British Museum korrigiert Nahost Galerie und streicht „Palästina“ aus antiken Karten
Das British Museum überarbeitet seine Nahost Ausstellung und ersetzt den Begriff „Palästina“ in antiken Kontexten. Kritiker sprechen von überfälliger Präzisierung, Befürworter sehen einen Schritt zu historischer Genauigkeit.

Das British Museum hat den Begriff „Palästina“ aus mehreren Ausstellungstafeln und Karten in seinen Nahost Galerien entfernt. Hintergrund sind Beschwerden, wonach die Bezeichnung für Epochen verwendet wurde, in denen sie historisch nicht existierte. Die Entscheidung ist mehr als eine museale Korrektur. Sie berührt die sensible Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Sprache und politischer Gegenwart.
Nach Angaben des Museums betreffen die Änderungen insbesondere Karten zur südlichen Levante im späten zweiten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung. Für diese Epoche sei der Begriff „Kanaan“ sachlich zutreffend. Einige grafische Tafeln stammten noch aus einer früheren Phase der musealen Konzeption und würden im Zuge einer ohnehin geplanten Überarbeitung angepasst.
Auslöser der Debatte war ein Schreiben der Organisation UK Lawyers for Israel. Die Juristen kritisierten, dass der Begriff „Palästina“ rückwirkend auf Zeiträume angewendet worden sei, in denen es weder eine politische noch eine administrative Einheit dieses Namens gegeben habe. Dadurch entstehe der Eindruck historischer Kontinuität, die es in dieser Form nicht gegeben habe. Besonders die Geschichte der Königreiche Israel und Juda werde dadurch verwischt.
Das Museum räumte ein, dass „Palästina“ zwar seit dem späten 19. Jahrhundert in westlicher und nahöstlicher Forschung als geografische Bezeichnung verbreitet gewesen sei, der Begriff heute jedoch nicht mehr als neutral wahrgenommen werde. Er werde vielfach mit aktuellen politischen Territorien assoziiert. Deshalb verwende man bei modernen Karten bereits die Terminologie der Vereinten Nationen und unterscheide zwischen Israel, Gaza, Westjordanland und Jordanien. In antiken Kontexten solle künftig stärker auf historisch präzise Bezeichnungen wie Kanaan, Juda oder das Königreich Israel zurückgegriffen werden.
Tatsächlich sind mehrere Informationstafeln in der Levante Galerie, die den Zeitraum von 2000 bis 300 vor unserer Zeitrechnung abdecken, bereits angepasst worden. Sie beschreiben nun detaillierter die kanaanäische Kultur sowie den Aufstieg der Königreiche Israel und Juda. Auch in der Ägypten Galerie wurde eine Formulierung geändert. Statt von „palästinensischer Abstammung“ ist dort nun von „kanaanitischer Abstammung“ die Rede.
Die Entscheidung wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie gehen Museen mit Begriffen um, die im Laufe der Zeit ihre Bedeutung verändern? Historische Wissenschaft verlangt Genauigkeit. Gleichzeitig stehen Institutionen wie das British Museum unter öffentlicher Beobachtung. Begriffe, die einst als geografisch neutral galten, tragen heute politische Konnotationen.
Für jüdische Organisationen ist die Präzisierung ein wichtiger Schritt. Sie argumentieren, dass die Verwendung eines modernen politischen Begriffs für die Bronze oder Eisenzeit den historischen Kontext verzerrt. Die antiken Reiche Israel und Juda seien eigenständige politische Einheiten gewesen, deren Existenz nicht durch nachträgliche Terminologie relativiert werden dürfe.
Kritiker wiederum warnen davor, museale Sprache vorschnell aktuellen Debatten unterzuordnen. Sie befürchten, dass Änderungen als politische Positionierung interpretiert werden könnten. Das Museum selbst betont, es gehe ausschließlich um historische Genauigkeit und nicht um eine Stellungnahme zu gegenwärtigen Konflikten.
Unabhängig von der Bewertung zeigt der Vorgang, wie eng Wissenschaft und Gegenwart miteinander verflochten sind. Archäologie und Geschichtsdarstellung sind keine abstrakten Disziplinen. Sie prägen das öffentliche Verständnis von Identität, Kontinuität und Zugehörigkeit. Wenn ein weltweit renommiertes Museum seine Wortwahl ändert, ist das ein Signal.
Für Israel ist die Debatte von besonderer Bedeutung. Die historische Verankerung des jüdischen Volkes im Land ist keine politische These, sondern archäologisch und textlich belegte Realität. Begriffe, die Epochen vermischen oder historische Einheiten überdecken, beeinflussen die Wahrnehmung dieser Kontinuität. Präzise Sprache ist daher kein Detail, sondern Voraussetzung für eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
Das British Museum hat mit seiner Entscheidung einen Schritt in Richtung begrifflicher Klarheit getan. Ob weitere internationale Institutionen diesem Beispiel folgen, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch: Die Art, wie Geschichte benannt wird, entscheidet darüber, wie sie verstanden wird.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Luke Massey & the Greater London National Park City Initiative - This image has been extracted from another file, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=77112807
Artikel veröffentlicht am: Montag, 16. Februar 2026