Schwer verletzt am Boden: Flydubai-Kapitän erzählt Modi, wie er die Cockpittür öffnete

Schwer verletzt am Boden: Flydubai-Kapitän erzählt Modi, wie er die Cockpittür öffnete


Kapitän Smit Machchhar wurde im Cockpit von FZ1073 angegriffen und schwer verletzt. Jetzt schilderte er Indiens Premier Narendra Modi einen entscheidenden Moment der dramatischen Minuten: Noch während der Attacke gelang es ihm, die Cockpittür zu öffnen. Erst dadurch konnten Passagiere und weitere Piloten eingreifen und eine Katastrophe verhindern.

Schwer verletzt am Boden: Flydubai-Kapitän erzählt Modi, wie er die Cockpittür öffnete
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Zwei Tage nach dem beinahe katastrophalen Zwischenfall auf Flydubai-Flug FZ1073 wird immer deutlicher, wie knapp die Maschine dem Absturz entging und welche Rolle der schwer verletzte Kapitän Smit Machchhar bei ihrer Rettung spielte.

Der 38-jährige Inder sprach am Freitag per Video mit Premierminister Narendra Modi. Dabei schilderte Machchhar erstmals selbst einen entscheidenden Moment aus dem Cockpit. Nach seiner Darstellung lag er bereits verletzt auf dem Boden und wurde weiterhin von seinem omanischen Co-Piloten angegriffen. Trotzdem gelang es ihm, die Cockpittür zu öffnen.

Dieser Handgriff veränderte die Situation.

Bis dahin befanden sich die beiden regulären Piloten allein hinter der gesicherten Cockpittür. Erst nachdem Machchhar sie entriegelt hatte, konnten Menschen aus der Kabine eingreifen. Passagiere überwältigten nach den bisherigen Erkenntnissen den Co-Piloten. Zwei weitere Flydubai-Piloten, die sich außerhalb des Dienstes an Bord befanden, halfen anschließend dabei, die Boeing 737 wieder unter Kontrolle zu bringen und nach Tabuk in Saudi-Arabien zu fliegen.

haOlam hatte bereits über die Männer berichtet, die innerhalb weniger Sekunden reagierten. Unter ihnen waren der israelische Klempner Yaniv Hayoun, weitere Passagiere und ein Arzt, der sich anschließend um den schwer verletzten Kapitän kümmerte. Der neue Bericht macht nun deutlicher, warum sie überhaupt in das Cockpit gelangen konnten.

Machchhar selbst hatte ihnen den Zugang ermöglicht.

Modi spricht inzwischen von einem verhinderten 9/11-Szenario

Indiens Regierungschef hatte den Piloten bereits am Donnerstag öffentlich als Helden bezeichnet. Am Freitag sprach er persönlich mit ihm.

Modi würdigte dessen Mut, Geistesgegenwart und Entschlossenheit. Nach Angaben indischer Medien fragte er Machchhar auch, was ihm in dieser Situation die Kraft gegeben habe weiterzumachen.

Der Kapitän wurde dabei emotional. Indische Medien berichten, er habe Modi als persönliches Vorbild bezeichnet und erklärt, der Glaube habe ihm während des Angriffs Kraft gegeben.

Modi selbst geht inzwischen weit über die Formulierung eines gewöhnlichen Luftfahrtnotfalls hinaus. In einer offiziellen Erklärung des indischen Premierministeramtes sagte er, Machchhar habe einen weiteren Angriff nach dem Muster des 11. September verhindert.

Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte diese Parallele zuvor gezogen.

Ob das tatsächlich die konkrete Absicht des Co-Piloten war, ist allerdings weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate untersuchen ausdrücklich einen möglichen terroristischen Hintergrund. Israelische Stellen gehen inzwischen von einer möglichen islamistischen Radikalisierung des Angreifers aus.

Eine abschließende offizielle Feststellung des Motivs liegt noch nicht vor.

Genau deshalb muss zwischen dem bekannten Ablauf des Angriffs und seiner noch nicht vollständig geklärten Motivation unterschieden werden.

