Dennis Prager rechnet mit Candace Owens ab und zieht eine rote Linie gegen Antisemitismus
Was als innerkonservativer Streit begann, ist zu einer gefährlichen Grenzüberschreitung geworden. Der jüdisch-amerikanische Publizist Dennis Prager warnt eindringlich vor alten antisemitischen Mythen, neu verpackt für ein Millionenpublikum und mit politischer Sprengkraft für die USA, für Juden und für Israel.

Der Bruch kam nicht plötzlich, aber er ist nun offen und unübersehbar. Dennis Prager, einer der bekanntesten jüdischen Intellektuellen im konservativen Amerika und Mitgründer von PragerU, erhebt schwere Vorwürfe gegen Candace Owens. Die einstige Mitarbeiterin seines eigenen Projekts verbreite, so Prager, klassische antisemitische Narrative, die seit Jahrhunderten benutzt werden, um Juden zu dämonisieren, zu isolieren und zu Sündenböcken zu machen.
Im Zentrum der Kritik stehen Aussagen von Candace Owens über Juden, den Talmud und Israel. Owens behauptet öffentlich, Juden würden Nichtjuden als minderwertig betrachten, seien maßgeblich für den transatlantischen Sklavenhandel verantwortlich und nutzten Religion als Werkzeug zur Beherrschung anderer. Für Prager ist klar: Das ist keine Kritik an Politik, das ist Ideologie. Und zwar eine, die historisch nachweislich in Gewalt mündet.
Prager widerspricht Owens nicht nur politisch, sondern inhaltlich und historisch. Er verweist auf seine eigene religiöse Ausbildung, auf jahrzehntelange Beschäftigung mit jüdischen Texten und darauf, dass der Talmud kein einheitliches Dogmenwerk ist, sondern eine Sammlung von Debatten, Meinungen und Rechtsfragen aus verschiedenen Jahrhunderten. Einzelne Zitate aus dem Kontext zu reißen, oft noch falsch übersetzt, sei eine bewusste Technik antisemitischer Propaganda.
Besonders alarmierend ist für Prager der Versuch, Juden gezielt gegen andere gesellschaftliche Gruppen auszuspielen. Wenn Owens afroamerikanische Amerikaner dazu auffordert, ihren historischen Zorn nicht gegen weiße Mehrheitsgesellschaften, sondern gegen Juden zu richten, dann bedient sie ein altes Muster: Spaltung durch Schuldzuweisung. Prager erinnert daran, dass Juden in den USA über Jahrzehnte zu den verlässlichsten Unterstützern der Bürgerrechtsbewegung gehörten und dass diese historische Realität nun gezielt verdrängt wird.
Auch religiös zieht Prager eine klare Grenze. Die Behauptung, Juden würden Christen gegeneinander ausspielen oder globale Konflikte steuern, sei nichts anderes als eine moderne Variante der Verschwörungstheorien, die Juden seit Jahrhunderten als heimliche Strippenzieher darstellen. Solche Narrative, so Prager, zerstören nicht nur das Verhältnis zwischen Juden und Christen, sondern untergraben die moralische Grundlage des konservativen Lagers insgesamt.
Israel spielt in diesem Konflikt eine zentrale Rolle. Prager kritisiert scharf, dass Owens Israel als einzigartig „demonisch“ darstellt, während sie bei anderen Kriegen, anderen Massakern und anderen Terrororganisationen schweigt oder relativiert. Besonders schwer wiegt für ihn, dass Owens die Terrororganisation Hamas kaum Verantwortung für den Krieg zuschreibt, obwohl diese gezielt israelische Zivilisten ermordet, Kinder entführt und bewusst aus ziviler Infrastruktur heraus operiert.
Hier verläuft für Prager die entscheidende Linie. Kritik an israelischer Politik ist legitim. Die Delegitimierung des Existenzrechts Israels, die Übernahme von Hamas-Narrativen und die Dämonisierung jüdischer Selbstverteidigung sind es nicht. Wer Israel als moralisches Unikat des Bösen darstellt, so Prager, misst mit zweierlei Maß und öffnet antisemitischem Denken Tür und Tor.
Die Folgen reichen weit über eine persönliche Auseinandersetzung hinaus. Prager warnt vor einer gefährlichen Dynamik innerhalb der amerikanischen Rechten. Wenn konservative Allianzen auf Basis von Lügen, Ressentiments und antisemitischen Erzählungen zerbrechen, profitieren am Ende nicht Wahrheit oder Gerechtigkeit, sondern Extremismus und politische Zersetzung.
Sein Appell ist klar und ungewöhnlich ruhig für die Schärfe des Themas. Begriffe müssen sauber definiert werden. Fakten müssen überprüft werden. Kritik muss ehrlich bleiben. Und vor allem dürfe Antisemitismus, egal aus welcher politischen Richtung er kommt, niemals normalisiert werden.
Denn Geschichte zeigt: Was als rhetorische Grenzüberschreitung beginnt, endet selten dort.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Gage Skidmore from Surprise, AZ, United States of America - Candace Owens, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=106623137
Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 7. Januar 2026