Pentagon zieht sich zurück und setzt Verbündete unter Druck
Ein neues Strategiedokument aus Washington verändert die globale Sicherheitsordnung. Die Vereinigten Staaten wollen weniger kämpfen und mehr delegieren.

Mitten in einer ohnehin angespannten Weltlage hat das US-Verteidigungsministerium ein Dokument veröffentlicht, das in Jerusalem aufmerksam gelesen wird. Der Text ist nüchtern formuliert, doch seine politische Bedeutung ist enorm. Die Vereinigten Staaten wollen ihre militärische Präsenz weltweit schrittweise reduzieren. Verbündete sollen künftig selbst die Hauptlast ihrer Verteidigung tragen.
Was wie eine technische Neuausrichtung klingt, ist in Wahrheit ein strategischer Einschnitt. Der langfristige Kurs der Regierung von Präsident Donald Trump zielt darauf ab, amerikanische Macht zu konzentrieren und nicht mehr überall zugleich militärisch präsent zu sein. Europa, Ostasien und auch der Nahe Osten werden ausdrücklich genannt.
Im Zentrum des Dokuments steht ein klarer Satz. Amerikas Partner sollen künftig selbst für ihre Sicherheit verantwortlich sein. Die Unterstützung aus Washington bleibe wichtig, aber begrenzt.
Für Israel ist diese Botschaft ambivalent. Einerseits würdigt das Pentagon ausdrücklich die enge militärische Zusammenarbeit während des zwölftägigen Krieges gegen Iran. Die amerikanische Unterstützung habe entscheidend dazu beigetragen, Israels operative und strategische Erfolge möglich zu machen. Andererseits macht das Dokument deutlich, dass diese Form intensiver militärischer Begleitung kein Dauerzustand mehr sein soll.
Stabilität statt Dauerintervention
Das Papier definiert als oberstes Ziel eine sogenannte strategische Stabilität. Dahinter verbirgt sich eine Abkehr von jahrzehntelanger amerikanischer Praxis. Die Vereinigten Staaten wollen nicht länger als permanente Ordnungsmacht auftreten, sondern ihre Ressourcen auf den eigenen Einflussraum konzentrieren.
Die Sicherung der amerikanischen Vormachtstellung auf dem westlichen Kontinent erhält höchste Priorität. Militärische Engagements in entfernten Regionen sollen reduziert werden, sofern sie nicht unmittelbar amerikanische Kerninteressen betreffen.
Auffällig ist der Ton gegenüber China. Er fällt deutlich zurückhaltender aus als in früheren Strategien. Statt scharfer Konfrontation dominiert ein sachlicher Wettbewerb um Einfluss. Iran hingegen wird im Dokument nur am Rande erwähnt, obwohl Teheran weiterhin als Bedrohung eingestuft bleibt.
Gleichzeitig betont das Pentagon erneut, dass Präsident Trump unmissverständlich klargemacht habe, Iran werde niemals in den Besitz einer Atomwaffe gelangen. Die amerikanische Militärführung verweist auf die jüngsten Operationen, mit denen das iranische Atomprogramm nach eigener Darstellung entscheidend zerstört worden sei.
Besuch ohne Iran Fokus und doch voller Bedeutung
Nur wenige Stunden nach Veröffentlichung des Dokuments traf der Kommandeur des amerikanischen Zentralkommandos, Admiral Brad Cooper, zu einem Kurzbesuch in Israel ein. Offiziell hieß es, seine Gespräche mit israelischen Sicherheitsvertretern hätten keinen Bezug zu Iran gehabt.
In Jerusalem wird diese Aussage mit Zurückhaltung aufgenommen. Zu eng ist die aktuelle Lage, zu hoch die regionale Spannung. Dass der Besuch zeitgleich mit der Veröffentlichung eines derart grundlegenden Strategiepapiers erfolgt, wird nicht als Zufall gewertet.
In israelischen Sicherheitskreisen ist längst bekannt, dass die amerikanische Militärpräsenz im Nahen Osten derzeit sogar verstärkt wird. Schiffe, Luftwaffenverbände und logistische Einheiten werden zusammengezogen. Die Einschätzung lautet, dass diese Phase der Konzentration innerhalb weniger Tage abgeschlossen sein dürfte.
Gleichzeitig wächst die Sorge vor Fehlkalkulationen. In Jerusalem wird offen darüber gesprochen, dass Teheran eine amerikanische Entscheidung zur Militäraktion möglicherweise als bereits gefallen ansehen könnte und deshalb zu einem präventiven Schlag greifen würde.
Ein hochrangiger iranischer Vertreter warnte zuletzt, jede Attacke werde als umfassender Krieg betrachtet. Aussagen dieser Art erhöhen die Nervosität auf beiden Seiten.
Israel zwischen Anerkennung und neuer Last
Für Israel bedeutet das neue amerikanische Denken vor allem eines. Mehr Eigenverantwortung. Das Dokument würdigt Israels militärische Leistungsfähigkeit ausdrücklich. Es bestätigt, dass Jerusalem in der Lage ist, große sicherheitspolitische Herausforderungen selbst zu bewältigen.
Doch diese Anerkennung bringt auch Last mit sich. Wenn Washington sich schrittweise zurückzieht, wächst die strategische Einsamkeit Israels. Militärische Stärke bleibt vorhanden, doch politische Rückendeckung wird selektiver.
Gleichzeitig zeigt das Papier, dass die Vereinigten Staaten ihre Unterstützung nicht beenden wollen. Sie wollen sie neu definieren. Weniger Dauerpräsenz, mehr punktuelle Hilfe. Weniger Führung, mehr Partnerschaft.
Für Israel ist das ein vertrautes, aber dennoch riskantes Szenario. Das Land ist es gewohnt, für seine Sicherheit selbst einzustehen. Doch in einer Region mit Iran, Hisbollah und instabilen Nachbarn verändert jede Verschiebung der amerikanischen Rolle das strategische Gleichgewicht.
Eine neue Weltordnung nimmt Gestalt an
Das Pentagon-Dokument markiert keinen abrupten Bruch, sondern einen langsamen Übergang. Die Zeit der weltweiten amerikanischen Dauerintervention neigt sich dem Ende zu. Nationale Interessen rücken in den Vordergrund. Verbündete müssen stärker selbst handeln.
Für Israel bedeutet das, militärische Eigenständigkeit weiter auszubauen, Abschreckung glaubwürdig zu halten und politische Allianzen breiter aufzustellen.
Der Besuch des US-Kommandeurs, die laufenden Truppenbewegungen und die scharfen Worte aus Teheran zeigen jedoch auch, dass der Rückzug nicht sofort erfolgt. Die Übergangsphase ist die gefährlichste.
Washington sendet ein klares Signal an die Welt. Amerika bleibt mächtig, aber nicht mehr überall zugleich. Wer geschützt sein will, muss selbst Verantwortung tragen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By David B. Gleason from Chicago, IL - The Pentagon, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4891272
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 24. Januar 2026