Israel erkundigt sich nach Starlink im Iran, Internet-Blackout rückt Satellitennetze in den Fokus
Während das iranische Regime den Internetzugang nahezu vollständig kappt, prüft Jerusalem informell, ob Satelliteninternet als Ausweg dienen könnte. Gespräche mit dem Umfeld von Elon Musk zeigen, wie nervös Teheran geworden ist.

Mitten in den landesweiten Protesten und dem nahezu vollständigen Internetausfall im Iran ist erstmals bekannt geworden, dass ein Vertreter der israelischen Regierung nach der Einsatzfähigkeit von Starlink im Land gefragt hat. Nach Angaben aus dem Umfeld des Vorgangs wandte sich der stellvertretende Minister im Büro des Ministerpräsidenten, Almog Cohen, in dieser Woche an den israelisch-amerikanischen Unternehmer Dovi Frances. Die zentrale Frage lautete, ob das Satelliteninternet Starlink trotz der staatlichen Blockaden im Iran funktionsfähig sei.
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Internet-Beobachtungsdienste meldeten am Donnerstag einen massiven digitalen Blackout in Teheran und zahlreichen weiteren Landesteilen. Mobilfunk und Festnetz brachen großflächig zusammen, während die Proteste gegen das Regime weiter eskalierten. Satelliteninternet gilt in solchen Situationen als eines der wenigen Mittel, staatliche Zensur zu umgehen.
Frances bestätigte, dass es zu dem Kontakt mit Cohen kam. Zudem sprach er nach eigenen Angaben auch mit Elon Musk, dessen Unternehmen SpaceX Starlink betreibt. Über den Inhalt dieses Gesprächs oder mögliche Konsequenzen wollte Frances keine Details nennen. Aus israelischen Regierungskreisen gibt es bislang keine offizielle Stellungnahme.
Satelliteninternet als strategische Frage
Starlink steht seit Jahren im Fokus autoritärer Staaten, weil das System theoretisch Kommunikationskanäle ermöglicht, die sich staatlicher Kontrolle entziehen. Genau deshalb warnt Teheran seit längerem vor der Nutzung entsprechender Endgeräte und versucht, deren Einfuhr und Betrieb zu unterbinden. Der Einsatz von Starlink erfordert spezielle Bodenstationen, deren Besitz im Iran als Straftat gilt.
Dennoch taucht das Thema bei jeder größeren Protestwelle erneut auf. Bereits in früheren Krisen hatte Musk öffentlich erklärt, Starlink für den Iran freigeschaltet zu haben. Ob und in welchem Umfang dies tatsächlich nutzbar war, blieb unklar. Fest steht jedoch, dass allein die Möglichkeit das Regime in Teheran alarmiert.
In den vergangenen 24 Stunden forderten erneut iranische Aktivisten im Exil, Musk solle helfen, die digitale Isolation des Landes zu durchbrechen. Der Internetzugang ist für die Protestbewegung ein zentrales Instrument, um Aktionen zu koordinieren und Bilder von Repression nach außen zu tragen.
Kein offizielles Eingreifen bestätigt
Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass Israel aktiv an einer Bereitstellung von Starlink-Zugang im Iran beteiligt war oder ist. Auch ob Musks Unternehmen während des aktuellen Blackouts technische Schritte unternommen hat, ist öffentlich nicht bestätigt. Die Nachfrage aus Jerusalem zeigt jedoch, wie genau die Entwicklungen beobachtet werden.
Der Vorgang unterstreicht zudem die wachsende Bedeutung digitaler Infrastruktur als politischer und sicherheitspolitischer Faktor. Internetabschaltungen sind längst kein rein innenpolitisches Instrument mehr, sondern Teil eines Machtkampfs, der internationale Akteure, Technologieunternehmen und Regierungen einbezieht.
Für das iranische Regime ist der flächendeckende Blackout ein Versuch, Kontrolle zurückzugewinnen. Dass parallel dazu über Satelliteninternet gesprochen wird, zeigt jedoch die Grenzen dieser Strategie. Je länger die Proteste andauern, desto größer wird der Druck, alternative Kommunikationswege zu finden.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Wikideas1 - Own work rendered with Blender and a model from Sketchfab (CC-BY-4.0)https://sketchfab.com/3d-models/starlink-spacex-satellite-0a60f6720c5141c9a1c6d71aac108b31Earth model I made in Blender (PD, based on NASA data)https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Earth_Blender_render_4_transparent_background.png, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=165132848
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 9. Januar 2026