Nobel statt Macht: Wie Trump Venezuelas Opposition kaltstellte
Nach der spektakulären Festnahme Nicolás Maduros schien der Weg frei für einen politischen Neuanfang in Venezuela. Doch ausgerechnet der US-Präsident stoppte die wichtigste Oppositionsfigur. Der Grund ist persönlicher als politisch und wirft ein grelles Licht auf Trumps Machtverständnis.

Nur zwei Tage nach der nächtlichen US-Operation in Caracas, die zur Festnahme von Nicolás Maduro führte, bleibt Venezuelas Zukunft ungeklärt. Während sich Teile des alten Machtapparates weiter an den Schalthebeln halten, sitzt die demokratische Opposition erneut auf der Zuschauerbank. Ausschlaggebend dafür ist eine Entscheidung von Donald Trump, die selbst erfahrene Beobachter fassungslos zurücklässt.
Wie die Washington Post berichtet, hat Trump persönlich verhindert, dass die international anerkannte Oppositionsführerin María Corina Machado als Übergangspräsidentin aufgebaut wird. Nicht wegen mangelnder Unterstützung im Land, nicht wegen politischer Differenzen sondern weil Machado es wagte, den Friedensnobelpreis anzunehmen.
Mehrere Quellen aus dem Umfeld des Weißen Hauses sprechen offen von einem Affront. Machado erhielt den Preis im vergangenen Monat, just zu einem Zeitpunkt, als Trump selbst öffentlich und aggressiv für seine eigene Auszeichnung geworben hatte. Die Nobel-Entscheidung zugunsten der Venezolanerin soll ihn persönlich getroffen haben. Ein hochrangiger Mitarbeiter wird mit den Worten zitiert: Hätte sie den Preis abgelehnt und erklärt, er gehöre eigentlich Trump, wäre sie heute Präsidentin von Venezuela. Die Annahme des Preises sei der unverzeihliche Fehler gewesen.
Trump selbst äußerte sich abfällig über Machado. Sie habe weder den nötigen Rückhalt noch den Respekt im eigenen Land, sagte er. Aussagen, die in scharfem Kontrast zu Einschätzungen internationaler Wahlbeobachter stehen. Diese hatten der Opposition bei den Wahlen 2024 eine klare Mehrheit bescheinigt, bevor Maduro das Ergebnis ignorierte und die Macht mit Gewalt sicherte.
Für Venezuela bedeutet Trumps Haltung eine politische Sackgasse. Die wichtigste zivile Alternative zum Chavismus bleibt im Exil, während sich Figuren aus dem Umfeld des alten Regimes neu sortieren. Der Anspruch Washingtons, Demokratie und Stabilität zu fördern, wirkt unter diesen Umständen widersprüchlich. Es entsteht der Eindruck, dass persönliche Kränkungen geopolitische Entscheidungen überlagern.
Parallel dazu sorgt ein weiterer Aspekt der Maduro-Festnahme in den USA für Unruhe. Auf der Wettplattform Polymarket wurden kurz vor dem Zugriff hohe Summen auf das Ende von Maduros Herrschaft gesetzt. Ein neu angelegtes Konto investierte rund 30.000 US-Dollar und strich nach der Festnahme einen Gewinn von mehreren hunderttausend Dollar ein. Der zeitliche Zusammenhang nährt den Verdacht, dass Insiderwissen im Spiel war.
Brisant ist dabei auch die personelle Nähe zur Politik. Donald Trump Jr. fungiert seit diesem Jahr als Berater der Plattform. Demokratische Abgeordnete fordern nun gesetzliche Grenzen für politische Wetten und prüfen mögliche Verstöße gegen Insiderregeln.
All das fügt sich zu einem Bild, das weit über Venezuela hinausweist. Trumps Außenpolitik folgt keinem konsistenten Plan für Lateinamerika, sondern scheint zunehmend von Loyalität, persönlicher Anerkennung und öffentlicher Demütigung geprägt zu sein. Wer ihm widerspricht oder ihm Prestige nimmt, verliert selbst dann, wenn er demokratische Hoffnungen eines ganzen Landes verkörpert.
Für die Venezolaner bedeutet das vorerst Stillstand. Für die internationale Gemeinschaft eine unbequeme Erkenntnis: Der Sturz eines Autokraten garantiert noch lange keinen politischen Neuanfang, wenn Machtfragen im Weißen Haus nach Eitelkeit entschieden werden.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert
Artikel veröffentlicht am: Montag, 5. Januar 2026