Neue US-Waffe gegen Drohnen: Mikrowellensystem Leonidas soll ganze Schwärme ausschalten


Drohnen verändern moderne Kriegsführung grundlegend. In den USA setzt ein junges Rüstungsunternehmen nun auf Hochleistungs-Mikrowellen statt Raketen. Das System Leonidas könnte auch für Israels Sicherheit strategisch relevant werden.

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Der Krieg der Zukunft kommt leise. Er pfeift nicht, er explodiert nicht zwingend, er kündigt sich oft erst an, wenn es zu spät ist. Kleine Drohnen, preiswert produziert, in Schwärmen eingesetzt, haben in den vergangenen Jahren gezeigt, wie verwundbar selbst hochgerüstete Armeen geworden sind. Die Erfahrungen aus der Ukraine, aus dem Nahen Osten und aus dem Roten Meer haben eine Realität offengelegt, die Militärplaner weltweit beunruhigt.

Genau an diesem Punkt setzt das amerikanische Technologieunternehmen Epirus an.

Gegründet wurde das Start up im Jahr 2018 von ehemaligen US-Militärangehörigen und Unternehmern aus dem Silicon Valley. Ausgangspunkt war eine nüchterne Analyse: Die Vereinigten Staaten verfügten über hochentwickelte Luftabwehrsysteme gegen Raketen und Flugzeuge, waren jedoch kaum vorbereitet auf die neue Generation unbemannter Bedrohungen. Drohnen sind billig, schwer zu orten und in großer Zahl einsetzbar. Klassische Abfangraketen sind gegen sie militärisch ineffizient und ökonomisch unsinnig.

Aus dieser Lücke entstand Leonidas.

Das System arbeitet nicht mit Geschossen, nicht mit Sprengstoff und auch nicht mit Laserstrahlen, sondern mit Hochleistungs Mikrowellen. Diese elektromagnetischen Impulse treffen nicht ein einzelnes Ziel, sondern einen ganzen Luftraum. Jede Drohne, die sich innerhalb dieses Energiefeldes befindet, verliert ihre elektronische Funktionsfähigkeit. Steuerung, Navigation und Bordelektronik brechen zusammen. Die Drohnen stürzen ab oder werden unbrauchbar.

Der entscheidende Unterschied zu bisherigen Systemen liegt in der Technologie. Während ältere Mikrowellenwaffen auf schwere Vakuumröhren angewiesen waren, nutzt Epirus moderne Halbleiter aus Galliumnitrid. Dadurch wird das System deutlich kompakter, mobiler und skalierbar. Leonidas kann auf Fahrzeuge montiert werden, auf stationären Plattformen stehen oder in andere militärische Systeme integriert werden.

Nach Angaben des Unternehmens liegt die wirksame Reichweite bei rund zwei Kilometern. Innerhalb dieses Bereichs kann Leonidas gleichzeitig eine große Zahl von Drohnen erfassen, unabhängig davon, ob sie funkgesteuert oder über Glasfaserkabel gelenkt werden. Die Mikrowellen erzeugen eine Überspannung, die jede Form moderner Elektronik überfordert.

Für Militärs ist das ein zentraler Punkt. Denn Drohnen werden zunehmend so gebaut, dass sie gegen klassische Störsender resistent sind. Hochleistungs Mikrowellen umgehen dieses Problem vollständig.

Die Entwickler betonen jedoch, dass Leonidas kein Allheilmittel ist. Auch dieses System ist Teil eines gestaffelten Verteidigungskonzepts. Moderne Armeen setzen auf mehrere Ebenen, darunter kinetische Abwehr, elektronische Störung, Laser und nun auch gerichtete Mikrowellen. Der Vorteil von Leonidas liegt vor allem dort, wo große Drohnenschwärme gleichzeitig angreifen.

In solchen Szenarien geraten selbst moderne Luftabwehrsysteme schnell an ihre Grenzen. Raketen sind begrenzt verfügbar, teuer und müssen priorisiert eingesetzt werden. Mikrowellen hingegen haben keine klassische Munition. Solange Energie verfügbar ist, kann das System erneut eingesetzt werden.

Das US Militär hat bereits reagiert. Die amerikanische Armee hat sechs Systeme beschafft, das Marine Corps zwei weitere. Noch befinden sie sich im Erprobungsstadium, doch die Tests laufen unter realistischen Einsatzbedingungen. Auch im Indopazifik und im Nahen Osten wurden Systeme zu Versuchen stationiert.

Für Präsident Donald Trump spielt die Technologie eine mögliche Rolle innerhalb der geplanten Golden Dome Verteidigungsarchitektur der Vereinigten Staaten. Ziel dieses Konzepts ist eine umfassende Schutzschicht gegen unterschiedliche Bedrohungen, von ballistischen Raketen bis hin zu niedrig fliegenden Drohnen.

Internationale Aufmerksamkeit bleibt nicht aus. Seit 2025 darf Epirus sein System auch exportieren. Mehrere Staaten haben Interesse angemeldet. Besonders Länder, die mit asymmetrischen Bedrohungen konfrontiert sind, beobachten die Entwicklung sehr genau.

Auch aus israelischer Sicht ist das Thema hoch relevant. Israel sieht sich seit Jahren mit Drohnenangriffen durch Terrororganisationen konfrontiert. Hamas, Hisbollah und proiranische Milizen setzen zunehmend auf unbemannte Systeme, teils in großer Zahl, teils mit Sprengladungen ausgestattet. Der Angriff aus mehreren Richtungen gehört längst zur militärischen Realität.

Ein System, das nicht einzelne Drohnen bekämpft, sondern ganze Lufträume sichert, passt exakt in das israelische Sicherheitsdenken. Die Logik der mehrschichtigen Verteidigung, wie sie beim Iron Dome, David’s Sling und Arrow verfolgt wird, findet hier eine neue Ergänzung im unteren Höhenbereich.

Epirus selbst beschreibt sich als neuer Typ Rüstungsunternehmen. Rund zweihundert Mitarbeiter arbeiten inzwischen für die Firma, viele davon ehemalige Soldaten. Ziel ist es, Technologie nicht nur innovativ, sondern auch einsatznah zu entwickeln. Bedienbarkeit, Geschwindigkeit und Schutz der eigenen Kräfte stehen im Mittelpunkt.

Langfristig arbeitet das Unternehmen an autonomen Varianten des Systems. Mobile Plattformen sollen sich künftig selbstständig bewegen und reagieren können. Auch maritime Versionen sind geplant, wobei hier besondere Rücksicht auf empfindliche Bordelektronik genommen werden muss.

Der Charakter moderner Konflikte verändert sich sichtbar. Der Krieg wird technischer, schneller und oft unsichtbarer. Drohnen sind kein Zusatz mehr, sondern ein zentrales Element moderner Gefechtsführung.

Leonidas steht für eine neue Phase militärischer Verteidigung. Nicht spektakulär, nicht laut, aber möglicherweise entscheidend. Wer den Himmel kontrolliert, kontrolliert das Schlachtfeld. Und dieser Himmel wird immer kleiner, immer niedriger und immer gefährlicher.



Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot youtube Epirus

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 22. Februar 2026

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