Gesichert ist inzwischen, dass es im Cockpit zu einem schweren Angriff auf Machchhar kam, dass das Flugzeug innerhalb kürzester Zeit rund 14.000 Fuß Höhe verlor und dass der Kapitän trotz seiner Verletzungen den Zugang zum Cockpit ermöglichte.

Nach Angaben von Reuters befanden sich 174 Passagiere an Bord. Sie überstanden den Vorfall unverletzt.

Vom Textilgeschäft ins Cockpit

Mit den neuen Berichten wird auch mehr über den Mann bekannt, dessen Entscheidung möglicherweise hunderte Menschenleben rettete.

Smit Machchhar stammt aus Mumbai. Ursprünglich war vorgesehen, dass er in das Textilgeschäft seiner Familie einsteigt. Mit 19 Jahren entschied er sich jedoch für die Fliegerei. Seine Ausbildung absolvierte er unter anderem in Neuseeland.

Anschließend arbeitete er mehr als zehn Jahre für die indische Fluggesellschaft SpiceJet. Seit 2022 fliegt er für Flydubai. Nach Angaben aus seinem beruflichen Umfeld verfügt Machchhar über rund 9.750 Flugstunden und etwa 15 Jahre Erfahrung als Pilot.

Kollegen beschreiben ihn als ruhig und professionell.

Diese Erfahrung dürfte am Mittwoch entscheidend gewesen sein.

FZ1073 war von Dubai nach Tel Aviv unterwegs, als der Zwischenfall begann. Nach bisherigen Ermittlungen griff der omanische Co-Pilot Machchhar während des Fluges an und brachte die Maschine in einen steilen Sinkflug.

Die genaue Tatwaffe wird in verschiedenen Berichten unterschiedlich beschrieben. Während zunächst von einem Messer die Rede war, berichten andere Quellen inzwischen von einer im Flugzeug befindlichen Notfallaxt. Für die Bewertung des Geschehens ist dieser Unterschied derzeit zweitrangig. Entscheidend ist, dass der Kapitän schwer verletzt wurde und der zweite Pilot anschließend offenbar versuchte, die Kontrolle über das Flugzeug zu übernehmen.

Die Maschine sendete zunächst den allgemeinen Notfallcode 7700 und anschließend den Code 7500 für eine mögliche unrechtmäßige Übernahme eines Flugzeugs.

IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen reagierte mit höchster Alarmbereitschaft. Kampfflugzeuge wurden gestartet und der israelische Luftraum zeitweise geschlossen.

Am Ende landete FZ1073 nicht in Tel Aviv, sondern im saudi-arabischen Tabuk.

Machchhar wurde zunächst dort medizinisch versorgt und später zur weiteren Behandlung in die Vereinigten Arabischen Emirate gebracht. Der indische Botschafter Deepak Mittal besuchte ihn inzwischen im Krankenhaus. Nach Angaben der indischen Vertretung befindet er sich in stabilem Zustand und erholt sich gut.

Auch der Bundesstaat Gujarat will den Piloten auszeichnen.

Damit wächst die Zahl der Menschen, deren Handeln während jener wenigen Minuten inzwischen öffentlich gewürdigt wird. Israel will vier beteiligte Passagiere für zivile Tapferkeit ehren. Indien feiert Machchhar als Helden.

Dabei ergibt sich aus den neuen Informationen ein bemerkenswertes Gesamtbild.

Die Rettung von FZ1073 war offenbar nicht das Werk eines einzelnen Menschen.

Ein schwer verletzter Kapitän öffnete die Cockpittür. Passagiere griffen ein und überwältigten den Angreifer. Ein Arzt kümmerte sich um den Verwundeten. Zusätzliche Piloten übernahmen die Maschine und brachten sie sicher nach Saudi-Arabien.

Jeder dieser Schritte war notwendig.

Ohne Machchhars Entscheidung, die Cockpittür trotz des laufenden Angriffs zu öffnen, hätten die anderen jedoch womöglich gar keine Möglichkeit gehabt einzugreifen.

Zwei Tage nach FZ1073 wird deshalb aus einem zunächst rätselhaften Entführungsalarm immer mehr die Geschichte einer Kette von Entscheidungen, die innerhalb weniger Sekunden getroffen wurden.

Und einer davon lag schwer verletzt auf dem Boden des Cockpits.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 2. Oktober 2026

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