Georgien wird für Reisende mit Medikamenten zum teuren Risiko


Ein Israeli wurde in Tiflis wegen eines ADHS Medikaments festgesetzt und musste rund 8.100 Euro zahlen. Der Fall zeigt: Wer mit Medikamenten nach Georgien reist, muss die Regeln vorher genau prüfen.

Georgien wird für Reisende mit Medikamenten zum teuren Risiko
Bildnachweis: Pixabay

Ein Urlaub in Georgien kann für Reisende mit Medikamenten zu einem ernsten rechtlichen und finanziellen Risiko werden. Was in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, Deutschland oder anderen Ländern als ärztlich verordnetes Alltagsmedikament gilt, kann an der georgischen Grenze plötzlich zum Problem werden. Der Fall des 29 Jahre alten Michael Surfin aus Be’er Schewa zeigt, wie schnell aus einer privaten Reise eine belastende Behördenangelegenheit wird: Pass weg, Polizeitermine, Anwalt, Gericht, hohe Kosten und eine Rückreise erst nach Zahlung einer erheblichen Geldstrafe.

Surfin war nach einem Bericht von mako gemeinsam mit seiner Partnerin Achinoam nach Tiflis gereist, um dort seinen Geburtstag zu verbringen. Direkt nach der Landung wurden beide von Sicherheitskräften kontrolliert. In seinem Gepäck fanden die Beamten Attent, ein verschreibungspflichtiges Medikament, das in Israel zur Behandlung von ADHS eingesetzt wird. Surfin erklärte nach eigener Darstellung, er nehme das Präparat seit zwölf Jahren, habe es auf ärztliche Verordnung dabei und die Tabletten befänden sich in der Originalverpackung. Für ihn war es ein medizinisch notwendiges Medikament. Für die georgischen Behörden war es offenbar eine Substanz, deren Einfuhr streng geprüft wurde.

Der entscheidende Punkt ist der Wirkstoff. Attent ist kein gewöhnliches Schmerzmittel und kein harmloses Reisepräparat, sondern ein ADHS Medikament auf Basis von Amphetamin Verbindungen. Solche Wirkstoffe können international sehr unterschiedlich eingestuft werden. In einem Land sind sie mit Rezept zulässig, in einem anderen fallen sie unter besonders strenge Vorschriften oder dürfen nur mit zusätzlichen Dokumenten und in genau begrenzter Menge eingeführt werden. Genau deshalb ist der Fall nicht nur für Israelis interessant. Er betrifft grundsätzlich jeden Reisenden, der Medikamente mitführt und davon ausgeht, dass ein Rezept aus dem Heimatland automatisch ausreicht.

Nach Surfins Schilderung wurde sein Pass einbehalten, während die Tabletten untersucht wurden. Er und seine Partnerin durften zwar in ihr Hotel, mussten aber in Tiflis bleiben und mit den Behörden in Kontakt bleiben. Eine örtliche Anwältin übernahm den Fall. Erst nach etwa einer Woche kam es zu einer Lösung über die Staatsanwaltschaft. Am Ende wurde gegen Surfin eine Geldstrafe von 27.500 Schekel verhängt. Das entspricht nach dem zugrunde gelegten Kurs von rund 1 Euro zu 3,3891 Schekel etwa 8.100 Euro. Seine gesamten Ausgaben bezifferte er auf rund 50.000 Schekel, also ungefähr 14.750 Euro.

Diese Zahlen machen den Fall so alarmierend. Es geht nicht um eine kleine Unannehmlichkeit an der Passkontrolle, nicht um eine kurze Verzögerung und nicht um ein Missverständnis, das sich mit einem Rezept rasch aufklären lässt. Für Betroffene kann eine solche Kontrolle in Georgien offenbar hohe Kosten, rechtliche Unsicherheit und massiven Druck bedeuten. Surfin selbst warf den georgischen Stellen laut mako vor, Touristen auf zynische Weise auszunutzen. Diese Bewertung ist seine persönliche Schilderung und sollte entsprechend eingeordnet werden. Unstrittig ist aber: Die georgischen Behörden setzen ihre Arzneimittelvorschriften streng durch, und Reisende tragen das Risiko, wenn sie die konkrete Rechtslage nicht vorher prüfen.

