Rabbiner rechtfertigt Diebstahl palästinensischer Oliven: Israels Militär fordert Ermittlungen

Rabbiner rechtfertigt Diebstahl palästinensischer Oliven: Israels Militär fordert Ermittlungen


Dov Lior erklärt fremdes Eigentum kurzerhand zu jüdischem Besitz. Während maskierte Extremisten palästinensische Bauern angreifen und eine amerikanische Journalistin schwer verletzen, warnen israelische Sicherheitskreise vor weiterer Eskalation.

Rabbiner rechtfertigt Diebstahl palästinensischer Oliven: Israels Militär fordert Ermittlungen
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Ein einflussreicher Rabbiner aus dem religiös-zionistischen Lager Israels hat mit einer religiösen Rechtsentscheidung die Aneignung palästinensischer Olivenernten gerechtfertigt. Dov Lior behauptet, arabische Bewohner hätten das Land niemals rechtmäßig vom jüdischen Volk erworben. Deshalb sei es Juden erlaubt, dort Oliven zu ernten. Nach einem Bericht des israelischen Senders N12 halten Militärvertreter die Erklärung für derart schwerwiegend, dass sie eine Untersuchung wegen des Verdachts der Aufstachelung empfehlen.

Die Begründung Liors ist besonders brisant. Er bestreitet palästinensischen Grundstücksbesitzern nicht aufgrund eines konkreten Eigentumsstreits ihre Rechte, sondern leitet aus einem religiösen Gebietsanspruch eine allgemeine Erlaubnis zur Aneignung ihrer Ernte ab.

Damit werden bestehende Eigentumsverhältnisse durch eine religiöse Behauptung ersetzt. Wer diesem Gedankengang folgt, benötigt weder einen Kaufvertrag noch einen gerichtlichen Eigentumsnachweis. Die Zugehörigkeit zum jüdischen Volk soll genügen, um auf fremdem Boden Ernten einzuholen.

Das ist keine gewöhnliche Auseinandersetzung über den politischen Status des Westjordanlandes. Es geht um die Frage, ob Privatpersonen sich unter Berufung auf Religion über die Eigentumsrechte anderer hinwegsetzen dürfen.

Die orthodoxe Rabbinerorganisation Tzohar widersprach Lior ausdrücklich. Ihre Vertreter erinnerten daran, dass Diebstahl gegenüber Juden und Nichtjuden gleichermaßen verboten sei. Auch sicherheitspolitische Erwägungen berechtigten Einzelpersonen nicht dazu, eigenmächtig fremdes Eigentum zu beschlagnahmen.

Brutaler Angriff auf eine amerikanische Journalistin

Die religiöse Erklärung erscheint in einer Situation, in der die Gewalt während der Olivenernte massiv zunimmt. Laut N12 hat sich die Zahl der Auseinandersetzungen im Westjordanland gegenüber der ersten Erntewoche des Vorjahres verdoppelt.

Am Freitag griffen Dutzende maskierte israelische Extremisten palästinensische Olivenbauern bei Abu Falah nordöstlich von Ramallah an. Dabei wurde auch Heidi Levine, eine erfahrene Fotojournalistin, die für die Washington Post arbeitet, schwer verletzt.

Nach ihrer Schilderung wurde sie zu Boden gestoßen und wiederholt getreten. Die Angreifer hätten ihr zudem persönliche Gegenstände und Kameraausrüstung geraubt. Levine musste medizinisch behandelt werden. Videoaufnahmen und Augenzeugenberichte dokumentieren Teile des Angriffs.

Auch im Raum Turmus Ayya wurden palästinensische Fahrzeuge angezündet. Nach Angaben von N12 waren zunächst weder wegen des Angriffs bei Abu Falah noch wegen der Brandstiftungen Festnahmen erfolgt.

Hier versagt nicht irgendein abstraktes Friedenskonzept. Hier geht es um die elementare Pflicht eines Staates, Menschen vor Gewalttätern zu schützen und Straftaten zu verfolgen.

