China setzt Vatikan Abkommen gezielt ein um katholische Untergrundkirche zu zerschlagen
Kirchen werden überwacht, Priester eingeschüchtert und Gläubige vor eine Entscheidung gestellt, die ihren Glauben zerstören kann. Während Peking Kontrolle ausbaut, wirkt das Abkommen mit dem Vatikan zunehmend wie ein politisches Werkzeug gegen die eigenen Gläubigen.

Die Entwicklung in China lässt sich nicht mehr beschönigen. Unter Staats- und Parteichef Xi Jinping hat sich der Umgang mit Religion von Kontrolle zu systematischer Unterordnung verschoben. Besonders deutlich wird das am Beispiel der katholischen Kirche. Was über Jahre als kompliziertes Nebeneinander von staatlicher und unabhängiger Religionspraxis existierte, wird heute gezielt aufgelöst.
Etwa zwölf Millionen Katholiken leben in China. Ein Teil von ihnen gehört zur staatlich anerkannten Kirche, die vollständig unter Kontrolle der Behörden steht. Der andere Teil hat sich bewusst dieser Kontrolle entzogen und über Jahrzehnte im Verborgenen seinen Glauben gelebt. Genau diese Gläubigen stehen heute im Zentrum eines massiven politischen Drucks.
Die Strategie Pekings ist klar. Religion soll nicht nur reguliert, sondern ideologisch geformt werden. Unter dem Schlagwort der „Sinisierung“ wird von Kirchen verlangt, sich kulturell und politisch an die Vorgaben der Kommunistischen Partei anzupassen. Das betrifft nicht nur äußere Formen, sondern den Kern religiöser Lehre. Predigten, Inhalte und Strukturen sollen mit der politischen Linie übereinstimmen. Wer sich dem entzieht, wird zum Problem erklärt.
Der entscheidende Einschnitt kam 2018 mit dem Abkommen zwischen dem Vatikan und China zur Ernennung von Bischöfen. Offiziell sollte es einen jahrzehntelangen Konflikt lösen. Tatsächlich hat es ein Machtinstrument geschaffen, das Peking gezielt nutzt. Denn seitdem kann die chinesische Führung argumentieren, dass auch der Vatikan den staatlichen Weg mitträgt. Für viele Untergrundgemeinden ist genau das zum Wendepunkt geworden.
Aus Berichten von Betroffenen ergibt sich ein klares Bild. Priester werden festgenommen oder unter Hausarrest gestellt. Bischöfe verschwinden oder werden durch staatlich genehme Vertreter ersetzt. Gemeinden werden aufgelöst, Kirchengebäude geschlossen oder umgebaut. Gläubige werden eingeschüchtert, bedroht und vor die Wahl gestellt, sich der staatlichen Kirche anzuschließen oder ihren Glauben nur noch im Verborgenen unter hohem Risiko auszuüben.
Dabei geht es nicht nur um einzelne Fälle. Es handelt sich um ein strukturelles Vorgehen. Das Abkommen von 2018 dient dabei als politischer Hebel. Behörden erklären gegenüber Geistlichen, sie müssten sich nun der offiziellen Kirche anschließen, da selbst Rom diesen Weg akzeptiere. Für viele Betroffene ist das mehr als Druck. Es wird als gezielte Zerstörung ihrer religiösen Identität verstanden.
Die Kritik daran richtet sich nicht nur gegen Peking. Innerhalb der katholischen Gemeinschaft wächst auch die Enttäuschung gegenüber dem Vatikan. Unter Papst Leo XIV wurde das Abkommen fortgeführt und sogar erneuert. Trotz mehrfacher Verstöße durch China, etwa bei eigenmächtigen Bischofsernennungen, blieb eine klare Konsequenz aus. Diese Haltung wird von vielen Gläubigen als politische Anpassung wahrgenommen, die ihre Situation verschärft statt verbessert hat.
Gleichzeitig hat sich die Kontrolle im Alltag drastisch verschärft. Geistliche müssen regelmäßig an ideologischen Schulungen teilnehmen, teilweise mehrmals pro Woche. Predigten werden überprüft und müssen genehmigt werden. Religiöse Inhalte unterliegen strenger Zensur. Selbst digitale Verbreitung von Glaubensinhalten wird eingeschränkt oder verboten.
Besonders deutlich zeigt sich die Strategie bei Kindern und Jugendlichen. In vielen Regionen wird ihnen der Zugang zu Kirchen verwehrt. Religiöse Erziehung im familiären Umfeld steht unter Beobachtung. Schulen sollen Hinweise auf religiöse Aktivitäten melden. Damit greift der Staat gezielt in die Weitergabe von Glauben ein und versucht, langfristig ganze Gemeinschaften auszutrocknen.
Auch die Überwachung hat ein Niveau erreicht, das den Charakter religiösen Lebens grundlegend verändert. Kameras in Kirchen, Registrierungspflichten für Gottesdienste und gezielte Störungen von Versammlungen sorgen dafür, dass Gläubige ihren Glauben nicht mehr frei ausüben können. In manchen Fällen werden Treffen bewusst auf unpraktische Zeiten gelegt, um Teilnahme zu erschweren. Andere Gemeinden weichen in private Räume aus und organisieren ihre Treffen heimlich.
Hinzu kommen neue Einschränkungen für Geistliche. Reisen ins Ausland müssen genehmigt werden, persönliche Dokumente werden von Behörden verwaltet. Damit wird nicht nur die Verbindung zur weltweiten Kirche kontrolliert, sondern auch jede Form unabhängiger Vernetzung unterbunden. Selbst der Kontakt zu ausländischen Gläubigen wird als Sicherheitsrisiko betrachtet.
Diese Politik ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines klaren Machtanspruchs. Für die chinesische Führung ist Religion nur akzeptabel, wenn sie vollständig in die staatliche Ordnung eingebunden ist. Jede unabhängige Autorität wird als Bedrohung gesehen. Die katholische Kirche ist dabei besonders im Fokus, weil sie mit dem Vatikan eine internationale Struktur besitzt.
Die Folge ist eine Situation, in der Glaubensfreiheit faktisch nicht mehr existiert. Was offiziell erlaubt ist, steht unter vollständiger Kontrolle. Was unabhängig bleibt, wird verfolgt. Für viele Gläubige bedeutet das, ihren Glauben nur noch unter Risiko leben zu können.
Die entscheidende Frage richtet sich dabei nicht nur an Peking, sondern auch an den Vatikan. Wie lange kann ein Abkommen bestehen bleiben, das offensichtlich dazu beiträgt, Druck auf die eigenen Gläubigen zu erhöhen. Und welche Verantwortung trägt eine Institution, wenn ihre politischen Entscheidungen vor Ort als Legitimation für Repression genutzt werden.
Für die katholischen Gemeinden in China geht es längst nicht mehr um kirchenrechtliche Fragen. Es geht um die Existenz ihres Glaubens in einer Umgebung, die keine Unabhängigkeit zulässt. Wer diese Entwicklung nüchtern betrachtet, kommt zu einem klaren Schluss. Hier entsteht kein Ausgleich zwischen Staat und Religion. Hier wird Religion systematisch in staatliche Kontrolle überführt.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By N509FZ - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=147109204
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 17. April 2026