CUNY-Gruppe bezeichnet Hamas-Tunnelsystem als „soziale Organisation“ und bewirbt Veranstaltung
Eine studentische Gruppe an der CUNY Law School bewirbt eine Diskussion, in der das Tunnelsystem der Hamas als Form gesellschaftlicher Organisation beschrieben wird. Israel und jüdische Organisationen sehen darin eine gefährliche Verharmlosung terroristischer Infrastruktur.

An der juristischen Fakultät der City University of New York sorgt ein Social-Media-Beitrag der Gruppe Students for Justice in Palestine für scharfe Kritik. In dem Post wird eine bevorstehende Veranstaltung mit der Wissenschaftlerin Hadeel Assali angekündigt. Thema ist „dekoloniale Landnutzung in Gaza“ sowie „Landnutzung und soziale Organisation im Widerstand gegen Kolonisierung“. In diesem Zusammenhang wird das weitverzweigte unterirdische Tunnelsystem der Hamas als „soziale Organisation“ beschrieben.
Die Wortwahl ist brisant. Die Tunnel im Gazastreifen dienten nach israelischen Angaben dem Transport von Waffen, der Vorbereitung von Angriffen auf israelische Zivilisten, der Lagerung militärischer Ausrüstung sowie dem Festhalten von Geiseln. Während des Krieges wurden zahlreiche unterirdische Anlagen freigelegt, die Teil einer gezielten militärischen Infrastruktur waren. Aus israelischer Sicht handelt es sich dabei um ein Kerninstrument einer Terrororganisation, nicht um ein soziales Netzwerk.
Hadeel Assali hatte bereits im Oktober 2024 einen Essay veröffentlicht, in dem sie den „Untergrundkrieg“ in Gaza als zentrale Form des Widerstands beschrieb. Darin argumentierte sie, die Tunnel stellten einen Raum dar, der sich israelischer Kontrolle entziehe. Ein von ihr zitierter Angehöriger formulierte, Israel kontrolliere Land, Meer und Himmel und wolle nun auch den Untergrund nicht überlassen. Diese Darstellung blendet aus, dass die Tunnel wiederholt für bewaffnete Operationen genutzt wurden.
ADL warnt vor Übernahme von Terrorpropaganda
Im Januar veröffentlichte das Center on Extremism der Anti-Defamation League eine Analyse, wonach Gruppen wie Students for Justice in Palestine Inhalte verbreiten, die direkt aus Kanälen palästinensischer Terrororganisationen stammen, darunter Hamas und die Volksfront zur Befreiung Palästinas. Laut ADL werden nicht nur Narrative übernommen, sondern auch offizielle Videos und Bildmaterial weiterverbreitet.
Die Organisation warnt vor zwei Entwicklungen. Erstens werde Propaganda extremistischer Gruppen aktiv in den öffentlichen Diskurs getragen. Zweitens führe diese Praxis zu einer rhetorischen Normalisierung. Wenn bewaffnete Strukturen als legitimer „Widerstand“ oder als gesellschaftliche Organisation beschrieben werden, verliere die Einordnung als Terrorinfrastruktur an Schärfe.
Gerade an einer juristischen Fakultät wie der CUNY Law School wiegt diese Entwicklung schwer. Akademische Freiheit umfasst kontroverse Positionen. Doch wenn Begriffe gewählt werden, die eine Infrastruktur relativieren, die nachweislich militärisch gegen Zivilisten eingesetzt wurde, stellt sich die Frage nach Verantwortung und Abgrenzung.
Für Israel ist die Debatte nicht abstrakt. Die Tunnel waren Teil eines Systems, das gezielt auf die Verwundbarkeit israelischer Gemeinden abzielte. Sie wurden genutzt, um Anschläge vorzubereiten, Soldaten anzugreifen und Geiseln zu verschleppen. Eine Beschreibung als „soziale Organisation“ wird in Jerusalem als Verharmlosung einer Gewaltstruktur verstanden.
Die Veranstaltung an der CUNY steht exemplarisch für eine breitere Entwicklung auf US-Campussen. Narrative aus dem Nahen Osten werden in akademische Konzepte eingebettet und damit sprachlich neu gerahmt. Kritik an israelischer Politik ist legitim und Teil pluralistischer Debatten. Die Umdeutung militärischer Infrastruktur einer als Terrororganisation eingestuften Gruppe in eine Form gesellschaftlicher Organisation überschreitet jedoch für viele Beobachter eine klare Grenze.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By SWinxy - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=147639892
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 14. Februar 2026