Hisbollah verliert Rückhalt: Zwei Drittel der befragten Schiiten wollen ihre Entwaffnung

Hisbollah verliert Rückhalt: Zwei Drittel der befragten Schiiten wollen ihre Entwaffnung


Eine Umfrage aus dem Libanon zeigt wachsenden Widerstand gegen die Terrororganisation. Besonders bemerkenswert: 63 Prozent der befragten Schiiten befürworten eine Form der Verständigung mit Israel. Doch die Hisbollah bleibt einflussreich.

Hisbollah verliert Rückhalt: Zwei Drittel der befragten Schiiten wollen ihre Entwaffnung
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Ausgerechnet in ihrer wichtigsten gesellschaftlichen Unterstützergruppe wächst der Widerstand gegen die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen. Laut einer im September 2026 durchgeführten Umfrage unter 800 schiitischen Libanesen befürworten 66,4 Prozent, dass die Terrororganisation ihre Waffen an den libanesischen Staat übergibt. Nur 29,6 Prozent wollen, dass die Hisbollah ihr Arsenal in der bisherigen Form behält.

Die Ergebnisse des libanesischen Instituts Statistics Lebanon stellen den Anspruch der vom Iran unterstützten Organisation infrage, als bewaffnete Schutzmacht der schiitischen Bevölkerung aufzutreten.

Besonders deutlich ist die Haltung zur staatlichen Souveränität: 71,1 Prozent der Befragten wollen, dass ausschließlich der libanesische Staat über Krieg und Frieden entscheidet. 78,5 Prozent vertrauen der libanesischen Armee. Als wichtigste Institution für langfristige Sicherheit nennen 51,1 Prozent die Streitkräfte, aber nur 16,5 Prozent die Hisbollah.

Auch das Verhältnis zu IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen zeigt eine bemerkenswerte Veränderung. 63,3 Prozent unterstützen irgendeine Form eines Abkommens mit dem jüdischen Staat. Darunter fallen direkte Gespräche, internationale Vermittlung oder eine umfassendere regionale Vereinbarung. Das bedeutet noch keine Zustimmung zu einem Friedensvertrag, widerspricht aber der kompromisslosen Feindschaft, die die Hisbollah propagiert.

Die Kriege der vergangenen Jahre haben offenbar Spuren hinterlassen. 67,4 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Hisbollah ihre Kriegsziele nicht oder nur teilweise erreicht habe. 42,1 Prozent äußern Enttäuschung, Wut oder Besorgnis über die Führung und die Folgen ihrer Entscheidungen.

Kritik an der Hisbollah bedeutet allerdings noch nicht, dass ihre politische Macht gebrochen ist.Trotz der negativen Bewertungen erklären weiterhin 59,5 Prozent, der Organisation in unterschiedlichem Maße zu vertrauen.

Die Hisbollah verfügt über ein weitreichendes Netzwerk aus sozialen Einrichtungen, finanzieller Unterstützung und politischer Einflussnahme. Für zahlreiche Familien bestehen wirtschaftliche Abhängigkeiten. Gleichzeitig haben ihre militärischen Entscheidungen erhebliche Zerstörungen und Vertreibungen verursacht.

Wie widersprüchlich die Lage bleibt, zeigt ein Vergleich mit einer früheren Erhebung. Im Mai 2026 lehnten laut einer Untersuchung von Information International noch 87,5 Prozent der befragten Schiiten eine Entwaffnung der Hisbollah ab. Lediglich 7,9 Prozent unterstützten die Abgabe ihrer Waffen.

Der Gegensatz zu den Septemberzahlen ist erheblich. Allerdings stammen beide Erhebungen von unterschiedlichen Instituten. Abweichende Fragestellungen, Stichproben und Erhebungsmethoden können die Ergebnisse beeinflusst haben. Ein tatsächlicher Meinungsumschwung in genau dieser Größenordnung ist deshalb nicht belegt.

Für die libanesische Regierung liefern die neuen Zahlen dennoch ein wichtiges Signal. Die Forderung nach einem staatlichen Gewaltmonopol findet selbst unter Angehörigen jener Bevölkerungsgruppe Unterstützung, auf die sich die Hisbollah seit Jahrzehnten stützt.

Die entscheidende Frage ist nun, ob Beirut diese Zustimmung in tatsächliche politische Kontrolle umsetzen kann. Solange die Terrororganisation ihre Waffen behält und zugleich soziale sowie wirtschaftliche Abhängigkeiten aufrechterhält, bleibt ihre Macht bestehen.

Die Umfrage zeigt keinen Zusammenbruch der Hisbollah. Sie zeigt aber, dass ihre bewaffnete Vorherrschaft selbst innerhalb ihrer traditionellen Unterstützergruppe zunehmend infrage gestellt wird.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 25. Oktober 2026

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