Zugkatastrophe in Spanien: Mindestens 39 Tote nach Kollision zweier Schnellzüge gemeldet
Zwei Hochgeschwindigkeitszüge sind in der spanischen Provinz Toledo zusammengestoßen. Waggons stürzten eine Böschung hinunter, zahlreiche Menschen wurden verletzt. Spanische Medien melden unter Berufung auf Rettungskräfte inzwischen mindestens 39 Todesopfer. Die Ursache des schweren Unglücks ist noch ungeklärt.

Bildnachweis: Symbolbild / KI
Spanien ist am Mittwochmorgen von einer schweren Eisenbahnkatastrophe erschüttert worden. Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Andalusien sind zwei Personenzüge zusammengestoßen. Bei dem Unglück nahe der Gemeinde Urda in der zentralspanischen Provinz Toledo kamen nach jüngsten spanischen Medienberichten mindestens 39 Menschen ums Leben. Zahlreiche weitere Reisende wurden verletzt. Die Rettungsarbeiten dauern an, während die Behörden versuchen, das Ausmaß der Katastrophe vollständig zu erfassen.
Die spanische Regionalzeitung Tribuna de Segovia berichtete unter Berufung auf den Rettungsdienst von Kastilien-La Mancha von mindestens 39 Todesopfern. Zuvor hatte die Regionalregierung zunächst mindestens zehn Tote bestätigt. Die deutsche Tagesschau meldete am späten Vormittag unter Berufung auf eine Sprecherin der Regionalregierung mindestens 30 Todesopfer. Die unterschiedlichen Angaben spiegeln die Entwicklung der Rettungsarbeiten wider. Eine abschließende Opferbilanz liegt noch nicht vor.
Das Unglück ereignete sich am 28. Oktober gegen 8:54 Uhr Ortszeit im Bereich zwischen Mora, Orgaz und Urda, rund 100 Kilometer südlich von Madrid. Nach Angaben des staatlichen spanischen Eisenbahninfrastrukturbetreibers Adif waren ein Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe und ein Zug des privaten Anbieters Iryo beteiligt. Beide Fahrzeuge befanden sich auf der wichtigen Bahnverbindung zwischen Madrid und Sevilla.
Nach bisherigen Erkenntnissen handelte es sich um einen Auffahrunfall. Ein AVE-Hochgeschwindigkeitszug von Renfe soll einen Iryo-Zug von hinten gerammt haben. Durch die Wucht des Zusammenstoßes entgleisten mindestens zwei Waggons und stürzten eine Böschung hinunter. Die genauen Umstände der Kollision und die Geschwindigkeit der beteiligten Züge waren zunächst nicht bekannt.
Die Behörden haben bislang keine gesicherte Unfallursache genannt. Ob technische Probleme, menschliches Versagen oder Fehler bei der Steuerung des Zugverkehrs eine Rolle spielten, ist Gegenstand der weiteren Untersuchungen. Entsprechende Vermutungen lassen sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht als Tatsachen darstellen.
Rettungskräfte im Großeinsatz – Hochgeschwindigkeitsstrecke gesperrt
Unmittelbar nach dem Zusammenstoß wurde ein umfangreicher Rettungseinsatz eingeleitet. Nach Angaben des spanischen Notdienstes 112 rückten Feuerwehrkräfte aus Alcázar de San Juan und Orgaz aus. Unterstützt wurden sie von Zivilschutzeinheiten aus mehreren umliegenden Gemeinden sowie medizinischen Rettungskräften.
Mindestens drei Rettungshubschrauber und zwei mobile intensivmedizinische Einheiten wurden an den Unfallort geschickt. Die Einsatzkräfte mussten sich Zugang zu den beschädigten Waggons verschaffen, um verletzte Fahrgäste zu erreichen und die Opfer zu bergen.
Der Bürgermeister der nahegelegenen Gemeinde Urda erklärte gegenüber dem spanischen Staatsfernsehen TVE, die Zivilschutzbehörden hätten ihn gebeten, eine Sporthalle für die Versorgung betroffener Reisender bereitzustellen. Die örtlichen Einrichtungen wurden damit kurzfristig in die Bewältigung der Katastrophe eingebunden.
