Al Aqsa Märtyrerbrigaden: Fatah-nahe Terrorgruppe gegen Israel

Die Al Aqsa Märtyrerbrigaden entstanden in der Zweiten Intifada. Sie stehen für Fatah-nahe Gewalt, Selbstmordanschläge und Terror gegen Israelis.

Die Al Aqsa Märtyrerbrigaden sind eine palästinensische Terrororganisation, die während der Zweiten Intifada ab dem Jahr 2000 entstand. International werden sie meist unter dem englischen Namen Al-Aqsa Martyrs Brigades geführt, abgekürzt AAMB. Ihr Name verweist auf Al Aqsa in Jerusalem und damit auf einen der politisch und religiös aufgeladensten Begriffe des Nahostkonflikts. Schon die Namenswahl zeigt, wie bewusst religiöse Symbolik, palästinensischer Nationalismus und Gewalt gegen Israel miteinander verbunden wurden.

Die Brigaden gelten als Fatah-nah. Genau das macht sie besonders erklärungsbedürftig. Während Hamas und Islamischer Dschihad offen islamistische Terrororganisationen sind, entstanden die Al Aqsa Märtyrerbrigaden aus dem Umfeld jener Fatah, die international lange als zentraler Akteur der Palästinensischen Autonomiebehörde und als politischer Verhandlungspartner galt. Für Israel war dies ein schwerer Einschnitt: Terror kam während der Zweiten Intifada nicht nur von Gruppen, die den Oslo-Prozess ausdrücklich ablehnten, sondern auch aus dem Umfeld jener Bewegung, die formal Teil der politischen Ordnung nach Oslo war.

Entstehung in der Zweiten Intifada

Die Al Aqsa Märtyrerbrigaden entstanden im Umfeld der Zweiten Intifada, die im Jahr 2000 begann und für Israel eine der tödlichsten Terrorphasen seiner Geschichte wurde. In diesen Jahren wurden Israelis in Bussen, Restaurants, Hotels, Einkaufsstraßen, an Haltestellen, bei Familienfeiern und auf offener Straße angegriffen. Die Brigaden wurden Teil dieser Gewaltwelle und verübten Schussangriffe, Selbstmordanschläge und weitere Attacken auf israelische Ziele.

Britannica beschreibt, dass eine Welle von Schussangriffen und Selbstmordanschlägen im März 2002 dazu führte, dass das US-Außenministerium die Al Aqsa Märtyrerbrigaden auf die Liste ausländischer Terrororganisationen setzte. Die Organisation war damit nicht bloß eine bewaffnete Protestgruppe, sondern Teil einer Terrorwelle, die gezielt auch Zivilisten traf.

Verbindung zur Fatah

Die Nähe zur Fatah ist einer der wichtigsten Punkte bei der Einordnung. Die Al Aqsa Märtyrerbrigaden wurden häufig als Fatah-nah beschrieben, teilweise als bewaffneter Arm oder als loses Netzwerk bewaffneter Fatah-Aktivisten. Die genaue Organisationsstruktur war nie so geschlossen wie bei Hamas oder Islamischem Dschihad. Es handelte sich eher um Zellen und lokale Gruppen, die sich unter einem gemeinsamen Namen sammelten, oft mit Bezug zu Fatah-Strukturen, lokalen Kommandeuren und dem Umfeld der Zweiten Intifada.

Diese Nähe ist politisch heikel. Die Fatah war und ist eine zentrale Kraft innerhalb der PLO und der Palästinensischen Autonomiebehörde. Wenn aus ihrem Umfeld bewaffnete Gruppen Terroranschläge verüben, wird die Grenze zwischen politischer Vertretung und Gewalt schwerer zu ziehen. Aus israelischer Sicht war genau das eine der bittersten Erfahrungen der Zweiten Intifada: Während international von Friedensprozess und Verhandlungen gesprochen wurde, griffen Fatah-nahe bewaffnete Gruppen israelische Zivilisten an.

