Iran greift Golfstaaten an: Teherans Raketen treiben Israel und arabische Staaten auf dieselbe Seite


Raketen aus Iran trafen nicht nur Israel. Innerhalb weniger Tage standen auch Katar, Saudi-Arabien, Bahrain und weitere Staaten unter Beschuss. Was Teheran als Druckmittel plante, könnte sich als strategischer Fehler erweisen, der das Machtgefüge im Nahen Osten dauerhaft verändert.

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Der Krieg zwischen Israel und Iran hat innerhalb weniger Tage eine Entwicklung genommen, die noch vor wenigen Monaten kaum jemand für möglich gehalten hätte. Staaten, die politisch weit auseinanderliegen, stehen plötzlich auf derselben Seite eines militärischen Konflikts. Ausgerechnet Katar, das noch im Herbst israelische Militärschläge auf seinem Territorium erlebt hatte, befindet sich nun faktisch im selben sicherheitspolitischen Lager wie Jerusalem.

Der Grund liegt in einer Entscheidung Teherans, die in der Region zunehmend als strategischer Fehler betrachtet wird. Innerhalb der ersten Tage des Krieges feuerten iranische Streitkräfte nicht nur Raketen und Drohnen auf Israel. Auch mehrere Staaten des Golfkooperationsrates gerieten unter Beschuss. Betroffen waren die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Katar, Kuwait, Oman und Bahrain. Selbst in Richtung Türkei wurden Flugkörper registriert, bevor sie abgefangen wurden.

Damit hat Iran einen Konflikt, der ursprünglich als direkte Konfrontation mit Israel und den Vereinigten Staaten begann, zu einem regionalen Krieg ausgeweitet. Regierungen im gesamten Nahen Osten sehen sich nun mit derselben Bedrohung konfrontiert: iranischen Raketen, Drohnen und Angriffen auf zivile Infrastruktur.

Besonders bemerkenswert ist, dass Teheran nicht nur Staaten ins Visier nahm, die bereits diplomatische Beziehungen zu Israel pflegen, etwa die Emirate oder Bahrain. Auch Länder, die über Jahre hinweg eine vorsichtige Balance zwischen Kooperation mit dem Westen und guten Beziehungen zu Iran gesucht hatten, gerieten unter Beschuss. Katar und Oman gehören traditionell zu den Staaten, die versuchten, den Dialog mit Teheran aufrechtzuerhalten.

Doch iranische Raketen unterschieden nicht zwischen politischen Linien.

In mehreren Golfstaaten wurden Flughäfen, Energieanlagen und Hotels getroffen. Die Angriffe richteten sich also nicht ausschließlich gegen amerikanische Militärbasen, die in vielen dieser Länder stationiert sind, sondern auch gegen zivile Ziele. Für viele Beobachter ist klar, dass Teheran damit bewusst Druck auf die Regierungen der Region ausüben wollte. Die Hoffnung dürfte gewesen sein, Chaos zu erzeugen und die betroffenen Staaten dazu zu bewegen, Washington zu einer schnellen Beendigung der militärischen Operationen zu drängen.

Diese Strategie erinnert an ein historisches Beispiel aus dem Jahr 1991. Während des Golfkriegs ließ der irakische Machthaber Saddam Hussein Scud-Raketen auf Israel abfeuern. Militärisch hatten diese Angriffe kaum Bedeutung. Politisch verfolgte Saddam jedoch ein klares Ziel: Er wollte Israel in den Krieg hineinziehen, um die arabischen Staaten der von den Vereinigten Staaten geführten Koalition zu spalten.

Die damalige amerikanische Regierung überzeugte Israels Premierminister Jitzchak Schamir schließlich davon, nicht militärisch zu reagieren. Washington wollte verhindern, dass arabische Staaten aus der Koalition ausscheiden würden, wenn Israel aktiv in den Krieg eingreift.

