Guterres distanziert sich deutlich von Albanese, UN ringt um Glaubwürdigkeit


Nach massiver internationaler Kritik geht UN-Generalsekretär António Guterres sichtbar auf Abstand zu Francesca Albanese. Ihre Wortwahl, ihr politischer Ton und ihr Auftritt neben Hamas- und Iran-Vertretern bringen die Vereinten Nationen zunehmend in Erklärungsnot.

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Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres, hat sich in ungewöhnlich klarer Form von der UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese distanziert. Auslöser sind ihre jüngsten Aussagen auf dem Al Jazeera Forum in Doha, die in mehreren europäischen Hauptstädten Empörung auslösten und nun auch innerhalb der UN-Führungsebene für spürbare Irritation sorgen.

UN-Sprecher Stéphane Dujarric erklärte vor Journalisten, das Büro des Generalsekretärs stimme „mit vielem, was sie sagt, nicht überein“ und würde ihre Wortwahl zur Beschreibung der Lage im Nahen Osten ausdrücklich nicht übernehmen. Das ist mehr als diplomatische Distanz. Es ist eine indirekte Rüge.

Zwar betonte Dujarric, Sonderberichterstatter seien institutionell unabhängig vom Generalsekretär, doch genau diese Konstruktion gerät nun ins Wanken. Denn wenn eine Mandatsträgerin wiederholt mit Begriffen operiert, die von mehreren europäischen Regierungen als einseitig, delegitimierend oder antisemitisch bewertet werden, dann trifft der politische Schaden nicht nur die Person, sondern die Institution.

Politische Aktivistin im UN-Mandat?

Der Kern der Kritik richtet sich nicht allein gegen einzelne Formulierungen, sondern gegen das Gesamtbild. Albanese sprach in Doha auf einer Bühne, auf der auch Vertreter der Hamas und der Islamischen Republik Iran präsent waren. Diese Konstellation ist politisch brisant. Sie wirft die Frage auf, ob hier noch unabhängige Menschenrechtsarbeit betrieben wird oder ob ein Mandat für politische Agitation genutzt wird.

Frankreich kündigte an, bei der kommenden Sitzung des UN-Menschenrechtsrats offiziell ihre Abberufung zu fordern. Außenminister Jean-Noël Barrot warf ihr vor, nicht nur die israelische Regierungspolitik zu kritisieren, sondern Israel als Nation und Volk ins Visier zu nehmen. Das überschreite die Grenze legitimer Kritik.

Auch Italien und Österreich stellten sich hinter die französische Initiative. Der italienische Vizepremier Antonio Tajani erklärte, Albaneses Verhalten sei mit der Rolle einer Vertreterin der Vereinten Nationen nicht vereinbar. Die österreichische Außenministerin Beate Meinl-Reisinger sprach von einer Wortwahl, die der notwendigen Neutralität eines UN-Mandats widerspreche.

Dass mehrere europäische Demokratien öffentlich Zweifel an der Integrität einer Sonderberichterstatterin äußern, ist ein außergewöhnlicher Vorgang. Er zeigt, wie sehr sich das Vertrauen in ihre Amtsführung erodiert hat.

Verteidigung durch Relativierung

Francesca Albanese selbst weist die Vorwürfe zurück. Sie spricht von aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen und veröffentlicht eigene Videos, um ihre Worte einzuordnen. Sie habe nicht Israel als Staat als „gemeinsamen Feind der Menschheit“ bezeichnet, sondern ein globales System, das sie für strukturelle Ungerechtigkeiten verantwortlich mache.

Doch genau hier liegt das Problem. Wer in einer aufgeheizten internationalen Lage mit maximal aufgeladener Sprache operiert, darf sich nicht wundern, wenn diese Worte politisch gelesen werden. Ein UN-Mandat verlangt Präzision, Zurückhaltung und strikte Trennung zwischen Analyse und Anklage. Wer stattdessen mit moralischer Totalverurteilung arbeitet, verlässt den Boden nüchterner Menschenrechtsarbeit.

Der Eindruck verfestigt sich, dass Albanese weniger als unparteiische Beobachterin auftritt, sondern als politische Akteurin mit klarer Agenda. Das beschädigt nicht nur ihre eigene Glaubwürdigkeit, sondern die des gesamten Menschenrechtsrats.

UN in der Defensive

Für António Guterres ist die Situation heikel. Einerseits verteidigt er formal die Unabhängigkeit der Sonderberichterstatter. Andererseits kann er es sich politisch nicht leisten, mit einer Wortwahl identifiziert zu werden, die von Mitgliedstaaten als extrem oder einseitig bewertet wird. Seine Distanzierung ist daher auch ein Versuch, institutionellen Schaden zu begrenzen.

Ob die französische Initiative Erfolg haben wird, ist offen. Der Menschenrechtsrat entscheidet über Mandate, und Mehrheiten sind dort politisch komplex. Doch unabhängig vom Ausgang ist klar: Diese Debatte hat eine rote Linie sichtbar gemacht.

Die Vereinten Nationen können es sich nicht leisten, dass zentrale Menschenrechtsmandate als Plattform für politische Kampfrhetorik wahrgenommen werden. Wer Israel kritisiert, darf das tun. Wer aber Begriffe wählt, die eine Nation pauschal delegitimieren oder in moralische Totalverurteilungen treiben, überschreitet den Rahmen dessen, was von einer UN-Vertreterin erwartet wird.

Die Distanzierung Guterres’ ist daher mehr als eine persönliche Abgrenzung. Sie ist ein Signal, dass selbst innerhalb der UN die Geduld mit Albaneses Vorgehen erkennbar schwindet.



Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Fotografía oficial de la Presidencia de Colombia - https://www.flickr.com/photos/197399771@N06/54658333532/, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=170214551

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 14. Februar 2026

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