Nach Jom-Kippur-Terror in Manchester: Iraker soll Wissen über Anschlag verschwiegen haben

Nach Jom-Kippur-Terror in Manchester: Iraker soll Wissen über Anschlag verschwiegen haben


Fast elf Monate nach dem tödlichen Angriff auf eine Synagoge wird das Umfeld des Attentäters weiter untersucht. Ein 49-jähriger Iraker steht nun vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft verweist auf Kontakte zum Täter und Gespräche, die auf Überwachungskameras aufgezeichnet worden sein sollen.

Nach Jom-Kippur-Terror in Manchester: Iraker soll Wissen über Anschlag verschwiegen haben
Bildnachweis: Pixabay

Der Terrorangriff auf die Heaton Park Hebrew Congregation in Manchester ist noch immer nicht vollständig aufgeklärt. Während Juden in der Synagoge Jom Kippur begingen, griff Jihad Al-Shamie am 2. Oktober 2025 mit einem Auto und einem Messer an. Zwei jüdische Männer starben, drei weitere wurden schwer verletzt.

Nun gibt es eine neue Entwicklung.

Die britische Anti-Terror-Polizei hat den 49-jährigen Hekmat Omar Ali Hakim angeklagt. Der irakische Staatsangehörige soll gegen Paragraf 38B des britischen Terrorism Act 2000 verstoßen haben. Konkret wird ihm vorgeworfen, Informationen über terroristische Aktivitäten nicht an die Behörden weitergegeben zu haben.

Die Polizei betont ausdrücklich, dass die Anklage direkt mit dem Anschlag auf die Synagoge zusammenhängt. Welche Informationen Hakim nach Auffassung der Ermittler genau besaß und wann er davon erfahren haben soll, wurde bislang nicht vollständig öffentlich gemacht.

Am Freitag erschien Hakim per Video vor dem Westminster Magistrates' Court. Er wies den Vorwurf zurück und plädierte auf nicht schuldig. Bis zum nächsten Gerichtstermin bleibt er in Untersuchungshaft. Am 25. September soll der Fall am Old Bailey weiterverhandelt werden.

Interessant sind dabei die ersten Angaben der Staatsanwaltschaft zum Verhältnis zwischen Hakim und dem Attentäter.

Staatsanwältin Sally-Anne Russell erklärte vor Gericht, Aufnahmen von Gesprächen zwischen Hakim und Al-Shamie würden nach Auffassung der Anklage zeigen, dass Hakim terroristisches Handeln gebilligt und unterstützt habe. Hakim habe dieselbe Moschee wie Al-Shamie besucht und sei vor dem Anschlag mehrfach gemeinsam mit ihm im Auto unterwegs gewesen.

Das sind bislang Vorwürfe der Anklage und keine gerichtlich festgestellten Tatsachen. Hakim bestreitet die Anklage.

Gerade deshalb ist Zurückhaltung bei der Einordnung wichtig. Die Ermittler werfen Hakim nach dem derzeit bekannten Stand weder die Planung noch die unmittelbare Beteiligung an dem Synagogenanschlag vor. Der konkrete Vorwurf lautet, vorhandenes Wissen über terroristische Aktivitäten nicht offengelegt zu haben.

Trotzdem bezeichnet die Anti-Terror-Polizei die Anklage als „bedeutende Entwicklung“.

Denn die Ermittler versuchen bis heute zu klären, welches Umfeld Al-Shamie vor seinem Angriff hatte, mit wem er Kontakt hielt und ob andere Menschen von seinen terroristischen Aktivitäten wussten.

Schon ein anderer Weggefährte des Täters sitzt wegen Terrorplanung im Gefängnis

Dass diese Fragen nicht theoretisch sind, zeigt ein weiterer Fall aus dem Umfeld Al-Shamies.

Mohammed Asim Bashir wurde im Juli zu lebenslanger Haft mit einer Mindestverbüßungszeit von 17 Jahren verurteilt. Die britische Anti-Terror-Polizei bezeichnete ihn als langjährigen und überzeugten Dschihadisten.

Bashir und Al-Shamie hatten bereits am 14. August 2025, wenige Wochen vor dem Angriff auf die Synagoge, gemeinsam eine etwa zehnstündige Fahrt unternommen, um eine britische Militäreinrichtung auszukundschaften. Nach Angaben der Ermittler diskutierten sie zuvor Kriterien für mögliche Anschlagsziele und untersuchten anschließend die Sicherheitsmaßnahmen der Anlage.

Wichtig ist jedoch auch hier die Abgrenzung: Die Polizei erklärte ausdrücklich, es gebe keine Beweise dafür, dass Bashir vorab von Al-Shamies Plan zum Angriff auf die Synagoge wusste. Seine Verurteilung bezog sich auf die Vorbereitung anderer terroristischer Handlungen.

Damit zeichnet sich bislang kein nachgewiesenes gemeinsames Komplott gegen die Synagoge ab.

Aber es zeichnet sich deutlicher ab, dass der Mann, der an Jom Kippur Juden ermorden wollte, Kontakte zu Personen hatte, die selbst Gegenstand schwerwiegender Terrorermittlungen wurden.

Genau dieses Umfeld versuchen die Ermittler nun Stück für Stück zu rekonstruieren.

Der Anschlag selbst dauerte nur wenige Minuten.

Al-Shamie fuhr am Morgen des 2. Oktober mit seinem Auto auf Menschen vor der Synagoge zu. Danach griff er mit einem Messer an. An seinem Körper trug er eine vermeintliche Sprengstoffweste, die sich später als Attrappe herausstellte. Sicherheitskräfte und Gemeindemitglieder verhinderten, dass er in die mit Gläubigen gefüllte Synagoge eindringen konnte. Bewaffnete Polizisten erschossen ihn vor dem Gebäude.

Der 66-jährige Melvin Cravitz wurde vom Terroristen erstochen.

Der 53-jährige Adrian Daulby starb unter besonders tragischen Umständen. Er gehörte zu den Gemeindemitgliedern, die die Türen verbarrikadierten und damit verhinderten, dass Al-Shamie in das Gotteshaus gelangte. Daulby wurde von einem Schuss eines Polizeibeamten getroffen, der den Angreifer stoppen wollte. Seine Familie bezeichnete seine letzte Handlung später als einen Akt außergewöhnlichen Mutes.

Drei weitere Männer wurden schwer verletzt. Sie konnten inzwischen das Krankenhaus verlassen.

Für die jüdische Gemeinde Manchesters bleibt der Anschlag nicht nur wegen seiner Brutalität traumatisch. Er traf eine Synagoge ausgerechnet an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, zu einem Zeitpunkt, an dem zahlreiche Gläubige im Gebäude waren.

Dass der Täter nicht hineingelangte, verhinderte vermutlich ein noch größeres Massaker.

Fast ein Jahr später ist deshalb eine Frage weiterhin offen: Wer wusste vor dem Angriff was über Jihad Al-Shamie?

Mit der Anklage gegen Hekmat Omar Ali Hakim glauben die Ermittler offenbar, dieser Antwort ein Stück näher gekommen zu sein.

Ob ihre Vorwürfe vor Gericht Bestand haben, muss nun das Verfahren zeigen.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 22. August 2026

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