Heute scheint Iran eine umgekehrte Strategie zu verfolgen. Anstatt Israel in einen Konflikt hineinzuziehen, zwingt Teheran die Golfstaaten selbst in eine Lage, in der sie Position beziehen müssen.

Die Regierungen der Region stehen damit vor einer schwierigen Entscheidung. Sie können versuchen, den Konflikt durch diplomatischen Druck auf die Vereinigten Staaten zu begrenzen, um weitere Angriffe zu vermeiden. Oder sie nähern sich Israel und den USA sicherheitspolitisch stärker an und beteiligen sich aktiv an der militärischen Auseinandersetzung mit Iran.

Bislang haben sich die meisten Staaten für eine defensive Haltung entschieden. Luftabwehrsysteme wurden aktiviert, Raketen abgefangen, und Regierungen verurteilten die iranischen Angriffe scharf. Doch eine direkte Beteiligung an militärischen Operationen gegen Iran blieb bisher aus.

Trotzdem hat sich bereits etwas Entscheidendes verändert.

Der Konflikt macht für viele Regierungen der Region deutlicher denn je, dass Israel und mehrere sunnitische Staaten vor einer gemeinsamen strategischen Herausforderung stehen. Seit Jahrzehnten argumentiert Israels Führung, dass Iran langfristig die größte Bedrohung für die Stabilität im Nahen Osten darstellt. In vielen arabischen Hauptstädten wurde diese Einschätzung öffentlich selten geteilt, auch wenn sie hinter verschlossenen Türen häufig diskutiert wurde.

Die aktuellen Angriffe könnten diese Sichtweise nun auch für die Öffentlichkeit sichtbarer machen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat genau auf diese Entwicklung immer wieder hingewiesen. In Interviews erklärte er mehrfach, dass viele Staaten der Region Iran als zentrale Gefahr betrachten, selbst wenn sie dies aus politischen Gründen nicht offen aussprechen.

Aus israelischer Perspektive entsteht dadurch eine strategische Chance. Während jahrelang über diplomatische Normalisierung zwischen Israel und arabischen Staaten diskutiert wurde, zeigt der aktuelle Konflikt eine andere Form der Annäherung. Gemeinsame Sicherheitsinteressen können politische Barrieren schneller überwinden als langwierige diplomatische Prozesse.

Nichts symbolisiert eine Normalisierung deutlicher als ein gemeinsamer militärischer Schutzraum gegen denselben Gegner.

Die Vorstellung eines regionalen Sicherheitsbündnisses zwischen Israel und arabischen Staaten wurde lange als ambitionierte Vision betrachtet. Doch die Realität des aktuellen Krieges lässt diese Idee plötzlich weniger unrealistisch erscheinen. Wenn Staaten gleichzeitig von denselben Raketen bedroht werden, entstehen neue strategische Allianzen oft schneller, als es diplomatische Gespräche allein ermöglichen würden.

Für Iran könnte genau hier das Problem liegen.

Anstatt Israel international zu isolieren, könnten die Angriffe Teherans eine Entwicklung beschleunigen, vor der die iranische Führung seit Jahren gewarnt hat: eine sicherheitspolitische Annäherung zwischen Israel und den sunnitischen Staaten des Nahen Ostens.

Sollte sich dieser Trend verstärken, könnte der aktuelle Krieg weitreichende Folgen für die gesamte Region haben. Ein engeres sicherheitspolitisches Netzwerk zwischen Israel, den Golfstaaten und den Vereinigten Staaten würde das strategische Gleichgewicht im Nahen Osten grundlegend verändern.

Was als Versuch begann, Druck auf Israel auszuüben, könnte damit langfristig das Gegenteil bewirken.

Wenn iranische Raketen Staaten zusammenschweißen, die politisch lange getrennt waren, dann könnte dieser Krieg nicht nur ein militärischer Konflikt sein. Er könnte sich als Wendepunkt in der politischen Architektur des Nahen Ostens erweisen.



Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot X

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 5. März 2026

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