Fehlalarm im Norden, echte Bedrohung im Hintergrund
Kurzzeitige Entwarnung im Kibbuz Bar’am, doch die Lage an Israels Nordgrenze bleibt angespannt. Ein Fehlalarm löste am Morgen Unruhe aus, wenig später griff die israelische Luftwaffe erneut Ziele der Hisbollah im Südlibanon an

Am Freitagmorgen schrillten im Kibbuz Bar’am im oberen Galiläa die Sirenen. Für die Bewohner eine vertraute, aber dennoch alarmierende Situation. Wenige Minuten später teilte die israelische Armee mit, dass es sich um eine Fehlalarmierung gehandelt habe. Ein Abfangjäger war gestartet worden, nachdem ein verdächtiges Objekt identifiziert worden war. Nach ersten Erkenntnissen handelte es sich nicht um eine Rakete oder Drohne, sondern um Vögel, die das System ausgelöst hatten.
Die Entscheidung, dennoch einen Abfangjäger zu starten, folgte nach Angaben des Militärs den geltenden Einsatzrichtlinien. In einer Region, die über Monate hinweg täglich unter Raketen- und Drohnenbeschuss stand, wird jeder Verdacht ernst genommen. Die Sirenen waren real, die Angst ebenfalls, auch wenn sich der konkrete Vorfall als harmlos erwies.
Ein mit der Hisbollah verbundener Funktionär beeilte sich, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters jede Beteiligung zurückzuweisen. Man habe mit dem Vorfall nichts zu tun. Solche Dementis sind Teil eines bekannten Musters. Sie ändern nichts an der strategischen Realität entlang der Grenze.
Denn während der Fehlalarm schnell aufgeklärt wurde, folgte wenig später eine reale militärische Antwort Israels. Die israelische Luftwaffe griff mehrere Ziele im Südlibanon an. Darunter befand sich ein Trainingsgelände der Radwan-Einheit, der Elitekraft der Hisbollah. Zusätzlich wurden militärische Gebäude attackiert, die nach Angaben der Armee zur Lagerung von Waffen und zur Ausbildung von Kämpfern genutzt wurden.
Das Militär erklärte, die Angriffe seien Teil der fortlaufenden Durchsetzung der Vereinbarungen zwischen Israel und dem Libanon. Die Existenz bewaffneter Infrastruktur, laufende Trainingsaktivitäten und Schießübungen der Hisbollah stellten eine klare Verletzung dieser Abmachungen dar und eine unmittelbare Bedrohung für Israel. Aus israelischer Sicht ist die Lage eindeutig. Jede militärische Vorbereitung der Hisbollah südlich des Litani-Flusses ist inakzeptabel.
Seit Inkrafttreten der Waffenruhe Ende November 2024 ist es im Norden Israels deutlich ruhiger geworden. Die Sirenen, die über Monate hinweg zum Alltag gehörten, sind selten geworden. Doch Ruhe bedeutet keine Entwarnung. Die Präsenz der Radwan-Einheiten, ihre Ausbildungsstätten und ihre Waffenlager zeigen, dass die Hisbollah nicht abrüstet, sondern ihre Fähigkeiten erhält.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Von Dr. Avishai Teicher Pikiwiki Israel, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28814936
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 2. Januar 2026