Terror gegen Zivilisten

Die Al Aqsa Märtyrerbrigaden wurden durch Angriffe bekannt, die nicht nur israelische Sicherheitskräfte, sondern auch Zivilisten trafen. Dazu gehörten Schussangriffe und Selbstmordanschläge. Besonders während der Zweiten Intifada verschmolzen Begriffe wie „Widerstand“ und „Märtyrertum“ in der palästinensischen Propaganda mit der Rechtfertigung gezielter Gewalt gegen Israelis. Für die Opfer war das keine politische Symbolik, sondern Mord, Angst und Zerstörung.

Ein von Britannica genanntes Beispiel ist ein Angriff im Januar 2002 in Hadera, bei dem ein Mitglied der Brigaden bei einer Bat Mizwa sechs Menschen tötete und Dutzende verwundete. Solche Anschläge zeigen, warum die Organisation nicht verharmlost werden darf. Wer Familienfeiern, Jugendliche, Busse oder öffentliche Orte angreift, führt keinen legitimen politischen Kampf, sondern Terror gegen Zivilisten.

Internationale Einstufung

Die USA führen die Al Aqsa Märtyrerbrigaden als ausländische Terrororganisation. Diese Einstufung erfolgte im Zusammenhang mit der Gewalt der Zweiten Intifada und den Anschlägen auf israelische Ziele. Auch die Europäische Union führte die Gruppe im Rahmen ihrer Terrorlisten. Der EU-Rahmen für Sanktionen gegen Terrorismus umfasst Einfrieren von Geldern und wirtschaftlichen Ressourcen sowie Verbote, gelisteten Gruppen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Diese Einstufungen sind wichtig, weil sie die Organisation klar von politischer Opposition unterscheiden. Die Al Aqsa Märtyrerbrigaden sind keine normale politische Gruppierung. Sie wurden wegen terroristischer Gewalt eingeordnet. Gerade weil sie aus dem Fatah-nahen Spektrum kamen, ist diese klare Einordnung nötig. Der politische Bezug darf die terroristische Praxis nicht verdecken.

Al Aqsa als Symbol

Der Name „Al Aqsa Märtyrerbrigaden“ ist kein Zufall. Al Aqsa und der Tempelberg gehören zu den emotionalsten Symbolen im israelisch-palästinensischen Konflikt. Palästinensische Gruppen nutzen den Begriff häufig, um religiöse Gefühle, nationale Mobilisierung und Gewalt gegen Israel zu verbinden. Das Wort „Märtyrer“ ist ebenfalls Teil dieser Propagandasprache. Es soll Terroristen ehren, ihre Taten religiös oder national aufladen und die moralische Grenze zwischen Mord und Opferbereitschaft verwischen.

Für Israel ist diese Sprache gefährlich, weil sie Gewalt nicht nur politisch, sondern auch emotional und religiös legitimiert. Wer einen Selbstmordattentäter als Märtyrer bezeichnet, verlagert die Aufmerksamkeit weg von den Ermordeten und hin zur angeblichen Ehre des Täters. Genau deshalb ist journalistische Präzision wichtig. Der Begriff kann als Name der Organisation verwendet werden, sollte aber nicht unkritisch als moralische Bewertung übernommen werden.

Judäa und Samaria als Schwerpunkt

Die Al Aqsa Märtyrerbrigaden waren besonders in Judäa und Samaria aktiv. Lokale Zellen und bewaffnete Gruppen traten in Städten wie Jenin, Nablus, Tulkarem oder Umgebung in Erscheinung. Diese geografische Lage machte sie für Israel besonders gefährlich, weil Judäa und Samaria nahe an israelischen Städten, Straßen und Gemeinden liegen. Anschläge konnten von dort aus relativ schnell israelische Zivilisten erreichen.

Auch nach dem Ende der intensivsten Phase der Zweiten Intifada tauchten immer wieder bewaffnete Gruppen unter dem Namen oder im Umfeld der Al Aqsa Märtyrerbrigaden auf. In manchen Fällen wurde der Name fast zu einer Sammelbezeichnung für bewaffnete palästinensische Zellen im Fatah-nahen Milieu. Das erschwert die Einordnung, ändert aber nichts am Kern: Der Name steht für eine Gewalttradition, die während der Zweiten Intifada israelische Zivilisten traf und bis heute in bestimmten Milieus symbolisch weiterwirkt.

