Libanons Präsident stellt sich gegen Hisbollah und Iran: „Es ist nicht euer Land“
Joseph Aoun wirft Iran vor, Libanon als Verhandlungsmasse zu benutzen. Seine Botschaft trifft den Kern der Krise: Die Hisbollah führt einen Krieg, dessen Preis die libanesische Bevölkerung zahlt.

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Libanons Präsident Joseph Aoun hat in einem Interview mit CNN ungewöhnlich scharfe Worte gegen die HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und Iran gefunden. Seine Botschaft war klar: Libanon gehört nicht der Hisbollah, nicht Teheran und nicht den RevolutionsgardenIslamische Revolutionsgarden: Machtzentrum des iranischen RegimesDie Islamischen Revolutionsgarden sind eine mächtige militärische, politische und wirtschaftliche Organisation der Islamischen Republik Iran. Sie wurden nach der Revolution von 1979 gegründet, unterstehen dem Obersten Führer und steuern über die Quds-Einheit Irans regionales Terrornetzwerk.Mehr lesen. Aoun sagte, die Menschen seines Landes seien nicht „das Volk“ von Hisbollah-Chef Naim Qassem. Viele Libanesen hätten genug von einem Krieg, der alle paar Jahre Häuser zerstöre, Familien vertreibe und das Land erneut in Trümmer zwinge.
Damit spricht Aoun aus, was im Libanon seit Jahren viele denken, aber politisch oft nicht durchsetzen können: Die Hisbollah handelt nicht als normale politische Kraft eines Staates, sondern als bewaffneter Arm Irans. Sie entscheidet über Krieg und Ruhe, während der libanesische Staat die Folgen tragen muss. Wenn Raketen aus dem Süden abgefeuert werden, wenn IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen militärisch reagiert, wenn Dörfer geräumt, Straßen zerstört und Menschen in Angst gehalten werden, dann zahlt nicht Teheran den Preis. Dann zahlen ihn die Bewohner des Libanon.
Aoun warf Iran vor, Libanon für die eigenen Interessen zu benutzen. Besonders deutlich kritisierte er Erklärungen der Revolutionsgarden, die Libanon mit möglichen Absprachen zwischen Iran und den USA verknüpften. Für Aoun ist das unannehmbar. Seine Aussage „Es ist nicht euer Land, es ist unser Land“ trifft den Kern des Problems. Iran behandelt Libanon seit Jahren nicht als souveränen Staat, sondern als strategische Tiefe gegen Israel, als Druckmittel gegenüber Washington und als Bühne für die eigene Machtpolitik.
Auch Ministerpräsident Nawaf Salam schloss sich dieser Linie an und warf Iran vor, Zerstörung und Ruin über Libanon zu bringen. Dass Teheran den jüngsten Waffenruhe-Rahmen ablehne, beweise, dass es sich nicht um den Krieg Libanons handle, sondern um einen Krieg, der auf libanesischem Boden und auf Kosten libanesischer Bürger geführt werde.
Die Hisbollah lehnt die Waffenruhe ab
Der Streit fällt in eine entscheidende Phase. Vertreter der USA, Israels und Libanons hatten in Washington über eine Waffenruhe gesprochen. Nach Angaben des US-Außenministeriums haben Israel und Libanon einem Rahmen zugestimmt, der nur unter klaren Bedingungen greifen soll: Die Hisbollah muss ihr Feuer vollständig einstellen und ihre Kämpfer aus dem Gebiet südlich des Litani abziehen. Zudem sollen sogenannte Pilotzonen entstehen, in denen ausschließlich die libanesische Armee Kontrolle ausübt. Nichtstaatliche bewaffnete Gruppen wären dort nicht mehr geduldet.
