Millionen Aserbaidschaner im Iran kämpfen gegen ein Regime, das ihre Identität auslöschen will


Im Schatten des Atomkonflikts wächst ein innerer Widerstand gegen Teheran. Millionen Menschen fordern ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Würde zurück und entlarven die Schwäche eines Systems, das Vielfalt als Bedrohung sieht.

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Während die Welt auf Irans Atomprogramm und seine militärischen Ambitionen blickt, spielt sich im Inneren der Islamischen Republik ein anderer, ebenso bedeutender Konflikt ab. Millionen ethnische Aserbaidschaner, die im Nordwesten des Landes leben, kämpfen seit Jahrzehnten gegen ein System, das ihre Identität systematisch unterdrückt. Zwei neue öffentliche Appelle aserbaidschanischer Organisationen machen diese Realität sichtbar und richten eine klare Botschaft sowohl an ihre eigene Bevölkerung als auch an die internationale Gemeinschaft. Sie zeigen ein Regime, das nicht nur seine Nachbarn bedroht, sondern auch seine eigenen Bürger zum Schweigen bringen will.

Schätzungen zufolge leben zwischen 25 und 30 Millionen ethnische Aserbaidschaner im Iran. Damit stellen sie die größte nicht persische Bevölkerungsgruppe des Landes. Trotz ihrer Größe und ihrer tiefen historischen Wurzeln werden sie politisch marginalisiert und kulturell eingeschränkt. Im Zentrum der Kritik steht die Unterdrückung ihrer Sprache. Aserbaidschanisch darf nicht als Unterrichtssprache in Schulen verwendet werden. Kinder wachsen in einem Bildungssystem auf, das ihre Muttersprache ignoriert und ihre kulturelle Identität aus dem öffentlichen Leben verdrängt. Wer versucht, diese Sprache zu fördern oder kulturelle Aktivitäten zu organisieren, riskiert Überwachung, Verhaftung oder Haft.

Diese Politik ist kein Zufall, sondern Teil einer Strategie. Die Führung in Teheran sieht kulturelle Vielfalt nicht als Stärke, sondern als Gefahr. Eine eigenständige Identität könnte politische Forderungen nach mehr Rechten oder Autonomie nach sich ziehen. Deshalb versucht das Regime, diese Identität zu kontrollieren und zu schwächen. Aktivisten werden unter dem Vorwurf der Gefährdung der nationalen Sicherheit festgenommen, obwohl sie friedlich für kulturelle Rechte eintreten. Diese Praxis zeigt, dass der iranische Staat seine Macht nicht nur durch militärische Stärke, sondern auch durch kulturelle Kontrolle sichert.

Die jüngsten Appelle gehen jedoch über die Beschreibung von Unterdrückung hinaus. Sie richten sich direkt an die Vereinigten Staaten und fordern Unterstützung für grundlegende Rechte wie Bildung in der eigenen Sprache und politische Repräsentation. Diese Forderung basiert auf einer klaren Argumentation. Ein Staat, der seine eigenen Bürger unterdrückt, kann keine stabile Rolle in der internationalen Gemeinschaft spielen. Die interne Repression und die aggressive Außenpolitik sind zwei Seiten derselben Ideologie. Ein Regime, das im Inneren keine Vielfalt zulässt, wird auch nach außen keine Toleranz zeigen.

Für Israel ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Der Iran präsentiert sich nach außen als starke und geschlossene Macht, doch die Realität im Inneren ist komplexer. Die Unzufriedenheit großer Bevölkerungsgruppen zeigt, dass das System nicht so stabil ist, wie es erscheinen will. Diese inneren Spannungen beeinflussen auch die strategische Lage in der Region. Ein Regime, das unter Druck steht, kann versuchen, durch aggressive Außenpolitik von internen Problemen abzulenken.

Gleichzeitig zeigt der Widerstand der aserbaidschanischen Bevölkerung, dass der Wunsch nach Freiheit und kultureller Selbstbestimmung stärker ist als staatliche Repression. Ihre Forderungen sind nicht gewaltsam, sondern basieren auf universellen Prinzipien von Menschenrechten und kultureller Würde. Sie verlangen nicht die Zerstörung des Staates, sondern die Anerkennung ihrer Existenz innerhalb dieses Staates.

Diese Stimmen aus dem Iran erinnern daran, dass der Konflikt mit Teheran nicht nur eine Auseinandersetzung zwischen Staaten ist. Er ist auch ein Konflikt zwischen einem Regime und den Menschen, die unter ihm leben. Millionen Aserbaidschaner fordern nichts anderes als das Recht, sie selbst zu sein. Ihre Forderung stellt die Grundlage des Systems infrage, das auf Kontrolle und Uniformität beruht.

Die Zukunft dieser Bewegung ist ungewiss. Doch eines ist bereits klar. Die Realität im Iran ist nicht so monolithisch, wie das Regime es darstellt. Hinter der Fassade der Stärke wächst ein Druck, der das Land langfristig verändern könnte. Für Israel und die Welt ist es entscheidend, diese Realität zu verstehen. Denn die Stabilität des Iran wird nicht nur durch seine Waffen bestimmt, sondern durch die Loyalität seiner eigenen Bevölkerung.



Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Khamenei.ir, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=141074394

Artikel veröffentlicht am: Dienstag, 17. Februar 2026

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