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Teheran holt ausländische Milizen ins Land und zeigt die Angst der Macht


Während die Proteste in Iran an Intensität gewinnen, greift das Regime zu einem drastischen Mittel. Bewaffnete Milizionäre aus dem Ausland sollen helfen, die eigene Bevölkerung unter Kontrolle zu bringen. Gleichzeitig verschärft die Militärführung den Ton gegenüber Israel und den USA.

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Iran erlebt dieser Tage eine der tiefsten inneren Erschütterungen seit Jahren. Die Proteste, die sich aus sozialen und wirtschaftlichen Spannungen speisen, haben sich längst zu einer offenen Herausforderung für die Führung in Teheran entwickelt. Nun verdichten sich Berichte, wonach das Regime nicht mehr allein auf eigene Sicherheitskräfte vertraut. Stattdessen sollen ausländische schiitische Milizen aus dem Irak in das Land gebracht worden sein, um beim brutalen Vorgehen gegen Demonstrierende zu helfen.

Nach Angaben oppositioneller Quellen wurden bereits mehrere Hundert irakische Kämpfer nach Iran verlegt. Sie stammen demnach aus bekannten proiranischen Gruppierungen wie Kataib Hisbollah, Harakat al Nujaba, der Badr Organisation und weiteren Milizen, die seit Jahren eng mit den Revolutionsgarden verflochten sind. Die Verlegung soll unter dem Deckmantel religiöser Pilgerfahrten erfolgt sein, offiziell mit dem Ziel der heiligen Stadt Mashhad. Tatsächlich, so der Bericht, würden die Kämpfer zunächst in militärnahen Einrichtungen im Südwesten des Landes gesammelt und anschließend in verschiedene Krisenregionen entsandt.

Sollte sich diese Information bestätigen, wäre das ein Schritt von enormer innenpolitischer Tragweite. Ein Staat, der fremde bewaffnete Kräfte ins Land holt, um Proteste niederzuschlagen, sendet ein klares Signal. Das Vertrauen in die Loyalität oder Einsatzfähigkeit der eigenen Sicherheitsapparate ist erschüttert. Die Angst vor Kontrollverlust ist real.

Internationale Menschenrechtsorganisationen berichten von mindestens 36 Toten und über 2000 Festnahmen seit Beginn der Proteste. Die Gewalt richtet sich nicht nur gegen politische Aktivisten, sondern auch gegen Arbeiter, Studierende und Jugendliche. Videos aus verschiedenen Landesteilen zeigen scharfe Munition, Schläge und Massenverhaftungen. Das Regime spricht von Unruhen. Die Bevölkerung erlebt Repression.

Parallel zur inneren Eskalation verschärft die militärische Führung Irans ihre Rhetorik nach außen. Der Oberbefehlshaber der regulären Streitkräfte, Amir Hatami, erklärte, Proteste seien zwar grundsätzlich normal, würden jedoch zur Gefahr, wenn sie in Chaos umschlügen. Verantwortlich dafür machte er nicht soziale Missstände, sondern äußere Feinde.

Namentlich verwies er auf die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump und auf Israel unter Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Beide, so Hatami, versuchten, die Lage im Land zu manipulieren. Seine Drohung war unmissverständlich. Sollte ein Fehler begangen werden, werde die Antwort hart sein, und die Hand jedes Angreifers werde abgeschlagen.

Aus israelischer Sicht ist diese Rhetorik vertraut, aber in ihrer Schärfe dennoch ernst zu nehmen. Immer dann, wenn Teheran innenpolitisch unter Druck gerät, versucht das Regime, die Aufmerksamkeit nach außen zu lenken. Israel wird dabei regelmäßig zum Feindbild stilisiert, um nationale Geschlossenheit zu erzwingen.

Zusätzlich kursieren in iranischen Staatsmedien derzeit abenteuerliche Behauptungen. Nach einer US Operation in Venezuela, bei der Präsident Nicolás Maduro festgesetzt worden sein soll, wird in Teheran offen darüber spekuliert, ob Washington und Jerusalem ähnliche Schritte gegen iranische Führungspersönlichkeiten planen. Diese Narrative dienen weniger der Information als der Mobilisierung von Angst.

Sogar der oberste religiöse Führer, Ali Khamenei, wird in Predigten als potenzielles Ziel ausländischer Pläne dargestellt. Geistliche rufen öffentlich zu Gebeten für sein Leben auf. Ein Zeichen dafür, wie sehr sich Unsicherheit und Paranoia in den oberen Machtkreisen ausbreiten.

Die mögliche Entsendung irakischer Milizionäre ist dabei mehr als ein taktischer Schritt. Sie ist ein politisches Eingeständnis. Iran hat in der Region ein weitverzweigtes Netz von Stellvertretern aufgebaut, von Libanon bis Jemen. Dieses Netzwerk nun gegen die eigene Bevölkerung einzusetzen, offenbart den Ernst der Lage.

Historisch ist dieser Schritt hochsensibel. Viele Iraner erinnern sich an den Iran Irak Krieg der achtziger Jahre. Dass nun erneut bewaffnete Iraker auf iranischem Boden operieren könnten, weckt alte Traumata und verstärkt die Wut vieler Demonstrierender. Schon frühere Einsätze ausländischer Kräfte im Inneren hatten massive Kritik ausgelöst.

Für Israel und den Westen ist die Situation komplex. Einerseits zeigt die Härte des Regimes, wie wenig Spielraum für Dialog bleibt. Andererseits erhöht jede Eskalation nach außen das Risiko eines regionalen Flächenbrands. Der zwölf Tage Krieg im Juni hat gezeigt, wie schnell gezielte Schläge in offene Konfrontation umschlagen können.

Was derzeit in Iran geschieht, ist kein isoliertes Ereignis. Es ist Teil einer größeren Entwicklung. Ein Regime, das sich von der eigenen Bevölkerung entfremdet hat, klammert sich an Machtinstrumente, Drohungen und Gewalt. Die Entsendung fremder Milizen ist dabei ein besonders drastisches Zeichen.

Die kommenden Tage werden zeigen, ob diese Strategie aufgeht. Doch eines ist bereits jetzt klar. Wer zu solchen Mitteln greift, hat die moralische und politische Kontrolle längst verloren.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: Par Tasnim News Agency, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47998943

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 7. Januar 2026

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