Streit um Kufiya-Protest in Buchenwald: Jüdische Organisationen warnen vor Angriff auf das Gedenken


Mehrere jüdische Verbände schlagen Alarm wegen einer geplanten Aktion rund um die KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Aktivisten wollen dort mit Kufiyas demonstrieren. Kritiker sehen darin eine gezielte Provokation gegenüber den Opfern der Schoa.

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In Deutschland wächst die Kritik an einer geplanten Protestkampagne rund um die Gedenkstätte Buchenwald. Ein breites Bündnis jüdischer Organisationen sowie zivilgesellschaftlicher Initiativen warnt davor, dass die Aktion „Kufiyas in Buchenwald“ die Würde des historischen Ortes verletze und das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus politisch missbrauche.

Nach Auffassung der Unterzeichner geht es bei der Kampagne nicht um ein Kleidungsstück, sondern um eine politische Inszenierung. Aktivisten wollen rund um das jährliche Gedenkwochenende Veranstaltungen, Diskussionen und Mahnwachen organisieren. Dabei soll demonstrativ die palästinensische Kufiya getragen werden.

Jüdische Organisationen sehen darin den Versuch, einen Ort des stillen Erinnerns in eine Bühne für politische Botschaften zu verwandeln. Buchenwald sei kein gewöhnlicher öffentlicher Raum, sondern ein Ort, an dem tausende jüdische Männer, Frauen und Kinder von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Wer dort bewusst politische Symbolik einsetze, greife die deutsche Erinnerungskultur an.

Auslöser der aktuellen Debatte ist ein Vorfall aus dem vergangenen Jahr. Bei einer Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers wurde einer Aktivistin der Zutritt verweigert. Sie hatte angekündigt, die Kufiya als politisches Zeichen gegen Israel tragen zu wollen. Ein Gericht bestätigte später die Entscheidung der Gedenkstätte.

Die Betreiber der Gedenkstätte betonen, dass es kein allgemeines Verbot der Kufiya gibt. Eingriffe erfolgen nur dann, wenn ein Kleidungsstück ausdrücklich als politisches Statement genutzt wird. Gerichte haben bestätigt, dass die Leitung verpflichtet ist, die Würde des Ortes zu schützen und politische Demonstrationen während offizieller Gedenkveranstaltungen zu verhindern.

Die geplante Kampagne wird von Kritikern als bewusste Provokation interpretiert. Ihrer Einschätzung nach versuchen Aktivisten, die offiziellen Erinnerungsfeiern zu überlagern und eine politische Botschaft genau an dem Wochenende zu platzieren, an dem der Opfer des Lagers gedacht wird.

In der Erklärung der jüdischen Organisationen wird auch die politische Geschichte der Kufiya angesprochen. Obwohl sie ursprünglich ein traditionelles Kleidungsstück aus dem Nahen Osten ist, habe sie sich in verschiedenen politischen Bewegungen zu einem Symbol des Kampfes gegen Israel entwickelt. Gerade deshalb sei ihr demonstrativer Einsatz an einem Ort wie Buchenwald besonders problematisch.

Buchenwald steht nicht nur für nationalsozialistischen Terror. Nach der Befreiung spielte der Ort auch eine wichtige Rolle für jüdische Überlebende. In der Nähe entstand damals ein sogenannter Kibbuz Buchenwald, in dem sich Überlebende auf ein neues Leben in Eretz Israel vorbereiteten. Dort wurde erstmals wieder eine blau-weiße Fahne mit dem Davidstern gehisst. Für viele Überlebende symbolisierte dieser Moment Hoffnung und Selbstbestimmung nach der Katastrophe.

Die Unterzeichner der Erklärung warnen zudem vor einer politischen Strategie, die Erinnerung an den Holocaust umzudeuten. Israel werde in manchen Debatten als Täter dargestellt, während gleichzeitig die historische Verantwortung für die Schoa relativiert werde. Eine solche Umkehr von Tätern und Opfern sei nicht nur historisch falsch, sondern auch eine Form modernen Antisemitismus.

Kritisch äußern sich die Organisationen auch zu einigen Gruppen, die an der Kampagne beteiligt sein sollen. Einzelne dieser Organisationen hätten in der Vergangenheit die Hamas-Angriffe vom 7. Oktober 2023 relativiert oder sogar öffentlich begrüßt.

Vor diesem Hintergrund fordern die jüdischen Verbände, dass staatliche Behörden genau prüfen, ob die geplanten Aktionen rund um das Gedenkwochenende zugelassen werden können. Orte des Gedenkens müssten vor politischer Instrumentalisierung geschützt werden.

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen und Schoa-Überlebende Reinhard Schramm formulierte den Appell besonders eindringlich. Für viele jüdische Familien sei Buchenwald der einzige Ort, an dem sie ihrer ermordeten Angehörigen gedenken können. Dort gebe es keine Grabsteine, sondern nur Erinnerung. Dieser Ort dürfe nicht durch politische Demonstrationen entweiht werden.

Auch Antisemitismus-Experten beobachten eine zunehmende Politisierung von Erinnerungsorten. Seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 seien in Europa häufiger Versuche zu sehen, historische Orte in aktuelle politische Konflikte hineinzuziehen.

Die jüdischen Organisationen rufen deshalb Öffentlichkeit und Politik auf, den Charakter von Buchenwald als Ort des Gedenkens zu bewahren und die offiziellen Erinnerungsveranstaltungen zu unterstützen.



Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Bettina Vier - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=126095251

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 18. März 2026

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