Oberstes Gericht erlaubt 100 Beter an der Klagemauer, Streit um Tempelberg eskaliert
Mitten im Krieg greift das Gericht in Sicherheitsfragen ein und erhöht die Besucherzahl an der Klagemauer. Regierung und religiöse Autoritäten reagieren scharf.

Der Oberste Gerichtshof Israels hat entschieden, die maximale Zahl der Besucher an der Klagemauer unter Kriegsbedingungen auf 100 Personen zu erhöhen. Damit wird eine bisher strengere Begrenzung gelockert, die aus Sicherheitsgründen galt.
Die Entscheidung erfolgte auf Antrag der Polizei, die ein Modell für begrenzten Zugang zu religiösen Stätten vorgeschlagen hatte. Während das Gericht für die Klagemauer grünes Licht gab, ließ es die Frage des Zugangs zum Tempelberg offen. Eine weitere Anhörung ist bereits angesetzt.
Hintergrund der Einschränkungen sind die anhaltenden Raketenangriffe. Der Zivilschutz hatte zuvor darauf hingewiesen, dass es in der Umgebung nur begrenzte Schutzräume gibt. Insgesamt können rund 100 Personen gleichzeitig Schutz finden, einschließlich Personal.
Politischer und religiöser Widerstand
Die Entscheidung löste umgehend Kritik aus. Benjamin Netanyahu warf dem Gericht vor, falsche Prioritäten zu setzen. Während Gebete eingeschränkt seien, würden gleichzeitig Proteste in Tel Aviv erlaubt.
Auch führende Rabbiner reagierten scharf. Sie kritisierten nicht nur die Entscheidung selbst, sondern auch den Zeitpunkt, da Teile des Verfahrens am Schabbat stattfanden. Die Wortwahl einzelner religiöser Autoritäten zeigte, wie tief der Konflikt reicht.
Parallel dazu meldete sich auch Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir zu Wort. Er kritisierte, dass der Tempelberg nicht Teil der Entscheidung war, und forderte eine einheitliche Regelung für alle sensiblen Orte.
Sicherheit gegen Religionsfreiheit
Im Kern geht es um eine schwierige Abwägung. Die Armee betont, dass bei Raketenalarm schnelle Evakuierungen möglich sein müssen. Besonders problematisch sind unterirdische Bereiche, die keinen ausreichenden Schutz bieten.
Das Gericht argumentiert hingegen, dass auch in Kriegszeiten religiöse Praxis ermöglicht werden muss. Es gehe darum, ein Gleichgewicht zu finden zwischen Sicherheit und grundlegenden Rechten.
Diese Spannung ist nicht neu, wird aber durch den Krieg verschärft. Jeder zusätzliche Besucher erhöht das Risiko, gleichzeitig wächst der Druck, religiöse Einschränkungen nicht dauerhaft hinzunehmen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild Pixabay
Artikel veröffentlicht am: Montag, 6. April 2026