Israel bereitet Rückkehr in den Kampf vor falls Trumps Friedensplan scheitert


Während Washington auf Diplomatie setzt, rechnet Jerusalem mit dem Gegenteil. In der israelischen Armee laufen bereits weitreichende Vorbereitungen für eine erneute Offensive gegen die Hamas.

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Hinter den Kulissen entsteht ein Szenario, das zeigt wie gering das Vertrauen in eine freiwillige Entwaffnung der Terrororganisation ist.

Israel richtet seinen Blick erneut auf eine Möglichkeit, die niemand offen aussprechen will und auf die sich dennoch alle vorbereiten. Sollte der politische Vorstoß von US Präsident Donald Trump scheitern, rechnet die israelische Sicherheitsführung mit einer Rückkehr intensiver Kampfhandlungen im Gazastreifen. Die militärischen Planungen dafür sind längst angelaufen.

Während offiziell vom zweiten Abschnitt des amerikanischen Friedensplans gesprochen wird, ist die Einschätzung in Jerusalem nüchtern. Die Hamas wird sich nicht freiwillig entwaffnen. Diese Erwartung beruht nicht auf Vermutungen, sondern auf den wiederholten öffentlichen Aussagen führender Vertreter der Terrororganisation, die eine Abgabe ihrer Waffen kategorisch ausschließen.

In der israelischen Armee gilt diese Haltung als eindeutiges Signal. Deshalb wurde in den vergangenen Tagen eine konkrete militärische Operationsplanung ausgearbeitet und den Kommandeuren des Südkommandos vorgestellt. Intern werden die Vorbereitungen als weit fortgeschritten bezeichnet.

Die eingesetzten Kräfte im Gazastreifen haben bereits mit strukturierten Einsatzvorbereitungen begonnen. Dabei handelt es sich nicht um theoretische Planspiele, sondern um operative Maßnahmen, die jederzeit in aktive Kampfhandlungen übergehen könnten.

Israel kontrolliert derzeit rund 53 Prozent des Gebiets des Gazastreifens. Parallel zur fortgesetzten Zerstörung verbliebener terroristischer Infrastruktur entlang der festgelegten Sicherheitslinien wird bereits der nächste militärische Schritt vorbereitet. Ziel bleibt klar definiert. Die vollständige Entwaffnung der Hamas und die nachhaltige Zerschlagung ihrer militärischen Fähigkeiten.

Keine Illusionen über Hamas

In der israelischen Sicherheitsführung gibt es keine Erwartung mehr, dass politische Gremien oder internationale Räte die Hamas zur Aufgabe zwingen könnten. Die Organisation betrachtet ihre Waffen als Existenzgrundlage. Wer sie ablegt, verliert Macht, Einfluss und Kontrolle.

Genau deshalb wird in Jerusalem davon ausgegangen, dass jede diplomatische Initiative ohne militärischen Druck an ihre Grenzen stößt. Die Vorstellung, die Hamas könne sich selbst entmachten, gilt als realitätsfern.

Diese Einschätzung prägt derzeit sämtliche strategischen Überlegungen. Auch deshalb laufen politische Gespräche und militärische Planungen parallel, ohne dass sich das eine auf das andere verlässt.

Während auf internationaler Ebene über Übergangsmodelle, Räte und neue Verwaltungsstrukturen gesprochen wird, hält sich Israel die Option offen, erneut militärisch einzugreifen, falls diese Konzepte scheitern.

Rafah als Teil des strategischen Gesamtbildes

In dieses Spannungsfeld fällt auch die mögliche Öffnung des Grenzübergangs Rafah. Israel bereitet sich auf dieses Szenario vor, obwohl damit erhebliche sicherheitspolitische Risiken verbunden sind.

Nach internationalen Berichten will Israel den Personenverkehr streng begrenzen. Ziel ist es, mehr Menschen aus dem Gazastreifen herauszuführen als hineinzulassen. Wie diese Regelung praktisch umgesetzt werden soll, ist noch offen, da der Übergang auf ägyptischem Gebiet liegt.

Für Israel ist Rafah kein humanitärer Nebenschauplatz, sondern Teil der strategischen Gesamtlage. Jede Bewegung über diesen Übergang beeinflusst die operative Realität im Gazastreifen und damit auch mögliche militärische Schritte.

Die Öffnung des Übergangs erfolgt vor dem Hintergrund der geplanten Friedensinitiative Trumps, der eine neue politische Struktur für Gaza etablieren will. Doch in Jerusalem ist man sich bewusst, dass solche Strukturen nur dann Bestand haben, wenn sie nicht von bewaffneten Terrorgruppen unterlaufen werden.

Der Schatten eines offenen Schicksals

Besonders schwer wiegt in diesen Tagen ein Punkt, der emotional tief in die israelische Gesellschaft reicht. Noch immer befindet sich der gefallene Soldat Ran Gujali in der Gewalt der Hamas.

Die politische Führung bereitet weitere Entscheidungen vor, während sein Schicksal ungeklärt bleibt. Am Wochenende wird sich das sicherheitspolitische Kabinett mit der Lage in Gaza befassen. Zuvor ist ein Treffen zwischen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und den amerikanischen Gesandten Witkoff und Kushner geplant.

Im Mittelpunkt soll erneut die Rückführung von Ran stehen. Für Israel bleibt sie eine nationale Verpflichtung.

Generalstabschef Eyal Zamir traf sich am Freitag mit den Eltern des Soldaten. Seine Worte waren vorsichtig, aber bemerkenswert. Man könne heute optimistischer sein als zuvor. Die Hoffnung auf eine Entwicklung ist zurückgekehrt, auch wenn Gewissheit weiterhin fehlt.

Zwischen Hoffnung und Vorbereitung

Israel befindet sich damit in einer doppelten Realität. Nach außen unterstützt es diplomatische Bemühungen. Im Inneren bereitet es sich auf das Gegenteil vor.

Diese Haltung ist kein Ausdruck von Misstrauen gegenüber Verbündeten, sondern Ergebnis jahrzehntelanger Erfahrung. Terrororganisationen lassen sich nicht durch Resolutionen entwaffnen. Sie reagieren auf Macht, nicht auf Appelle.

Sollte der politische Prozess scheitern, wird Israel nicht überrascht sein. Die Armee steht bereit. Die Pläne liegen auf dem Tisch. Die Einheiten sind vorbereitet.

Der nächste Schritt hängt nicht allein von Jerusalem ab. Doch Israel macht deutlich, dass es nicht warten wird, bis sich Bedrohungen erneut verfestigen.

Der Staat hat aus dem 7. Oktober gelernt. Und diesmal will er nicht unvorbereitet sein.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: IDF

Artikel veröffentlicht am: Samstag, 24. Januar 2026

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