Massenhafte Droh-SMS an Israelis, iranische Einschüchterungskampagne nach dem Zwölf-Tage-Krieg
Hunderttausende Israelis erhalten nahezu identische Drohnachrichten aus dem Ausland. Experten und Behörden sprechen von psychologischer Kriegsführung aus Iran Ziel ist nicht Schaden, sondern Angst.

Am Samstagnachmittag erreichte viele Israelis eine beunruhigende SMS. Absender war scheinbar eine britische Telefonnummer, der Inhalt auf Englisch bewusst knapp und suggestiv: „We are coming. Look at the sky at midnight.“ Eine offene Drohung, die bei vielen Empfängern sofort Erinnerungen an die Raketenangriffe während des Zwölf-Tage-Krieges gegen Iran wachrief.
Es ist nicht die erste derartige Nachricht. Bereits wenige Tage zuvor hatten Tausende Israelis SMS erhalten, in denen ihnen mitgeteilt wurde, dies sei ihre „letzte Chance, sich zu retten“. In einigen Fällen enthielten die Nachrichten sogar persönliche Daten wie die israelische Identifikationsnummer - ein gezielter Versuch, Verunsicherung zu erzeugen und staatliche Kontrollfähigkeit infrage zu stellen.
Zusammenhang mit iranischen Hackeraktivitäten
Die aktuelle Welle steht nach Einschätzung von Sicherheitsexperten in direktem Zusammenhang mit jüngsten Cyberangriffen auf israelische Persönlichkeiten. Betroffen waren unter anderem der Stabschef im Büro des Ministerpräsidenten sowie ehemalige Regierungsmitglieder. Die iranische Hackergruppe „Handala“ reklamierte diese Angriffe öffentlich für sich und veröffentlichte angeblich erbeutetes Material.
Der Sicherheitschef des Cyberunternehmens Check Point erklärte gegenüber israelischen Medien, das Muster sei eindeutig. Nach jeder behaupteten „Enthüllung“ folge eine massenhafte Verbreitung von Droh-SMS. Die Telefonnummern dienten lediglich als Tarnung und wechselten ständig. Ziel sei es nicht, reale Angriffe anzukündigen, sondern das Sicherheitsgefühl in Israel gezielt zu untergraben.
Staatliche Einschätzung: Psychologischer Krieg
Auch das Nationale Cyberdirektorat Israels reagierte rasch und eindeutig. In einer offiziellen Stellungnahme hieß es, es handle sich um nichts weiter als einen Versuch, Panik in der Bevölkerung zu erzeugen. Weder seien Mobiltelefone kompromittiert worden, noch habe es Zugriffe auf private Accounts gegeben. Technisch handele es sich um eine breit gestreute Spam-Kampagne mit politischer Absicht.
Die Behörde rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Man solle die Nachrichten ignorieren, den Absender blockieren und die SMS nicht weiterverbreiten. Gerade die Weiterleitung in sozialen Netzwerken spiele den Urhebern in die Hände. Wer unsicher sei, könne sich an die nationale Hotline wenden.
Teil eines größeren Musters
Die Droh-SMS sind kein isoliertes Ereignis, sondern Teil eines bekannten iranischen Vorgehens. Seit Jahren setzt Teheran neben militärischen und terroristischen Stellvertretern auf digitale Einschüchterung. Cyberangriffe, Desinformationskampagnen und psychologische Operationen gehören fest zum Arsenal der Islamischen Republik.
Nach dem militärischen Schlagabtausch der vergangenen Wochen versucht Iran offenbar, zumindest auf der Bewusstseinsebene Wirkung zu erzielen. Die Botschaft ist klar: Wir sind präsent, wir beobachten euch, wir können euch erreichen. Dass diese Botschaft technisch hohl ist, macht sie aus Sicht der Urheber nicht wertlos. Angst entsteht nicht durch Fakten, sondern durch Andeutungen.
Keine neue Bedrohungslage
Sicherheitskreise betonen, dass sich an der realen Bedrohungslage nichts geändert hat. Es gibt keine Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Angriff. Die SMS sind kein Vorbote militärischer Aktionen, sondern ein Versuch, den Alltag zu stören und Vertrauen in staatliche Schutzmechanismen zu beschädigen.
Gerade deshalb rufen Experten zur Gelassenheit auf. Der Zweck solcher Kampagnen besteht darin, Menschen dazu zu bringen, sich ständig bedroht zu fühlen - selbst dann, wenn objektiv keine neue Gefahr besteht. Wer die Nachricht ignoriert, entzieht der Kampagne ihre Wirkung.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot X
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 10. Januar 2026