Irans Studenten erheben sich: Proteste erschüttern Universitäten im ganzen Land


Iran steht vor einer doppelten Zerreißprobe: An den Universitäten flammt offener Protest gegen das Regime auf, während sich zugleich ein gefährlicher militärischer Showdown zwischen Teheran und den USA im Nahen Osten abzeichnet.

haOlam-News.de - Nachrichten aus Israel, Deutschland und der Welt.

Bereits den vierten Tag in Folge protestieren Studierende an mehreren Hochschulen des Landes darunter Universitäten in Teheran, Mashhad, Isfahan und Yazd. Videos zeigen, wie junge Menschen nicht nur auf den Campus, sondern bis in Schulen hinein Symbolik des Regimes angreifen, etwa indem sie Bilder der Staatsführung aus Lehrbüchern reißen.

In Teheran kam es an mehreren Hochschulen zu Sitzblockaden, unter anderem an der Fakultät für Medizin der Universität Teheran und an der Frauenuniversität Alzahra; Sicherheitskräfte und Basij-Milizen waren dort präsent, um die Versammlungen einzuschüchtern.

Rückkehr der Monarchie-Parolen

Bemerkenswert ist, dass sich der Protest offen monarchistisch färbt ein Tabubruch im offiziellen Diskurs der Islamischen Republik.

An der Iran University of Science and Technology skandierten Studierende: „Dies ist die letzte Schlacht, Pahlavi wird zurückkehren“ eine direkte Anrufung des im Exil lebenden Kronprinzen Reza Pahlavi.An der Technischen Universität Isfahan riefen Demonstrierende „Lang lebe der Schah“ und knüpften damit bewusst an die vorrevolutionäre Ordnung an.

Parallel dazu hat eine Gruppe von Studierenden und Absolventen iranischer Kunsthochschulen die Gründung der „National Lion and Sun Art Association of Iran“ bekanntgegeben. In einer gemeinsamen Erklärung bekennen sie sich zu Reza Pahlavi, fordern einen friedlichen Übergang und ein freies Referendum und stellen explizit die kulturelle Blüte der Pahlavi-Ära der „Stille, Zerstörung und Zensur“ nach 1979 gegenüber.

Zu den Unterzeichnern gehören Studierende und Alumni aus Kunsthochschulen in Teheran, Isfahan, Tabriz und Shiraz, was auf eine geografisch breitere Verankerung der monarchistischen Nostalgie in der Kulturszene schließen lässt.

Repression: Tränengas auf dem Campus, Todesdrohung gegen Schülerin

Die Antwort des Staates folgt dem bekannten Muster harter Repression. Auf dem Vanak-Campus der Technischen Universität Khajeh Nasir in Teheran setzten Sicherheitskräfte laut Universitätsnewsletter Tränengas sogar im Foyer des Hochschulgebäudes ein, um Studierende auseinanderzutreiben.

Besonders drastisch ist der Fall der 16‑jährigen Schülerin Diana Taherabadi aus Karaj, die Ende Januar in ihrer Wohnung von fünf uniformierten Beamten festgenommen wurde. Die Polizisten konfiszierten Handys der Familie, weckten die Schlafende, legten ihr Handschellen an und brachten sie in das Kachoui‑Gefängnis (Fardis).

Nach Angaben einer mit der Familie vertrauten Quelle wurde Diana bereits einem Gericht vorgeführt und dort darüber informiert, dass ihr die Todesstrafe drohen könnte ohne dass die Behörden der Familie Details zum Verfahren oder zum zuständigen Richter nennen. Die Jugendliche wurde zudem an die staatliche forensische Medizin überwiesen, um ihre „geistige Zurechnungsfähigkeit“ zu prüfen ein Vorgehen, das in Iran immer wieder in potenziellen Todesstrafenfällen gegen Minderjährige angewandt wird.

Sicherheitsparanoia: Debatte um Kameras in Teheran

Die innere Nervosität des Regimes spiegelt sich auch in der Debatte um mögliche Sicherheitslücken. Der Vorsitzende des Teheraner Stadtrats, Mehdi Chamran, sah sich genötigt zu erklären, es sei „unwahrscheinlich“, dass die USA oder Israel Zugang zu den städtischen Verkehrs- und Überwachungskameras hätten.

Die Kameras würden vor Inbetriebnahme getestet und auch in städtischen Gebäuden so installiert, dass keine externen Datenabflüsse möglich seien. Zugleich räumte Chamran ein, dass viele Aufnahmen später im Staatsfernsehen ausgestrahlt werden ein indirektes Eingeständnis, dass einmal gesendetes Material natürlich auch von ausländischen Diensten ausgewertet werden kann.

