Südjemen kündigt Bruch an: Separatisten planen Unabhängigkeitsreferendum
Der Süden Jemens stellt die Einheit des Landes offen infrage. Während an den Frontlinien gekämpft wird, kündigen die Separatisten einen politischen Schritt mit Sprengkraft an. Die Folgen reichen weit über die Grenzen des Landes hinaus.

Die Südliche Übergangsratsbewegung STC hat angekündigt, innerhalb der kommenden zwei Jahre ein Referendum über die Unabhängigkeit des Südens abzuhalten. Die Erklärung markiert einen Wendepunkt in einem ohnehin zerrissenen Staat und verschärft die Spannungen zwischen regionalen und internationalen Akteuren. Der STC kontrolliert weite Teile des Südens, darunter strategisch wichtige Küstengebiete und energiepolitisch bedeutsame Regionen.
Die Ankündigung erfolgte mitten in militärischen Auseinandersetzungen mit Kräften der international anerkannten jemenitischen Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt werden. Zeitgleich erklärte die Regierung in Aden, eine Militäroperation zur Rückeroberung der ölreichen Region Hadramaut gestartet zu haben. Genau diese Region gilt als wirtschaftliches Rückgrat des Südens und als rotes Tuch für Riad.
Der STC wird maßgeblich von den Vereinigte Arabische Emirate unterstützt. Dass Abu Dhabi nahezu zeitgleich den vollständigen Abzug seiner Truppen aus dem Jemen bekanntgab, wird von Beobachtern nicht als Rückzug aus der Politik verstanden, sondern als strategische Neuordnung. Einfluss ohne sichtbare Präsenz. Kontrolle über lokale Akteure statt eigener Soldaten.
Jemen ist faktisch seit Jahren kein funktionierender Staat mehr. Im Norden herrschen die Huthi-Bewegung, unterstützt durch Iran. Im Süden existiert eine fragile Koexistenz aus Regierung, Milizen und separatistischen Kräften. Die Einnahme mehrerer Gebiete durch den STC im Dezember hat diese fragile Balance zerstört.
Die jetzige Referendumsankündigung ist deshalb kein symbolischer Akt, sondern eine Kampfansage an die bisherige Staatsordnung. Sie richtet sich ebenso gegen die Regierung in Aden wie gegen Saudi-Arabien, das eine Teilung des Landes als sicherheitspolitische Bedrohung betrachtet. Hadramaut grenzt direkt an saudisches Territorium. Ein unabhängiger Südjemen mit eigener Militärstruktur und ausländischer Rückendeckung würde Riads Einfluss massiv schwächen.
Besonders brisant ist die Entwicklung für das Verhältnis zwischen Saudi-Arabien und den Emiraten. Beide Staaten galten lange als zentrale Partner im Jemen-Krieg. Nun treten ihre Interessen offen auseinander. Während Riad auf formale Einheit und Grenzsicherung setzt, verfolgt Abu Dhabi ein Modell regionaler Einflusszonen entlang der Küsten und Handelsrouten.
Die Ankündigung eines Referendums verschärft diese Rivalität. Sie zeigt, dass der Jemen längst nicht mehr nur ein innerstaatlicher Konflikt ist, sondern ein Schauplatz konkurrierender Machtkonzepte im arabischen Raum.
Ob das Referendum tatsächlich stattfinden kann, ist offen. Die militärische Lage ist volatil, die zivile Infrastruktur geschwächt, die Bevölkerung kriegsmüde. Doch allein die Erklärung verändert die Realität. Sie verfestigt die faktische Teilung des Landes und macht eine Rückkehr zu einem einheitlichen Jemen immer unwahrscheinlicher.
Für die Region bedeutet das mehr Instabilität, neue Frontlinien und zusätzliche Risiken für die Sicherheit im Roten Meer und entlang zentraler Handelsrouten. Der Süden Jemens hat seinen Anspruch klar formuliert. Nun beginnt die Phase, in der sich entscheidet, ob Worte zu Grenzen werden.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Brian Harrington Spier from Shanghai, China - Yemen. Aden. Maala. Aug 2013, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38879099
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 3. Januar 2026