Solidarität statt Boykott: New Yorker stellen sich demonstrativ hinter israelische Bäckerei
Nach politischen Forderungen von Mitarbeitern wächst der öffentliche Rückhalt. Dutzende Kunden kommen gezielt, um ein Zeichen zu setzen – gegen Druck, Ausgrenzung und die Politisierung jüdischer Identität.

Was als interne Auseinandersetzung begann, ist innerhalb weniger Tage zu einem öffentlichen Signal geworden. Nachdem Mitarbeiter der israelischen Bäckereikette Breads Bakery in New York eine Gewerkschaftsinitiative gestartet und zugleich gefordert hatten, die Verbindungen des Unternehmens zu Israel zu kappen, reagierte die Öffentlichkeit deutlich. Am Freitag kamen Dutzende Unterstützer gezielt in eine Filiale der Bäckerei, um Solidarität mit den Inhabern zu zeigen.
Die Botschaft war unmissverständlich. Kunden standen Schlange, viele mit israelischen Fahnen, Aufklebern oder sichtbaren Solidaritätszeichen. Einige gaben offen an, bislang keine Stammkunden gewesen zu sein. Sie seien bewusst gekommen, um ein Zeichen zu setzen - nicht für eine politische Linie, sondern gegen den Versuch, ein jüdisch-israelisches Unternehmen ideologisch zu erpressen.
Öffentlicher Rückhalt als Antwort auf politischen Druck
Mehrere Besucher äußerten gegenüber US-Medien, sie empfänden die Forderungen der Mitarbeitenden als problematisch. Eine 34-jährige Unterstützerin erklärte, es gehe nicht um Arbeitsrechte, sondern um den Versuch, den Charakter eines Unternehmens zu verändern. Israel solle aus dem öffentlichen Raum gedrängt werden, selbst dort, wo es Teil der Identität der Gründer sei. Das sei keine legitime Arbeitnehmerforderung, sondern politischer Aktivismus auf dem Rücken eines jüdischen Geschäfts.
Eine 71-jährige Kundin sprach von einer Entwicklung, die sie in dieser Form noch nie erlebt habe. Ein anderer Besucher sagte, er sei nach dem 7. Oktober besonders sensibel für das Sicherheitsgefühl jüdischer Gemeinden geworden. Die Forderung, sich öffentlich von Israel zu distanzieren, verstärke genau jene Unsicherheit, die viele Juden derzeit ohnehin empfinden.
Forderungen gehen weit über Arbeitsbedingungen hinaus
Ausgangspunkt der Auseinandersetzung war die Gründung einer Gewerkschaft namens „Breaking Breads“, die unter dem Dach der amerikanischen Autoarbeitergewerkschaft UAW organisiert ist. Rund 30 Prozent der Belegschaft hatten die nötigen Beitrittskarten unterschrieben - ausreichend, um formell anerkannt zu werden. Die Bäckereikette beschäftigt etwa 275 Mitarbeiter in sechs Filialen in New York.
Neben klassischen Forderungen wie höherem Lohn und besseren Arbeitsbedingungen enthält das Forderungspapier jedoch einen politisch hoch aufgeladenen Kern. Die Mitarbeitenden verlangen von der Geschäftsführung, sämtliche Verbindungen zu Israel zu beenden. Konkret nennen sie Spendenaktionen für israelische Organisationen, das Backen von Produkten mit israelischen Symbolen sowie Catering für Veranstaltungen, die Israel unterstützen oder Gelder für die israelischen Streitkräfte sammeln.
In einer öffentlichen Erklärung schrieben sie, sie weigerten sich, an „zionistischen Projekten“ mitzuwirken. Israel wird dabei nicht als Staat, sondern als moralisches Problem dargestellt, von dem sich das Unternehmen zu distanzieren habe.
Wo Arbeitskampf endet und Ausgrenzung beginnt
Der Kern der Debatte liegt genau hier. Gewerkschaftliche Organisation und politische Forderungen werden miteinander vermischt. Niemand bestreitet das Recht von Beschäftigten, für bessere Bedingungen einzutreten. Doch wenn ein Unternehmen gezwungen werden soll, seine nationale, kulturelle oder jüdische Identität abzulegen, verlässt der Konflikt den Rahmen des Arbeitsrechts.
Die öffentliche Solidarität mit der Bäckerei ist daher mehr als Kundenbindung. Sie ist eine Reaktion auf einen Trend, der jüdische oder israelische Präsenz zunehmend problematisiert. Nicht wegen konkreter Handlungen, sondern allein wegen ihrer Herkunft und Symbolik.
Dass Menschen bewusst Zeit, Geld und Aufmerksamkeit investieren, um ein Geschäft zu unterstützen, zeigt, dass diese Form des Drucks nicht unwidersprochen bleibt. Die Unterstützung richtet sich nicht gegen Arbeitnehmerrechte, sondern gegen die Politisierung jüdischer Identität in einem kommerziellen Raum.
Für viele Besucher war der Kauf eines Croissants oder Brotes an diesem Tag kein Alltagsgeschäft. Er war ein Statement. Gegen Boykottlogik. Gegen ideologische Säuberungsforderungen. Und für das Recht jüdischer Unternehmer, ihre Herkunft nicht verstecken zu müssen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot Instagram
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 10. Januar 2026