Aufrüstung und Kriegsgefahr: Iran, China, USA

Während es im Inneren brodelt, verschärft sich außenpolitisch die Konfrontation.

Iran steht nach Angaben von sechs mit den Gesprächen vertrauten Personen kurz vor einem Deal mit China über den Kauf chinesischer CM‑302‑Marschflugkörper, supersonischer Anti-Schiff-Raketen mit rund 290 Kilometern Reichweite, die in niedriger Höhe und hoher Geschwindigkeit operieren und als schwer abfangbar gelten.Die Verhandlungen laufen demnach seit mindestens zwei Jahren, wurden aber nach dem zwölftägigen Krieg zwischen Israel und Iran im vergangenen Jahr massiv beschleunigt. Hochrangige iranische Militärs und Regierungsvertreter reisten dafür nach China; das Außenministerium in Teheran verweist auf bestehende militärische und sicherheitspolitische Vereinbarungen mit „Verbündeten“, die nun zur Anwendung kommen sollen.

Parallel berichtet die Financial Times unter Berufung auf israelische Geheimdienstkreise, die USA könnten vier bis fünf Tage lang intensive Luftschläge gegen Iran führen oder etwa eine Woche niedrigintensive Angriffe durchhalten, selbst mit der Verlegung des Flugzeugträgers USS „Gerald R. Ford“ in die Region. Dies unterstreicht, wie konkret in militärischen Planungsstäben inzwischen mit einem Schlagabtausch gerechnet wird.

Washingtons Zickzack: Dementis, Drohkulisse, Evakuierungen

Präsident Donald Trump wies am Montag Medienberichte zurück, wonach seine Regierung begrenzte Militärschläge gegen Iran erwäge und sein oberster General diese ablehne. Dennoch spricht vieles dafür, dass sich die USA operativ auf eine Eskalation vorbereiten.

Außenminister Marco Rubio verschob seinen Israel-Besuch von Samstag auf Montag, um in Washington Spielraum für die Vorbereitung eines möglichen Angriffs zu haben.Die US‑Botschaft im Libanon flog am Montag dutzende Mitarbeiter über den Flughafen Beirut aus laut libanesischem Sender LBCI als Vorsichtsmaßnahme angesichts „erwarteter Entwicklungen“ in der Region.

Der frühere Vize-Generalstabschef der US‑Armee, Jack Keane, sieht im aktuellen Moment eine „historische Chance“, den Sturz der iranischen Führung einzuleiten, statt deren Lebensdauer über Verhandlungen zu verlängern. Das Regime sei „so schwach und fragil“ wie nie in 46 Jahren, argumentiert er, und plädiert dafür, im Falle gescheiterter Gespräche iranische Ziele in eine umfassende Zielliste für mögliche Militärschläge aufzunehmen.

Keane entwirft offen ein geopolitisches Wunschbild: Sollte das Regime in Teheran fallen und durch eine Regierung ersetzt werden, die US‑Interessen eher entspricht er verweist explizit auf Venezuela als „Modell“ –, könne die Region langfristig Frieden und Stabilität erlangen. Zugleich räumt er ein, dass Iran weiterhin zu Vergeltungsschlägen fähig sei, weshalb die USA ihre Kräfte zum Schutz eigener Basen und Israels in Stellung brächten.

Ausblick: Gesellschaft unter Druck, Regime im Belagerungsmodus

Die Proteste der Studierenden, die monarchistische Symbolik, der Fall der 16‑jährigen Diana Taherabadi und der Einsatz von Tränengas auf Universitätsgeländen verdeutlichen, wie tief der gesellschaftliche Konflikt inzwischen in Bildungseinrichtungen vorgedrungen ist. Die Führung in Teheran sieht sich gleichzeitig mit einer verschärften militärischen und diplomatischen Front konfrontiert von US‑Trägerverbänden im Persischen Golf über mögliche massive Luftschläge bis hin zu neuen Waffenbündnissen mit China und Russland.

Zwischen innerem Aufbegehren und äußerer Einkreisung gerät die Islamische Republik in einen Belagerungsmodus, der sowohl das Risiko brutaler Repression im Inneren als auch einer plötzlichen militärischen Eskalation in der Region weiter erhöht.



Autor: Samuel Benning
Bild Quelle: symbolbild: By VOA - «Бензиновые» протесты в Иране приняли политический характер, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=84055233

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 24. Februar 2026

haOlam via paypal unterstützen


Hinweis: Sie benötigen kein PayPal-Konto. Klicken Sie im nächsten Schritt einfach auf „Mit Debit- oder Kreditkarte zahlen“, um per Lastschrift oder Kreditkarte zu unterstützen.

Weitere interessante Artikel

Newsletter