UN-Teilungsplan 1947: Der abgelehnte Weg zu zwei Staaten

Der UN-Teilungsplan von 1947 sah einen jüdischen und einen arabischen Staat vor. Die jüdische Seite akzeptierte ihn, die arabische Seite lehnte ihn ab.

Der UN-Teilungsplan von 1947 war einer der entscheidenden Wendepunkte in der Geschichte des Nahen Ostens. Am 29. November 1947 nahm die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Resolution 181 an. Sie empfahl, das britische Mandatsgebiet Palästina in zwei Staaten zu teilen: einen jüdischen Staat und einen arabischen Staat. Jerusalem und Bethlehem sollten wegen ihrer religiösen Bedeutung nicht Teil eines der beiden Staaten werden, sondern als Corpus separatum unter eine besondere internationale Verwaltung gestellt werden.

Der Beschluss fiel nach jahrzehntelangen Spannungen im britischen Mandatsgebiet. Juden hatten seit dem späten 19. Jahrhundert verstärkt in das Land eingewandert, besonders nach Verfolgung, Pogromen und schließlich nach der Schoah. Die arabische Bevölkerung lehnte eine jüdische nationale Heimstätte weitgehend ab. Großbritannien, das seit 1920 das Mandat über Palästina ausübte, war nach dem Zweiten Weltkrieg politisch erschöpft und gab die Frage an die Vereinten Nationen weiter.

Die Abstimmung vom 29. November 1947

Für den Teilungsplan stimmten 33 Staaten, 13 stimmten dagegen, 10 enthielten sich. Damit erreichte die Resolution die nötige Zweidrittelmehrheit. Zu den Unterstützern gehörten unter anderem die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, was im beginnenden Kalten Krieg bemerkenswert war. Gegen den Plan stimmten vor allem arabische und muslimisch geprägte Staaten sowie einige weitere Länder.

Die jüdische Führung akzeptierte den Plan, obwohl die vorgeschlagenen Grenzen schwierig waren. Das jüdische Staatsgebiet sollte aus mehreren voneinander getrennten Teilen bestehen, darunter die Küstenebene, Teile Galiläas und der Negev. Der geplante jüdische Staat hätte eine große arabische Minderheit umfasst. Dennoch sah die jüdische Seite in der Resolution die internationale Anerkennung des Rechts auf jüdische Selbstbestimmung.

Die arabische Seite lehnte den Teilungsplan ab. Arabische Führungen im Mandatsgebiet und die umliegenden arabischen Staaten akzeptierten keinen jüdischen Staat, auch nicht auf einem Teil des Landes. Nach der Abstimmung begann eine Phase schwerer Gewalt zwischen jüdischen und arabischen Kräften im Mandatsgebiet. Der Teilungsplan wurde deshalb nie friedlich umgesetzt.

Inhalt und Bedeutung der Resolution 181

Resolution 181 sah nicht nur zwei Staaten vor, sondern auch eine wirtschaftliche Union zwischen ihnen. Vorgesehen waren gemeinsame Regelungen für Zoll, Währung, Verkehr, Wasser, Häfen und wichtige Infrastruktur. Damit sollten die wirtschaftlichen Verflechtungen des kleinen Gebiets erhalten bleiben. Beide Staaten sollten demokratische Verfassungen erhalten und Minderheitenrechte garantieren.

Jerusalem sollte nach dem Plan einen Sonderstatus bekommen. Die Stadt sollte wegen ihrer Bedeutung für Juden, Christen und Muslime international verwaltet werden. Diese Regelung wurde besonders wichtig, weil Jerusalem bereits damals nicht nur eine religiöse, sondern auch eine politische und nationale Schlüsselfrage war. In der Praxis kam es jedoch anders: Nach dem Krieg von 1948 war Jerusalem geteilt. Westjerusalem wurde von Israel kontrolliert, Ostjerusalem und die Altstadt kamen unter jordanische Kontrolle. Erst 1967 vereinigte Israel die Stadt wieder unter seiner Kontrolle.

Der UN-Teilungsplan wird oft als früher Zwei-Staaten-Plan bezeichnet. Diese Einordnung ist sachlich richtig, muss aber präzise verstanden werden: Die Vereinten Nationen schlugen 1947 zwei Staaten im Mandatsgebiet vor. Ein jüdischer Staat entstand 1948 mit Israel. Ein arabischer Staat im vorgesehenen Gebiet entstand nicht, weil die arabische Seite den Plan ablehnte und der folgende Krieg die politische Landkarte veränderte.

Folgen der Ablehnung

Die Ablehnung des Teilungsplans führte nicht allein, aber sehr direkt in den Krieg von 1947 bis 1949. Zunächst begann ein Bürgerkrieg im Mandatsgebiet zwischen jüdischen und arabischen Kräften. Nach der israelischen Unabhängigkeitserklärung am 14. Mai 1948 griffen am folgenden Tag Armeen mehrerer arabischer Staaten an, darunter Ägypten, Transjordanien, Syrien, Libanon und Irak. Für Israel wurde aus der Staatsgründung sofort ein Überlebenskampf.

Die Folgen waren tiefgreifend. Israel behauptete sich militärisch und wurde als Staat Realität. Die arabische Seite erlitt eine schwere Niederlage. Hunderttausende Araber flohen oder wurden vertrieben, während zugleich in den folgenden Jahren Hunderttausende Juden aus arabischen und muslimisch geprägten Ländern flohen, vertrieben wurden oder auswanderten und in Israel eine neue Heimat fanden. Die Waffenstillstandslinien von 1949 ersetzten den nie umgesetzten Teilungsplan als politische Realität.

Bis heute ist Resolution 181 ein zentraler Bezugspunkt in der Debatte über Israel und den Nahostkonflikt. Für Israel markiert sie die internationale Anerkennung jüdischer Selbstbestimmung nach Jahrhunderten der Verfolgung und nach der Schoah. Für viele Palästinenser steht sie dagegen am Anfang von Verlust, Flucht und nationalem Scheitern. Beide Erinnerungen prägen die politische Wahrnehmung bis heute.

Der UN-Teilungsplan von 1947 zeigt vor allem eines: Die Idee zweier Staaten ist nicht neu. Sie wurde bereits vor der Gründung Israels international vorgeschlagen. Dass sie damals nicht verwirklicht wurde, lag nicht an einer jüdischen Ablehnung, sondern an der arabischen Zurückweisung eines jüdischen Staates. Diese historische Tatsache ist entscheidend, wenn heute über Ursachen, Verantwortung und verpasste Chancen im Nahostkonflikt gesprochen wird.

Quellen

  1. United Nations: Resolution 181, Future Government of Palestine un.org/unispal/document/auto-insert-185393/
  2. United Nations: The Question of Palestine un.org/unispal/history/
  3. Yale Law School, Avalon Project: UN General Assembly Resolution 181 avalon.law.yale.edu/20th_century/res181.asp
  4. Israelisches Außenministerium: The Partition Plan and the War of Independence gov.il/en/pages/the-partition-plan-and-the-war-of-independence
  5. Encyclopaedia Britannica: United Nations Resolution 181 britannica.com/event/United-Nations-Resolution-181
  6. U.S. Department of State, Office of the Historian: The Arab Israeli War of 1948 history.state.gov/milestones/1945-1952/arab-israeli-war

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