenen Ali Khamenei, wonach ein iranischer Oberster Führer eher von den Feinden des Landes gefürchtet als von ihnen gelobt werden sollte. In diesem Zusammenhang erwähnte er, dass selbst die Vereinigten Staaten den Namen des möglichen Nachfolgers bereits öffentlich diskutiert hätten.

Gemeint ist Mojtaba Khamenei, der zweite Sohn des bisherigen Obersten Führers. Der Name des Geistlichen steht seit Tagen im Mittelpunkt politischer Spekulationen. Präsident Donald Trump hatte ihn bereits öffentlich als für die Vereinigten Staaten inakzeptablen Kandidaten bezeichnet.

Innerhalb des iranischen Systems sorgt diese mögliche Ernennung für erhebliche Spannungen. Kritiker sehen darin den Versuch, eine Art dynastische Nachfolge einzuführen. Genau dieses Szenario hatte Ali Khamenei zu Lebzeiten offenbar selbst abgelehnt.

Berichten zufolge äußerte der verstorbene Revolutionsführer wiederholt Bedenken gegenüber der Vorstellung, sein Sohn könnte seine Nachfolge antreten. Eine solche Entscheidung könne den Eindruck einer monarchischen Machtübertragung erzeugen und damit das ideologische Fundament der Islamischen Republik beschädigen.

Auch innerhalb des Expertenrates selbst gibt es Widerstand. Nach Informationen aus iranischen Kreisen sollen mehrere Mitglieder des Gremiums gegen Mojtaba Khamenei als neuen Obersten Führer sein. Mindestens acht der 88 Geistlichen sollen sich sogar geweigert haben, an einer Abstimmung über seine Ernennung teilzunehmen.

Ein zentraler Kritikpunkt ist die religiöse Legitimität des möglichen Nachfolgers. Mojtaba Khamenei trägt den Rang eines Hujjat al Islam, der zwar ein respektierter Titel innerhalb der schiitischen Geistlichkeit ist, aber unterhalb des Ranges eines Ajatollahs liegt. Einige Kritiker argumentieren deshalb, er erfülle nicht die traditionellen Voraussetzungen für das höchste religiöse Amt im Staat.

Trotz dieser Einwände scheint der politische Einfluss der Revolutionsgarden eine wichtige Rolle in der Debatte zu spielen. Nach Berichten aus verschiedenen politischen Kreisen üben führende Vertreter der Revolutionsgarden erheblichen Druck aus, Mojtaba Khamenei zu ernennen.

Der Sohn des früheren Obersten Führers gilt seit Jahren als enger Verbündeter mehrerer einflussreicher Kommandeure. Dazu zählen unter anderem Ahmad Vahidi, der neue Kommandeur der Revolutionsgarden, sowie Hossein Taeb, der frühere Chef des Geheimdienstes der Organisation. Auch Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf wird zu seinem politischen Umfeld gerechnet.

Mojtaba Khamenei selbst hat bislang keine formale Regierungsfunktion ausgeübt. Dennoch wird ihm seit Jahren ein erheblicher informeller Einfluss nachgesagt. Während des Iran Irak Krieges soll er als Soldat gedient haben. Später studierte er in den religiösen Seminaren der heiligen Stadt Qom und knüpfte dort enge Kontakte zu konservativen Geistlichen.

Viele Beobachter gehen davon aus, dass er bereits seit längerem eine wichtige Rolle im Machtgefüge der Islamischen Republik spielt. Vor allem innerhalb der Revolutionsgarden und konservativer Netzwerke soll er als zentraler politischer Vermittler fungiert haben.

Die Entscheidung über die Nachfolge wird auch aus Sicherheitsgründen mit großer Vorsicht behandelt. Berichten zufolge zögern iranische Behörden noch mit der offiziellen Bekanntgabe seines Namens. Es besteht die Sorge, dass Mojtaba Khamenei nach einer Ernennung selbst Ziel eines Attentats werden könnte.



Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Tasnim News Agency, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=127794634

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 8. März 2026

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