Schlag auf Ahmadinedschad ließ Irans Ex-Präsident verschwinden
Zu Beginn des Krieges galt der frühere Präsident Irans als getötet. Neue Berichte zeichnen ein anderes Bild: Der Angriff könnte ihm sogar die Flucht aus der Kontrolle des Regimes ermöglicht haben.

Der frühere iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad könnte noch am Leben sein. Neue Berichte legen nahe, dass der israelisch-amerikanische Luftangriff zu Beginn des Krieges nicht zu seinem Tod führte, sondern ihm möglicherweise sogar die Flucht aus der Kontrolle des Regimes ermöglichte.
Zu Beginn der militärischen Operationen gegen Iran verbreiteten sich Berichte, Ahmadinedschad sei bei einem Angriff nahe seiner Residenz in Teheran getötet worden. Spätere Informationen stellen diese Darstellung nun infrage. Vertraute des ehemaligen Präsidenten behaupten, er habe den Angriff überlebt und sei seitdem untergetaucht.
Demnach trafen die Raketen ein Gebäude in der Nähe seines Hauses im nordöstlichen Teheraner Stadtteil Narmak. Mehrere seiner Leibwächter sollen dabei getötet worden sein. In dem Chaos nach dem Angriff gelang es Ahmadinedschad und seiner Familie offenbar, sich abzusetzen und aus dem direkten Zugriff der Sicherheitsapparate zu entkommen.
Vom Präsidenten zum Risiko für das Regime
Mahmoud Ahmadinedschad regierte Iran von 2005 bis 2013. Während seiner Amtszeit galt er als einer der aggressivsten Vertreter der islamischen Republik auf internationaler Bühne. Unter seiner Führung verschärfte sich der Konflikt mit dem Westen, insbesondere wegen des iranischen Atomprogramms.
Doch nach dem Ende seiner Präsidentschaft veränderte sich seine Rolle innerhalb des Systems. Der Machtapparat begann, ihn zunehmend zu marginalisieren. Der sogenannte Wächterrat, ein nicht gewähltes Gremium religiöser Hardliner, verhinderte mehrfach seine Rückkehr in das Präsidentenamt und verbot ihm Kandidaturen bei den Wahlen 2017, 2021 und erneut 2024.
Mit den Jahren wurde Ahmadinedschad immer offener zum Kritiker des Systems, das ihn einst getragen hatte. Beobachter berichten, dass er öffentlich Entscheidungen der Führung infrage stellte und sogar Sympathie für Teile der früheren iranischen Monarchie äußerte. Damit überschritt er eine rote Linie in der politischen Kultur der Islamischen Republik.
Aus Sicht der Machthaber wurde er dadurch zu einem gefährlichen Insider. Als ehemaliger Präsident kennt er die Funktionsweise des Regimes, seine Netzwerke und seine Schwächen sehr genau. Genau dieses Wissen machte ihn zu einer Figur, die man weder völlig ausschalten noch frei agieren lassen wollte.
Unter Beobachtung des eigenen Systems
Nach den massiven Protesten im Iran zu Beginn des Jahres verschärfte die Führung die Kontrolle über zahlreiche politische Figuren. Auch Ahmadinedschad geriet stärker unter Aufsicht. Seine Bewegungsfreiheit wurde eingeschränkt, seine Telefone sollen konfisziert worden sein, und ein großes Team von Sicherheitskräften überwachte ihn rund um die Uhr.
Vor diesem Hintergrund wirkt der Luftangriff wie ein unerwarteter Wendepunkt. Was ursprünglich als militärische Operation gedacht war, könnte unbeabsichtigt ein Schlupfloch geschaffen haben.
Beobachter sprechen deshalb von einer paradoxen Situation. Ein Angriff, der eigentlich eine prominente Figur des Regimes treffen sollte, könnte stattdessen dazu geführt haben, dass diese Figur plötzlich außerhalb der direkten Kontrolle des Systems agiert.
Ein Mann mit zu viel Wissen
Wo sich Ahmadinedschad derzeit befindet, ist unklar. Berichten zufolge kennt selbst die iranische Führung seinen Aufenthaltsort nicht. Öffentlich hat er sich seitdem nur selten geäußert. Zu den wenigen bekannten Botschaften gehört eine kurze Gratulation an Mojtaba Khamenei, der nach dem Tod seines Vaters die Führung des Landes übernommen hat.
Die Unsicherheit über seinen Verbleib unterstreicht eine der größten Schwächen autoritärer Systeme: ehemalige Insider. Sie wissen, wie Macht funktioniert, wer Entscheidungen trifft und wo die empfindlichen Stellen liegen.
Genau deshalb gilt Ahmadinedschad bis heute als politisches Risiko. Ein ehemaliger iranischer Minister formulierte es einmal drastisch: Man könne ihn nicht einfach beseitigen, ohne dass das ganze Gebäude ins Wanken gerate.
Ob der frühere Präsident tatsächlich frei agiert oder sich lediglich im Schatten der Ereignisse verborgen hält, bleibt unklar. Sicher ist nur eines: Der Mann, der einst als Symbol der iranischen Hardliner galt, ist heute selbst Teil der Unsicherheit, die das Regime umgibt.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Marcello Casal, Jr. - Agência Brasil: Gallery, Direct, CC BY 3.0 br, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26365496
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 12. März 2026