Israel-nahe Miliz operiert in Hamas-Tunneln in Rafah, neue Front gegen den Terror in Gaza
Eine bewaffnete Gruppe aus Gaza greift in die Infrastruktur der Hamas ein.
Während die IDF weiter Tunnel zerstört, entsteht im Süden des Gazastreifens ein internes Machtvakuum.

Im südlichen Gazastreifen zeichnet sich eine Entwicklung ab, die das Kräfteverhältnis vor Ort verändern könnte. Laut Berichten operiert die sogenannte Abu-Shabab-Miliz inzwischen in Tunnelsystemen der Hamas in Rafah und hat damit begonnen, diese Infrastruktur gezielt zu demontieren. Der Anführer der Gruppe, Ghassan Duhine, erklärte öffentlich, man habe mit der Zerstörung der Tunnel begonnen und werde anschließend Waffenfabriken, Raketenarsenale und schließlich auch Kleinwaffen ins Visier nehmen.
Sollte sich diese Darstellung bestätigen, wäre es das erste Mal seit Beginn des Krieges, dass eine organisierte palästinensische Gruppierung innerhalb Gazas aktiv gegen die militärische Kernstruktur der Hamas vorgeht.
Die Hamas hat über Jahre hinweg ein weit verzweigtes Tunnelsystem aufgebaut, das nicht nur als Schmuggel- und Rückzugsraum dient, sondern als strategisches Rückgrat ihrer militärischen Fähigkeit gilt. In diesen unterirdischen Anlagen wurden Kämpfer bewegt, Waffen gelagert und Angriffe vorbereitet. Für Israel stellen diese Tunnel eine unmittelbare Bedrohung dar. Dass nun eine lokale Miliz behauptet, genau diese Infrastruktur zu zerstören, ist politisch wie militärisch brisant.
Die Abu-Shabab-Gruppe, benannt nach ihrem Gründer Yasser Abu Shabab, versteht sich als anti-Hamas-Bewegung. Nach dem Tod des Gründers im Dezember übernahm Duhine die Führung. Die Miliz bezeichnet sich selbst als Kraft zur Sicherung ziviler Räume und zur Verhinderung extremistischer Kontrolle. Beobachter ordnen sie als Israel-nahe ein, auch wenn offizielle israelische Stellen bislang keine formelle Zusammenarbeit bestätigt haben.
Parallel zu diesen Aktivitäten wurde bekannt, dass Mitglieder der Gruppe in Sicherheitsabläufe am wieder geöffneten Grenzübergang Rafah eingebunden sein sollen. Sollte sich diese Rolle festigen, würde das bedeuten, dass die Hamas dort zumindest teilweise an Kontrolle verliert ein empfindlicher Schlag für eine Organisation, die ihre Macht nicht nur militärisch, sondern auch administrativ ausübt.
Gleichzeitig bleibt die Lage hochgefährlich. Erst vor wenigen Tagen versuchten vier Hamas-Kämpfer, durch einen Tunnel in Rafah israelische Verteidigungslinien zu durchbrechen. Sie wurden von Soldaten der 7. Panzerbrigade gestellt und getötet. Der Vorfall zeigt, dass die Tunnel weiterhin aktiv genutzt werden entweder für koordinierte Angriffe oder als letzte Rückzugsräume versprengter Einheiten.
Die zentrale Frage lautet: Handelt es sich bei Abu Shabab um den Beginn einer echten internen Opposition gegen die Hamas oder um eine begrenzte lokale Initiative ohne langfristige Durchschlagskraft?
Seit Jahren kontrolliert die Hamas nicht nur Waffen, sondern auch Verwaltung, Polizei, Gerichte und Hilfsgüterverteilung im Gazastreifen. Wer sich offen gegen sie stellt, riskiert sein Leben. Eine Miliz, die öffentlich ankündigt, das militärische Rückgrat der Hamas zu zerschlagen, begibt sich in unmittelbare Konfrontation mit einer Organisation, die interne Rivalen traditionell brutal ausschaltet.
Sollte es Abu Shabab gelingen, Tunnel nachhaltig zu zerstören und Waffenbestände zu sichern, hätte das unmittelbare Auswirkungen auf die militärische Stabilität der Hamas. Doch ebenso wahrscheinlich ist, dass die Organisation versucht, diese Gruppe rasch zu neutralisieren entweder durch direkte Gewalt oder durch Einschüchterung der Zivilbevölkerung.
Für Israel ist jede Schwächung der Hamas-Strukturen von strategischer Bedeutung. Dennoch bleibt die Frage offen, wie tragfähig eine solche Miliz langfristig sein kann. Ohne breite gesellschaftliche Unterstützung, ohne gesicherte Finanzierung und ohne politische Perspektive droht jede anti-Hamas-Initiative im Gazastreifen zu isolieren oder in interne Machtkämpfe abzurutschen.
Die Entwicklung in Rafah zeigt vor allem eines: Die Machtbalance im Gazastreifen ist nicht statisch. Während internationale Vermittler über Waffenruhe, Entmilitarisierung und technokratische Verwaltungsgremien sprechen, entstehen auf dem Boden neue Realitäten. Wenn sich bewaffnete Gruppen innerhalb Gazas gegen die Hamas stellen, könnte das entweder der Anfang einer inneren Neuordnung sein oder der Auftakt zu einer weiteren Eskalation.
Fest steht: Solange die Hamas bewaffnet bleibt, bleibt auch die Bedrohung bestehen. Und jede Bewegung, die dieses Arsenal ins Visier nimmt, verändert die strategische Lage. Ob daraus ein nachhaltiger Wandel entsteht oder nur ein weiterer blutiger Konflikt innerhalb Gazas, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot/Facebook/Ghassan Duhine
Artikel veröffentlicht am: Sonntag, 15. Februar 2026