Genau das lehnt die Hisbollah ab. Ihr Anführer Naim Qassem bezeichnete die Gespräche zwischen Israel und Libanon als Kapitulation und erklärte, große Teile des libanesischen Volkes wiesen diesen Weg zurück. Diese Behauptung ist bezeichnend. Die Hisbollah spricht im Namen des Libanon, obwohl sie gerade von dessen Präsidenten und Regierungschef offen kritisiert wird. Sie erklärt ihren bewaffneten Machtanspruch zur Stimme des Volkes, während viele Libanesen längst unter den Folgen dieser Politik leiden.
Für Israel bestätigt die Entwicklung eine zentrale Sorge. Ein Abkommen mit Beirut ist nur dann etwas wert, wenn der libanesische Staat tatsächlich die Kontrolle übernimmt. Papier allein schützt Nordisrael nicht. Wenn die Hisbollah bewaffnet bleibt, weiter südlich des Litani präsent ist und jederzeit Raketen oder Drohnen starten kann, dann bleibt jede Waffenruhe brüchig. Israel kann seinen Bürgern im Norden keine Rückkehr in Sicherheit versprechen, solange eine iranische Terrorarmee an der Grenze entscheidet, wann der nächste Angriff kommt.
Aoun setzt auf Verhandlungen, aber die Machtfrage bleibt
Aoun sagte CNN, nur Verhandlungen könnten Sicherheit für die Region bringen. Er richtete sich auch an die israelische Bevölkerung und fragte, ob sie wirklich in ewigem Krieg leben wolle. Libanon sei bereit, willens und verpflichtet zu Verhandlungen, erklärte er. Zugleich machte er deutlich, dass er Netanyahu erst nach einem erreichten Abkommen treffen werde.
Diese Haltung ist politisch verständlich. Aoun will Libanons Staatlichkeit betonen und zeigen, dass Beirut nicht einfach ein Anhängsel der Hisbollah ist. Doch genau hier liegt die offene Frage: Kann der libanesische Staat das, was er diplomatisch verspricht, auch militärisch und politisch durchsetzen? Kann die libanesische Armee wirklich alleinige Kontrolle in den Grenzgebieten übernehmen? Kann Beirut die Hisbollah aus dem Süden verdrängen? Kann eine Regierung in einem Land, das seit Jahren von der Hisbollah mitbeherrscht wird, den bewaffneten Arm Irans tatsächlich zurückdrängen?
Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, wird Israel vorsichtig bleiben. JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen hat kein Interesse an einem weiteren Krieg im Libanon, aber es kann auch keine Vereinbarung akzeptieren, die nur die Hisbollah rettet. Eine Waffenruhe darf nicht bedeuten, dass Israel stillhält, während die Terrororganisation sich neu ordnet. Sie muss bedeuten, dass die Hisbollah ihre militärische Stellung südlich des Litani verliert.
Aouns Worte sind deshalb wichtig, aber sie sind erst ein Anfang. Zum ersten Mal wird aus der libanesischen Staatsspitze sehr offen gesagt, dass Iran Libanon missbraucht und dass die Hisbollah nicht das ganze Land repräsentiert. Das ist politisch bedeutsam. Doch Worte allein verändern die Grenze nicht. Sie stoppen keine Raketen. Sie entwaffnen keine Miliz.
Für den Libanon könnte dieser Moment dennoch entscheidend werden. Wenn Aoun und Salam ihre Linie durchhalten, könnte erstmals seit Langem wieder klarer sichtbar werden, dass es im Libanon nicht nur Israel gegen Libanon gibt, sondern Libanon gegen die Besatzung seiner eigenen Politik durch Iran und Hisbollah. Genau diese Unterscheidung ist für jede echte Friedenslösung unerlässlich.
Israel kann mit einem souveränen Libanon verhandeln. Es kann aber nicht so tun, als sei die Hisbollah eine normale politische Partei, die man mit schönen Formeln einhegt. Wer Frieden will, muss zuerst klären, wer im Libanon entscheidet: der Staat oder die Miliz. Aoun hat die richtige Frage gestellt. Jetzt muss der Libanon zeigen, ob er auch die Kraft zur Antwort hat.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 6. Juni 2026