Wer palästinensische Bauern zusammenschlägt, ihre Ernte zerstört oder Journalisten angreift, handelt nicht im Interesse israelischer Sicherheit. Solche Täter bedrohen die öffentliche Ordnung und beschädigen zugleich Israels rechtsstaatlichen Anspruch.

Besonders alarmierend sind deshalb die Einschätzungen aus den Sicherheitsbehörden. Vertreter des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet räumen laut N12 ein, dass ihnen nicht ausreichend Mittel zur Verfügung stünden, um wirksam gegen die zunehmenden Übergriffe vorzugehen.

Diskutiert wird unter anderem die erneute Anwendung administrativer Haftmaßnahmen in besonders schweren Fällen. Verteidigungsminister IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen Katz lehnt dies bislang ab. Auch eine von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu angekündigte besondere Polizeieinheit für das Westjordanland wurde dem Bericht zufolge nicht eingerichtet.

Die Sicherheitsführung sieht deshalb nicht nur gewaltbereite Täter als Problem, sondern auch politische und administrative Hindernisse bei deren Bekämpfung.

Religiöse Autorität darf keine Rechtfertigung für Gewalt sein

Die Aussagen Liors verschärfen diese Lage zusätzlich. Ein Rabbiner mit erheblichem Einfluss auf Teile des religiös-nationalistischen Milieus verleiht der Aneignung palästinensischen Eigentums eine religiöse Rechtfertigung. Das geschieht ausgerechnet in einer Situation, in der bewaffnete und maskierte Gruppen bereits Bauern angreifen.

Ob seine konkrete Erklärung strafrechtlich als Aufstachelung zu bewerten ist, müssen die zuständigen Behörden prüfen. Die politische und gesellschaftliche Verantwortung reicht jedoch über eine mögliche Strafbarkeit hinaus.

Eine religiöse Autorität kann nicht einfach Eigentumsrechte außer Kraft setzen. Eine Olive wird nicht dadurch zum rechtmäßigen Besitz eines anderen, dass ein Rabbiner ihre Ernte erlaubt.

Ebenso wenig kann sich ein Staat damit zufriedengeben, dass seine Sicherheitsbehörden Gewalt dokumentieren, während Täter unbehelligt bleiben. Die Pflicht, Menschen vor Angriffen zu schützen, gilt unabhängig von ihrer Religion und Nationalität.

Gerade Israel, das sich auf seine demokratischen und rechtsstaatlichen Institutionen beruft, muss diesen Maßstab auch gegenüber jüdischen Extremisten durchsetzen.

Die ausdrückliche Verurteilung durch andere orthodoxe Rabbiner zeigt, dass Liors Haltung keineswegs als allgemeine jüdische Rechtsauffassung gelten kann. Seine religiöse Interpretation ist umstritten, und der Vorwurf der Aufstachelung wird inzwischen innerhalb des israelischen Sicherheitsapparats ernst genommen.

Der entscheidende Punkt bleibt jedoch das Handeln des Staates. Religiöse Rechtfertigungen für die Aneignung fremden Eigentums dürfen keine faktische Straffreiheit schaffen. Wer Bauern angreift, Journalisten zusammenschlägt oder Fahrzeuge anzündet, muss mit Ermittlungen und strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Israels SicherheitStaatsräson: Bedeutung und Israels SicherheitStaatsräson meint ein grundlegendes Staatsinteresse, das als besonders wichtig für Bestand, Sicherheit oder Verantwortung eines Staates gilt. In Deutschland wird der Begriff häufig mit der Sicherheit Israels verbunden.Mehr lesen wird nicht dadurch gestärkt, dass Extremisten palästinensische Oliven stehlen. Sie wird geschwächt, wenn Gewalt und Rechtsbruch ohne wirksame Konsequenzen bleiben.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 18. Oktober 2026

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