Besonders wichtig ist, dass es bereits frühere Fälle gab. Nach israelischen Berichten waren im Februar zwei Reisende betroffen, die über Georgien flogen und wegen mitgeführter Medikamente festgesetzt wurden. Damals war von einer gerichtlich festgesetzten Summe von rund einer Million Schekel die Rede. Umgerechnet entspricht das etwa 295.000 Euro. Selbst wenn jeder Fall einzeln geprüft werden muss, zeigt die Größenordnung, wie gefährlich es ist, Medikamentenregeln bei Reisen nach Georgien zu unterschätzen.

Das israelische Außenministerium hatte bereits vor solchen Fällen gewarnt. In der Warnung hieß es, dass Touristen bei der Einreise nach Georgien wegen Medikamenten im Gepäck aufgehalten, festgesetzt, mit hohen Geldstrafen belegt oder im lokalen System registriert werden können. Die Warnung betrifft ausdrücklich auch Medikamente, die in Israel ohne Rezept erhältlich sein können. Entscheidend ist also nicht, wie ein Präparat im Herkunftsland behandelt wird, sondern wie Georgien den Wirkstoff einstuft.

Für Reisende aus Deutschland, Israel oder anderen Ländern ist die Lehre eindeutig: Vor einer Reise nach Georgien müssen Medikamente einzeln geprüft werden. Es reicht nicht, auf die eigene Erfahrung, ein deutsches Rezept oder eine übliche Packung in der Reiseapotheke zu vertrauen. Wer verschreibungspflichtige Medikamente, ADHS Präparate, Schmerzmittel, Beruhigungsmittel oder andere Wirkstoffe mitnimmt, sollte vorher klären, ob diese in Georgien erlaubt sind, welche Menge eingeführt werden darf und welche Unterlagen erforderlich sind. Sinnvoll sind ein ärztliches Attest auf Englisch, ein Rezept auf Englisch, gegebenenfalls eine beglaubigte Übersetzung und die Mitnahme nur der Menge, die für den persönlichen Bedarf während der Reise wirklich notwendig ist.

Der Fall zeigt auch, wie groß die Lücke zwischen Urlaubsgefühl und Grenzrealität sein kann. Georgien ist für viele Reisende ein attraktives Ziel: Tiflis, Berge, Kultur, vergleichsweise kurze Flugzeiten und oft günstige Preise. Doch eine schöne Reisedestination bleibt ein fremder Rechtsraum. An der Grenze gelten nicht die Gewohnheiten des Herkunftslandes, sondern die Regeln des Ziellandes. Wer das übersieht, kann in eine Lage geraten, aus der er nur mit Anwalt, Geld und großer Belastung wieder herauskommt.

Gerade deshalb sollte der Fall nicht als exotische Einzelfallgeschichte abgetan werden. Er ist eine Warnung. Wer nach Georgien reist, sollte seine Medikamente nicht einfach einpacken, sondern vorher prüfen, dokumentieren und im Zweifel die georgische Botschaft oder zuständige Behörden kontaktieren. Das gilt besonders für Präparate mit Wirkstoffen, die international als kontrollierte Substanzen gelten können. Ein Rezept mag medizinisch alles erklären. Rechtlich kann es an der Grenze trotzdem zu wenig sein.

Für Michael Surfin endete die Geburtstagsreise mit einer Geldstrafe, zusätzlichen Kosten und einer Erfahrung, die er so schnell nicht vergessen dürfte. Für andere Reisende kann sein Fall wenigstens einen Nutzen haben: Er zeigt, dass Vorsicht bei Reisen nach Georgien nicht übertrieben ist. Wer Medikamente braucht, sollte vor der Buchung klären, ob er sie überhaupt legal einführen darf. Sonst kann aus einem Urlaub in wenigen Minuten ein Verfahren werden.



Autor: Bernd Geiger

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 11. Juni 2026

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