Abgrenzung zu Hamas und Islamischem Dschihad

Die Al Aqsa Märtyrerbrigaden unterscheiden sich ideologisch von Hamas und Islamischem Dschihad. Hamas und Islamischer Dschihad sind islamistische Organisationen. Die Brigaden entstanden dagegen im Fatah-nahen, stärker nationalistischen Umfeld. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie harmloser waren. Ihre Anschlagsgeschichte zeigt, dass Terror gegen Israel nicht nur religiös begründet wurde, sondern auch aus nationalistischen und Fatah-nahen Strukturen kam.

Gerade diese Erkenntnis ist für das Verständnis des Konflikts wichtig. Wer Terror gegen Israel nur als Problem islamistischer Gruppen betrachtet, übersieht die Gewalt der Zweiten Intifada aus dem Umfeld säkularer oder nationalistischer palästinensischer Bewegungen. Für Israel war entscheidend, dass Zivilisten ermordet wurden, nicht ob die Täter ihre Gewalt religiös, nationalistisch oder politisch begründeten.

Bedeutung für den Oslo-Prozess

Die Existenz und Gewalt der Al Aqsa Märtyrerbrigaden beschädigte das Vertrauen vieler Israelis in den Oslo-Prozess schwer. Oslo hatte die Hoffnung geweckt, dass palästinensische Selbstverwaltung zu Stabilität, Anerkennung und einer friedlicheren Zukunft führen könnte. Die Zweite Intifada zeigte jedoch, dass aus dem Umfeld der palästinensischen politischen Strukturen bewaffnete Gewalt gegen Israel entstehen konnte. Für viele Israelis war dies ein Schock, der bis heute nachwirkt.

Die Brigaden wurden dadurch zu einem Symbol für die Doppelbödigkeit palästinensischer Politik jener Jahre. Einerseits gab es internationale Diplomatie, Anerkennungsformeln und Gespräche. Andererseits gab es Terrorzellen, Anschläge und eine Kultur, in der Täter als Märtyrer verehrt wurden. Diese Erfahrung erklärt, warum israelische Sicherheitsdebatten oft von Misstrauen geprägt sind. Dieses Misstrauen entstand nicht im luftleeren Raum, sondern aus konkreten Anschlägen.

Heutige Bedeutung

Die Al Aqsa Märtyrerbrigaden haben heute nicht dieselbe zentrale Stellung wie Hamas oder Islamischer Dschihad. Dennoch bleibt der Begriff wichtig, weil er in Berichten über bewaffnete Gruppen in Judäa und Samaria, über Fatah-nahe Milieus, über die Zweite Intifada und über die Geschichte des Terrors gegen Israel regelmäßig auftaucht. Zudem erscheinen unter diesem Namen oder in seinem Umfeld immer wieder lokale bewaffnete Strukturen.

Für ein Lexikon ist der Begriff deshalb besonders nützlich. Er zeigt, dass die palästinensische Gewaltlandschaft nicht nur aus Hamas und Islamischem Dschihad besteht. Sie umfasst auch Gruppen, die aus dem nationalistischen und Fatah-nahen Spektrum kamen. Diese historische Tatsache ist unbequem, aber zentral für eine ehrliche Einordnung.

Quellen

  1. Encyclopaedia Britannica: Al-Aqsa Martyrs Brigades britannica.com/topic/Al-Aqsa-Martyrs-Brigades
  2. U.S. Department of State: Foreign Terrorist Organizations state.gov/foreign-terrorist-organizations
  3. National Counterterrorism Center: Terrorist Groups dni.gov/nctc/groups.html
  4. Council of the European Union: Sanctions against terrorism consilium.europa.eu/en/policies/sanctions-against-terrorism/
  5. EUR-Lex: Council Decision concerning restrictive measures against terrorism eur-lex.europa.eu/legal-content/en/TXT/HTML/?uri=CELEX:32019D1341
  6. Britannica: Second Intifada britannica.com/event/second-intifada

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