New York unter Mamdani: Wie Israelfeindlichkeit das Vertrauen der jüdischen Gemeinschaft erschüttert
Ein Bürgermeister der größten Stadt der Vereinigten Staaten stellt die Legitimität des jüdischen Staates infrage. Für Hunderttausende Juden in New York ist das keine abstrakte Debatte, sondern eine politische Zäsur.

New York war über Jahrzehnte mehr als nur eine Metropole mit einer großen jüdischen Bevölkerung. Die Stadt war politisches Schutzdach, kulturelles Zentrum und emotionales Bindeglied zwischen Diaspora und Israel. Bürgermeister unterschiedlichster Parteizugehörigkeit bekannten sich klar zum Existenzrecht Israels. Kritik an konkreten politischen Entscheidungen war selbstverständlich möglich, doch die Grundfrage stand nie zur Disposition. Diese Gewissheit ist mit der Wahl von Zohran Mamdani ins Wanken geraten.
Mamdani trat sein Amt nicht als politisches Blatt an. Bereits als Abgeordneter in Albany profilierte er sich durch eine Rhetorik, die nicht nur einzelne israelische Regierungen kritisierte, sondern das Fundament des Staates selbst problematisierte. Seine Nähe zu Organisationen, die Boykottmaßnahmen gegen Israel unterstützen, und seine politische Sozialisation im Umfeld radikal linker Gruppierungen sind dokumentiert. Dass er diese Positionen im Wahlkampf nicht relativierte, sondern offensiv verteidigte, ist bemerkenswert. Noch bemerkenswerter ist, dass dies seinem Wahlerfolg nicht im Wege stand.
New York beherbergt die größte jüdische Gemeinschaft außerhalb Israels. Synagogen, Schulen, kulturelle Einrichtungen und Wohlfahrtsorganisationen prägen das Stadtbild. Viele Familien sind seit Generationen hier verwurzelt. Für sie ist Israel nicht nur ein außenpolitisches Thema, sondern Teil der eigenen Identität. Wenn nun der Bürgermeister der Stadt öffentlich Positionen vertritt, die das Existenzrecht Israels infrage stellen oder zentrale Narrative seiner Gegner übernehmen, entsteht ein Bruch im Vertrauensverhältnis.
Die Frage ist nicht, ob ein Bürgermeister israelische Politik kritisieren darf. Selbstverständlich darf er das. Die entscheidende Frage lautet, ob die politische Führung einer Stadt mit einer so großen jüdischen Bevölkerung sensibel genug ist, zwischen legitimer Kritik und delegitimierender Rhetorik zu unterscheiden. Wer Begriffe verwendet, die Israel pauschal als koloniales Projekt oder als strukturell illegitimen Staat darstellen, verschiebt die Debatte von der Ebene politischer Auseinandersetzung auf die Ebene existenzieller Infragestellung.
Diese Verschiebung bleibt nicht folgenlos. In den vergangenen Jahren hat sich das gesellschaftliche Klima in vielen westlichen Metropolen verändert. Antisemitische Vorfälle haben zugenommen, Universitäten wurden zu Brennpunkten ideologischer Polarisierung, und soziale Netzwerke verstärken einfache Feindbilder. In einem solchen Umfeld ist politische Führung gefordert, zu deeskalieren und klarzustellen, dass jüdisches Leben selbstverständlich geschützt und respektiert wird. Lippenbekenntnisse reichen nicht aus, wenn gleichzeitig politische Entscheidungen oder symbolische Akte das Gegenteil signalisieren.
Besonders sensibel ist die Frage der Definition von Antisemitismus. In zahlreichen Staaten und Kommunen dient die Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance als Orientierung. Wenn eine Stadtverwaltung diese Definition relativiert oder zurücknimmt, entsteht ein Vakuum. Für jüdische Bürger bedeutet das Unsicherheit: Wird antisemitische Rhetorik künftig enger oder weiter ausgelegt? Werden Boykottaufrufe gegen jüdische Einrichtungen toleriert? Welche Signale sendet die Stadt an Schulen, Universitäten und Behörden?
Hinzu kommt eine demografische Verschiebung. New York ist vielfältiger denn je. Neue Bevölkerungsgruppen bringen eigene historische Erfahrungen und politische Narrative mit. Viele von ihnen haben wenig direkten Kontakt zur jüdischen Gemeinschaft. Ihre Wahrnehmung Israels speist sich aus sozialen Medien, Aktivistennetzwerken und globalisierten Konfliktbildern. Wenn diese Narrative unkommentiert bleiben oder von politischer Führung indirekt legitimiert werden, verstärkt sich die Entfremdung.
Bemerkenswert ist zudem, dass ein erheblicher Anteil jüdischer Wähler Mamdani unterstützte. Das verweist auf interne Spannungen innerhalb der Gemeinschaft. Jüngere Generationen gewichten soziale Gerechtigkeit, Mietpolitik oder Fragen der wirtschaftlichen Umverteilung teilweise höher als außenpolitische Positionen. Für manche ist Kritik an Israel kein Ausschlusskriterium mehr. Diese Entwicklung verlangt eine ehrliche innerjüdische Debatte darüber, wie Identität, Solidarität und politische Prioritäten künftig austariert werden.
Gleichzeitig darf die Reaktion nicht in Resignation bestehen. New Yorks jüdische Institutionen verfügen über Erfahrung, Netzwerke und politische Kompetenz. Sie sind in der Lage, auf Landes- und Bundesebene Verbündete zu mobilisieren, rechtliche Schritte zu prüfen und öffentlich Stellung zu beziehen. Entscheidend wird sein, geschlossen aufzutreten und klare rote Linien zu definieren: Schutz jüdischer Einrichtungen, eindeutige Verurteilung antisemitischer Vorfälle, kein Raum für Delegitimierung Israels im Namen progressiver Politik.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Mamdani bereit ist, zwischen ideologischer Überzeugung und kommunaler Verantwortung zu unterscheiden. Ein Bürgermeister regiert nicht nur seine Wählerbasis, sondern die gesamte Stadt. Dazu gehört auch eine Gemeinschaft, die historisch viel zum wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Erfolg New Yorks beigetragen hat.
New York steht damit an einem Scheideweg. Bleibt die Stadt ein Ort, an dem jüdisches Leben selbstverständlich geschützt und respektiert wird, unabhängig von globalen Konflikten? Oder wird sie zum Schauplatz einer ideologischen Auseinandersetzung, in der Israel als Projektionsfläche für innenpolitische Kämpfe dient? Die Antwort hängt nicht allein vom Bürgermeister ab, sondern von der Entschlossenheit einer Gemeinschaft, ihre Stimme zu erheben sachlich, bestimmt und ohne Angst.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Karamccurdy - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:New_York_State_Assemblymember_Zohran_Mamdani.jpg, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=177161728
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 15. Februar 2026