Iran verweigert politischen Gefangenen medizinische Hilfe in kurdischen Gefängnissen
Berichte aus dem Nordwesten Irans zeichnen ein alarmierendes Bild der Lage politischer Häftlinge. Nach den militärischen Angriffen gegen das Regime verschärfen die Behörden offenbar ihre Kontrolle über Gefängnisse.

In mehreren Gefängnissen der kurdischen Regionen Irans verschärfen die Behörden derzeit die Sicherheitsmaßnahmen und verweigern gleichzeitig kranken politischen Gefangenen medizinische Behandlung. Menschenrechtsorganisationen berichten von zunehmenden Repressionen gegen Häftlinge, während die Führung in Teheran offenbar versucht, jede Form von Unruhe im Inneren des Landes zu unterdrücken.
Nach Angaben des Kurdistan Human Rights Network wurden in zahlreichen Haftanstalten zusätzliche Sicherheitskräfte stationiert. Gleichzeitig seien Bewegungsfreiheit und Kontakte der Gefangenen stark eingeschränkt worden. Besonders besorgniserregend ist der Vorwurf, dass selbst schwer kranke Häftlinge keine medizinische Versorgung erhalten.
Ein besonders drastischer Fall betrifft den politischen Gefangenen Sajjad Molaei, einen Angehörigen der aserbaidschanisch türkischen Minderheit. Er sitzt im politischen Trakt des Zentralgefängnisses von Orumiyeh. Quellen zufolge erlitt er Ende Februar einen Herzinfarkt, nachdem er vom militärischen Angriff auf iranische Ziele erfahren hatte und sich Sorgen um seine Familie machte.
Berichten zufolge verlor Molaei das Bewusstsein und blieb mehrere Stunden ohne medizinische Hilfe. Erst später wurde er in ein Krankenhaus gebracht. Dort soll jedoch nur eine oberflächliche Untersuchung erfolgt sein. Obwohl weiterhin Symptome eines Herzinfarkts bestanden, wurde er anschließend wieder in das Gefängnis zurückgebracht und befindet sich seitdem unter schlechten gesundheitlichen Bedingungen in Haft.
Der Gefangene war im vergangenen Jahr verurteilt worden, nachdem er in sozialen Netzwerken Beiträge veröffentlicht hatte. Ein Gericht sprach ihn unter anderem wegen angeblicher Beleidigung des iranischen Machthabers sowie wegen Propaganda gegen den Staat schuldig. Zusätzlich wurde ihm vorgeworfen, durch seine Online Aktivitäten die Position Israels zu stärken.
Während sich die militärische Lage im Land verschärft, berichten Menschenrechtsgruppen auch von chaotischen Zuständen in verschiedenen Gefängnissen. In mehreren Städten der kurdischen Regionen wurden politische Gefangene offenbar vorübergehend auf Kaution freigelassen. Dazu gehören Haftanstalten in Orumiyeh, Mahabad, Salmas, Sanandaj und weiteren Städten im Nordwesten des Landes.
Die Gründe für diese Freilassungen sind unklar. Beobachter vermuten, dass die Behörden verhindern wollten, dass Gefangene während der militärischen Angriffe verletzt oder getötet werden. Mehrere Gefängnisse liegen in der Nähe von Einrichtungen der Revolutionsgarden oder anderer Sicherheitsorgane, die zu den Hauptzielen der Luftangriffe gehören.
Trotz dieser Maßnahmen bleibt das Schicksal vieler Demonstranten ungewiss. Besonders junge Menschen, die während der Proteste im Januar festgenommen wurden, sind weiterhin in Haft. Menschenrechtsorganisationen berichten, dass ihre Aufenthaltsorte teilweise unbekannt sind.
Auch in anderen Gefängnissen kam es zu Spannungen. Nachdem eine militärische Einrichtung der Revolutionsgarden in der Nähe des Gefängnisses von Mahabad angegriffen worden war, begannen Insassen gegen ihre Haftbedingungen zu protestieren. Gefangene setzten Berichten zufolge Decken in Brand und forderten bessere Behandlung sowie mehr Sicherheit.
Die Reaktion der Behörden fiel hart aus. Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, um die Proteste zu beenden. Anschließend wurden mehrere kurdische Gefangene in andere Haftanstalten verlegt.
Parallel dazu sollen Behörden politische Gefangene im berüchtigten Evin Gefängnis in Teheran gewarnt haben, dass Sicherheitskräfte künftig mit scharfer Munition auf Aufstände reagieren könnten. Diese Drohung zeigt, wie angespannt die Lage innerhalb der Gefängnisse ist.
Die Entwicklung verdeutlicht eine zentrale Schwäche autoritärer Systeme in Zeiten politischer und militärischer Krise. Während die Führung versucht, äußere Konflikte zu kontrollieren, wächst gleichzeitig die Angst vor inneren Unruhen.
Gerade in Regionen mit ethnischen Minderheiten wie Kurdistan betrachtet das Regime jede Form von Protest als potenzielle Bedrohung für seine Stabilität. Die verschärften Maßnahmen in den Gefängnissen könnten daher auch ein Versuch sein, mögliche Protestbewegungen bereits im Keim zu ersticken.
Für viele politische Gefangene bedeutet dies jedoch eine noch gefährlichere Situation. Ohne medizinische Versorgung und unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen wird ihre Lage zunehmend prekär.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Bob Jagendorf - https://www.flickr.com/photos/bobjagendorf/5685335098/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29550813
Artikel veröffentlicht am: Samstag, 7. März 2026