Spanien fordert Israels Ausschluss vom Eurovision und steht selbst wegen sklavenähnlicher Arbeitsbedingungen in der Kritik


Madrid will Israel vom Eurovision verbannen und beruft sich auf Moral. Gleichzeitig arbeiten im Süden Spaniens zehntausende Migranten unter Bedingungen, die seit Jahren von europäischen Institutionen und Menschenrechtsorganisationen kritisiert werden. Dieser Widerspruch stellt nicht Israel infrage, sondern Spaniens Glaubwürdigkeit.

haOlam-News.de - Nachrichten aus Israel, Deutschland und der Welt.

Spanien hat einen politischen Schritt eingeleitet, der weit über einen Musikwettbewerb hinausgeht. Der staatliche Rundfunk RTVE forderte offiziell eine Änderung der Regeln des Eurovision Song Contest, um Staaten, die sich in militärischen Konflikten befinden, von der Teilnahme auszuschließen. Auch wenn der Name Israel in der formalen Begründung nicht ausdrücklich genannt wurde, ist der Kontext eindeutig. Israel ist das einzige Land, dessen Teilnahme derzeit aktiv bekämpft wird. RTVE Präsident José Pablo López erklärte, es gehe darum zu verhindern, dass Staaten internationale Bühnen zur politischen Legitimation während militärischer Konflikte nutzen. Damit wird ein kulturelles Ereignis gezielt in ein politisches Instrument verwandelt.

Diese Forderung erhält besonderes Gewicht, weil Spanien nicht nur seine eigene Teilnahme aussetzt, sondern aktiv versucht, die institutionellen Regeln für alle zu verändern. Länder wie Irland, die Niederlande, Slowenien und Island haben ebenfalls ihren Rückzug angekündigt. Doch Spanien geht einen Schritt weiter. Es will nicht nur fernbleiben, sondern andere ausschließen. Das ist eine neue Qualität politischer Einflussnahme auf eine kulturelle Plattform, die ursprünglich geschaffen wurde, um nach dem Zweiten Weltkrieg europäische Gesellschaften zu verbinden.

Während Madrid diesen moralischen Anspruch erhebt, existiert innerhalb Spaniens eine Realität, die seit Jahren Gegenstand internationaler Kritik ist. Besonders in der südspanischen Provinz Almería, einer der wichtigsten Agrarregionen Europas, arbeiten nach Angaben spanischer Behörden und Gewerkschaften hunderttausende Migranten in der Landwirtschaft. Die Region produziert einen erheblichen Teil des Gemüses, das in europäischen Supermärkten verkauft wird. Gleichzeitig dokumentierten Organisationen wie Human Rights Watch, Oxfam und spanische Arbeitsinspektionen wiederholt problematische Arbeitsbedingungen. Dazu gehören fehlende Arbeitsverträge, Löhne unterhalb gesetzlicher Standards und prekäre Wohnverhältnisse in informellen Siedlungen ohne grundlegende Infrastruktur.

Bereits 2019 veröffentlichte der Europarat Berichte, in denen auf strukturelle Risiken von Ausbeutung und illegaler Beschäftigung in Teilen der spanischen Landwirtschaft hingewiesen wurde. Spanische Medien wie El País und El Mundo berichteten ebenfalls wiederholt über die Situation von Saisonarbeitern, insbesondere aus Marokko und Subsahara Afrika, die unter schwierigen Bedingungen arbeiten und leben. Die spanische Regierung hat in den vergangenen Jahren Reformen angekündigt und teilweise umgesetzt, doch die Probleme sind nach Einschätzung von Arbeitsrechtlern und Gewerkschaften weiterhin nicht vollständig gelöst.

Diese Realität bedeutet nicht, dass Spanien ein Unrechtsstaat ist. Spanien ist eine Demokratie mit funktionierenden Institutionen und unabhängigen Gerichten. Doch sie zeigt, dass auch europäische Staaten mit erheblichen sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert sind. Genau deshalb wirft der Versuch, Israel aus einem internationalen Wettbewerb auszuschließen, eine grundlegende Frage auf. Nach welchen Maßstäben wird moralische Legitimität bewertet, und gelten diese Maßstäbe für alle gleichermaßen.

Israel ist eine parlamentarische Demokratie mit über neun Millionen Einwohnern. Rund zwei Millionen arabische Staatsbürger leben dort mit vollem Wahlrecht. Arabische Parteien sind im Parlament vertreten. Arabische Richter entscheiden am Obersten Gericht. Arabische Ärzte arbeiten in allen großen Krankenhäusern. Diese Realität steht im Kontrast zu dem Bild, das politische Gegner Israels häufig zeichnen.

Der Eurovision Song Contest war seit seiner Gründung im Jahr 1956 ein Symbol internationaler Zusammenarbeit. Israel nimmt seit 1973 teil und hat den Wettbewerb viermal gewonnen. Für viele Israelis ist die Teilnahme mehr als ein kulturelles Ereignis. Sie ist Ausdruck der Zugehörigkeit zur internationalen Gemeinschaft.

Die aktuelle Initiative aus Spanien stellt diese Grundidee infrage. Sie verschiebt den Wettbewerb von einer kulturellen Plattform zu einem politischen Forum. Das hat Konsequenzen, die über Israel hinausgehen. Wenn kulturelle Institutionen beginnen, Staaten auf Grundlage politischer Konflikte auszuschließen, verändert sich ihr Charakter grundlegend.

Spanien hat das Recht, politische Positionen zu vertreten und Kritik zu äußern. Doch der Anspruch, andere Staaten moralisch zu bewerten, lenkt zwangsläufig den Blick auch auf die eigene Situation. Die Glaubwürdigkeit moralischer Argumente hängt nicht nur von ihrer Formulierung ab, sondern auch davon, ob sie universell angewendet werden.

Die Entscheidung über Israels Teilnahme wird letztlich nicht in Madrid getroffen, sondern in den Gremien der Europäischen Rundfunkunion. Doch die Debatte selbst zeigt, wie stark politische Konflikte inzwischen auch kulturelle Räume prägen. Für Israel geht es dabei nicht nur um einen Wettbewerb, sondern um eine grundsätzliche Frage seiner internationalen Stellung.



Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild KI generiert

Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 26. Februar 2026

haOlam via paypal unterstützen


Hinweis: Sie benötigen kein PayPal-Konto. Klicken Sie im nächsten Schritt einfach auf „Mit Debit- oder Kreditkarte zahlen“, um per Lastschrift oder Kreditkarte zu unterstützen.

Weitere interessante Artikel

Newsletter