Australien im Aufruhr: Anti-Israel-Proteste gegen Präsident Herzog eskalieren
Während Israels Staatspräsident in Sydney den Opfern des antisemitischen Massakers von Bondi gedenkt, toben auf den Straßen wütende Demonstrationen. Ein zerrissenes Australien ringt zwischen Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft und einer lautstarken Bewegung, die Israel offen an den Pranger stellt.

Die Ankunft von Präsident Isaac Herzog in Australien hätte ein Moment der Versöhnung und des Zusammenhalts sein sollen. Er war eingeladen worden, um der jüdischen Gemeinde nach dem blutigen Terroranschlag von Bondi Beach im Dezember beizustehen, bei dem 15 Menschen während einer Chanukka-Feier ermordet wurden. Stattdessen verwandelte sich sein Besuch in eine der politisch aufgeladensten Wochen, die das Land seit Jahren erlebt hat.
Schon am ersten Tag seiner Reise schlug ihm eine Welle von Feindseligkeit entgegen. In mehreren australischen Städten versammelten sich Tausende Demonstranten, um gegen Israel, gegen Herzog persönlich und gegen die australische Regierung zu protestieren. Besonders in Sydney eskalierte die Lage. Im zentralen Geschäftsviertel drängten Menschenmengen auf die Straßen, riefen Parolen gegen Israel und warfen der Regierung vor, sich einseitig hinter Jerusalem zu stellen.
Die Proteste offenbaren einen tiefen Riss in der australischen Gesellschaft. Auf der einen Seite steht eine jüdische Gemeinschaft, die nach Monaten der Angst, nach antisemitischen Übergriffen und nach dem traumatischen Anschlag von Bondi Beach dringend Unterstützung sucht. Auf der anderen Seite formiert sich eine Bewegung, die Israel pauschal für alle Ereignisse im Nahen Osten verantwortlich macht und die Trauer der Opfer relativiert.
Ein 30-jähriger Demonstrant brachte die Haltung vieler Teilnehmer offen zum Ausdruck. Der Anschlag von Bondi sei zwar schrecklich gewesen, sagte er, doch die Regierung habe keinerlei Mitgefühl für das Leid der Palästinenser gezeigt. Präsident Herzog sei mitverantwortlich für das, was in Gaza geschehe, und deshalb nicht willkommen. Solche Aussagen zeigen, wie weit sich der Diskurs bereits von den tatsächlichen Ereignissen entfernt hat.
Für die australische Regierung war der Besuch ein Akt moralischer Verpflichtung. Premierminister Anthony Albanese hatte Herzog ausdrücklich eingeladen, um nach dem Terroranschlag ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Doch genau diese Geste wurde von radikalen Gruppen als Provokation interpretiert. Organisationen wie die sogenannte Palestine Action Group mobilisierten gezielt gegen den Besuch und versuchten sogar, die behördlichen Sicherheitsmaßnahmen gerichtlich zu kippen. Sie scheiterten.
Die Behörden reagierten mit massiver Präsenz. Tausende Polizisten wurden in Sydney eingesetzt, Hubschrauber kreisten über den Versammlungen, Reiterstaffeln und Sondereinheiten versuchten, die Lage unter Kontrolle zu halten. Als einige Demonstranten versuchten, Absperrungen zu durchbrechen, griff die Polizei zu Pfefferspray und Tränengas. Mehrere Personen wurden festgenommen. Die Bilder erinnerten eher an einen Ausnahmezustand als an einen Staatsbesuch eines befreundeten Landes.
Nur wenige Kilometer entfernt fand eine völlig andere Szene statt. In einem Kongresszentrum versammelten sich Tausende Mitglieder der jüdischen Gemeinde, Regierungsvertreter und Oppositionspolitiker, um Präsident Herzog willkommen zu heißen und der Opfer von Bondi zu gedenken. Dort sprach Herzog über die Angst, die viele Juden in Australien in den vergangenen Monaten erlebt haben, über Boykotte, Drohungen und über Menschen, die ihren jüdischen Freunden den Rücken gekehrt hätten. All dies, sagte er, sei der Weg gewesen, der schließlich zum Anschlag von Bondi führte.
Zuvor hatte Herzog am Strand von Bondi einen Kranz niedergelegt und mit Überlebenden und Angehörigen der Opfer gesprochen. Er erinnerte daran, dass der Anschlag nicht nur Juden getroffen habe, sondern die gesamte australische Gesellschaft. Terror richte sich gegen die Grundwerte von Freiheit, Toleranz und Respekt. Diese Worte klangen wie eine Antwort auf den Hass, der draußen auf den Straßen tobte.
Doch genau diese Botschaft ging in Teilen der Öffentlichkeit unter. Statt Empathie für die trauernde Gemeinschaft dominierten Schlagzeilen über Proteste und Zusammenstöße. Selbst innerhalb der jüdischen Bevölkerung gibt es kritische Stimmen. Eine kleine Gruppe jüdischer Aktivisten veröffentlichte einen offenen Brief an Premier Albanese und forderte, die Einladung an Herzog zurückzuziehen. Solche Initiativen zeigen, wie polarisiert die Debatte inzwischen ist.
Der Besuch Herzogs legt ein Grundproblem offen, das weit über Australien hinausgeht. In vielen westlichen Ländern wird der Nahostkonflikt zunehmend nicht mehr differenziert betrachtet, sondern emotional aufgeladen und ideologisch instrumentalisiert. Ein Staatsoberhaupt, das gekommen ist, um Opfern eines antisemitischen Massakers zu gedenken, wird zur Zielscheibe politischer Wut. Die Grenzen zwischen legitimer Kritik an israelischer Politik und blankem Antisemitismus verschwimmen immer stärker.
Für die jüdische Gemeinschaft Australiens ist diese Entwicklung ein Alarmsignal. Viele ihrer Mitglieder fühlen sich nach den Ereignissen von Bondi ohnehin verletzlich. Die massiven Proteste während des Besuchs ihres Präsidenten verstärken das Gefühl, im eigenen Land nicht mehr sicher und willkommen zu sein.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert
Artikel veröffentlicht am: Montag, 9. Februar 2026