Tucker Carlson verbreitet Verschwörungen über Israel und Juden
Der amerikanische Medienstar Tucker Carlson spricht von „dämonischen Kräften“ hinter dem Krieg gegen Iran. Doch seine eigenen Aussagen zeigen vor allem eines: eine gefährliche Mischung aus Verschwörungstheorien und alten antisemitischen Narrativen.
Wer behauptet, Juden steuerten Kriege oder kontrollierten Regierungen, trägt Verantwortung für die Folgen solcher Worte.

Wenn Tucker Carlson über den Krieg gegen das iranische Regime spricht, benutzt er große Worte. Von einer „dämonischen Kraft“ sprach er kürzlich und behauptete, sie sei durch die militärischen Angriffe auf Iran freigesetzt worden. Gemeint waren die Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump und Israels Premierminister Benjamin Netanyahu, militärisch gegen das iranische Regime vorzugehen.
Doch die eigentliche Frage lautet nicht, ob Carlson religiöse Metaphern benutzt. Entscheidend ist, welche politischen Botschaften er damit transportiert.
In den vergangenen Monaten hat Carlson eine Reihe von Behauptungen verbreitet, die weit über Kritik an israelischer Politik hinausgehen. Immer wieder stellt er Israel als dunkle Macht dar, die angeblich die Vereinigten Staaten manipuliert oder in Kriege hineinzieht. Solche Aussagen greifen Narrative auf, die seit Jahrhunderten Teil antisemitischer Verschwörungstheorien sind.
Besonders brisant ist ein Vorwurf, den Carlson in jüngster Zeit verbreitet hat: Er behauptete, eine religiöse jüdische Bewegung namens Chabad Lubavitch stehe hinter den militärischen Angriffen gegen Iran. Eine solche Behauptung stellt nicht nur eine unbelegte Verschwörung dar. Sie legt auch nahe, dass Juden im Hintergrund internationale Konflikte steuern.
Solche Narrative sind historisch gefährlich. Sie gehörten bereits zum Arsenal antisemitischer Propaganda in Europa und im Nahen Osten. Immer wieder wurde behauptet, Juden kontrollierten Regierungen, Medien oder Finanzsysteme und würden Kriege auslösen. Diese Mythen führten in der Vergangenheit zu Gewalt gegen jüdische Gemeinschaften.
Carlsons Kritik beschränkt sich nicht auf politische Entscheidungen Israels. Er stellt Israels demokratische Führung regelmäßig als manipulative Macht dar. Premierminister Netanyahu und Staatspräsident Isaac Herzog erscheinen in seinen Kommentaren häufig als Figuren, die angeblich Washington kontrollieren.
Auch andere Behauptungen Carlsons sind nachweislich falsch oder stark verzerrt. So erklärte er, Israel habe absichtlich Kirchen bombardiert oder Christen verfolgt. Für solche Anschuldigungen gibt es keine glaubwürdigen Belege.
In anderen Fällen stellt Carlson Israel als einzigartig bösartigen Staat dar, während er autoritäre Regime deutlich milder bewertet. Diese selektive Empörung verzerrt die Realität eines komplexen Konflikts. Israel ist eine Demokratie mit freien Wahlen, unabhängigen Gerichten und einer kritischen Presse. Diese Realität verschwindet jedoch häufig aus Carlsons Darstellung.
Ein weiteres wiederkehrendes Muster ist der Umgang mit Gewalt und Terror. In mehreren Kommentaren stellte Carlson israelische Militäraktionen als grundsätzlich illegitim dar, während die Rolle von Terrororganisationen wie der Hamas oder der Hezbollah kaum thematisiert wird.
Damit verschiebt sich die moralische Perspektive: Die Verantwortung für Gewalt wird von den Angreifern auf die Angegriffenen übertragen.
Carlson selbst sieht sich gern als unbequemer Kritiker politischer Macht. Doch Kritik verliert ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie auf falschen Behauptungen und Verschwörungstheorien basiert.
Der aktuelle Krieg mit dem iranischen Regime ist kein religiöses Drama, in dem dämonische Kräfte wirken. Es ist ein geopolitischer Konflikt zwischen einem Staat, der seine Bürger schützt, und einem Regime, das seit Jahrzehnten offen zur Zerstörung Israels aufruft.
Wer diesen Konflikt mit Mythen über jüdische Macht oder geheimen Einfluss erklärt, trägt nicht zur Aufklärung bei. Er trägt dazu bei, alte Feindbilder neu zu beleben.
Worte haben in der politischen Debatte Gewicht. Besonders dann, wenn sie von prominenten Medienfiguren kommen.
Und gerade deshalb sollte klar benannt werden, was hinter vielen dieser Aussagen steckt: keine Analyse der Realität, sondern die Wiederholung gefährlicher Legenden.
Autor: David Goldberg
Bild Quelle: By Gage Skidmore from Surprise, AZ, United States of America - Tucker Carlson, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=134985243
Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 10. März 2026