Die Regionalregierung von Kastilien-La Mancha aktivierte bereits am Morgen ihren territorialen Notfallplan Platecam. Damit sollten die verschiedenen Rettungsdienste, medizinischen Einrichtungen und zuständigen Behörden koordiniert werden. Die Aktivierung erfolgte um 9:15 Uhr, also nur kurze Zeit nach dem gemeldeten Zusammenstoß.
Der spanische Infrastrukturbetreiber Adif unterbrach den Verkehr auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Andalusien vollständig. Betroffen sind wichtige Verbindungen von der Hauptstadt in Richtung Sevilla, Córdoba, Málaga und weitere südspanische Städte.
Auch die staatliche Bahngesellschaft Renfe bestätigte die Streckensperrung. Für betroffene Reisende wurden kostenlose Änderungen und Stornierungen ihrer Fahrkarten ermöglicht. Wie lange die Strecke gesperrt bleiben muss, war zunächst nicht absehbar. Neben den Rettungs- und Bergungsarbeiten müssen auch mögliche Schäden an Gleisen und technischen Sicherungssystemen untersucht werden.
Ministerpräsident Pedro Sánchez zeigte sich erschüttert über das Unglück und sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus. Nach spanischen Medienberichten sagte er seine vorgesehenen Termine für den Mittwoch ab.
Zweite schwere Zugkatastrophe innerhalb eines Jahres
Das Unglück weckt in Spanien Erinnerungen an die Eisenbahnkatastrophe vom 18. Januar 2026 bei Adamuz in der Provinz Córdoba. Damals entgleiste ein Hochgeschwindigkeitszug des privaten Betreibers Iryo und kollidierte mit einem entgegenkommenden Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe. Bei diesem Unglück starben 46 Menschen, mehr als 150 wurden verletzt.
Bereits die Katastrophe von Adamuz hatte eine intensive Debatte über die Sicherheit des spanischen Hochgeschwindigkeitsnetzes ausgelöst. Im September forderte eine Vereinigung der damaligen Opfer eine europäische Überprüfung der Eisenbahninfrastruktur und verwies auf aus ihrer Sicht schwerwiegende Mängel im Netz.
Mit der erneuten schweren Kollision rückt die Frage nach der Sicherheit des Eisenbahnverkehrs wieder in den Mittelpunkt. Allerdings wäre es verfrüht, aus zwei schweren Unglücken auf dieselben Ursachen zu schließen. Beide Unfälle müssen unabhängig voneinander untersucht werden.
Spanien verfügt über eines der größten Hochgeschwindigkeitsnetze Europas. Die Verbindungen zwischen Madrid und den großen Städten des Landes spielen eine wichtige Rolle für den Fernverkehr und werden täglich von zahlreichen Reisenden genutzt. Auf Teilen des Netzes konkurriert die staatliche Bahngesellschaft Renfe inzwischen mit privaten Anbietern wie Iryo und Ouigo.
Die Kollision bei Urda betrifft damit eine zentrale Verkehrsverbindung des Landes. Neben den unmittelbaren menschlichen Folgen dürfte das Unglück erneut Fragen zur Überwachung des Zugverkehrs, zum Zustand der Infrastruktur und zu den technischen Schutzsystemen aufwerfen.
Vorrang haben derzeit jedoch die Versorgung der Verletzten, die Bergung der Todesopfer und die Benachrichtigung der Angehörigen. Erst wenn die Rettungsarbeiten abgeschlossen und die technischen Untersuchungen weiter fortgeschritten sind, wird sich klären lassen, wie es zu der schweren Kollision kommen konnte.
Die Opferzahl könnte sich im weiteren Verlauf der Bergungsarbeiten noch verändern. Die bisher höchste in den ausgewerteten spanischen Berichten genannte Zahl liegt bei mindestens 39 Todesopfern. Eine endgültige behördliche Gesamtbilanz bleibt abzuwarten.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 28. Oktober 2026