Polen: 40 Prozent der Bevölkerung lehnen Juden offen ab


Eine neue Untersuchung offenbart einen tiefen Wandel in der Gesellschaft. Besonders junge Menschen wenden sich zunehmend von Israel ab.

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In Polen, dem Land, auf dessen Boden einst die größte jüdische Gemeinschaft Europas lebte und später von den Nationalsozialisten fast vollständig ausgelöscht wurde, sagen heute wieder erschreckend viele Menschen offen, dass sie Juden ablehnen. Eine aktuelle Untersuchung der staatlichen Forschungsagentur CBOS zeigt, dass 40 Prozent der Polen angeben, Juden nicht zu mögen. Das ist der höchste Wert seit Jahrzehnten und markiert eine Entwicklung, die nicht als statistische Randnotiz abgetan werden darf.

Noch alarmierender ist die Gegenbewegung. Nur noch 22 Prozent der Befragten äußerten eine positive Haltung gegenüber Juden. Auch das ist ein historischer Tiefstand, der zuletzt vor zwanzig Jahren erreicht wurde. Innerhalb nur eines Jahres stieg der Anteil der ablehnenden Einstellungen um acht Prozent. Juden sind damit die Bevölkerungsgruppe, gegenüber der die stärksten negativen Gefühle bestehen.

Diese Zahlen entstehen nicht im luftleeren Raum. Polen war über Jahrhunderte ein Zentrum jüdischen Lebens. Städte wie Warschau, Krakau oder Lodz waren geprägt von jüdischer Kultur, jüdischer Religion und jüdischem Alltag. Dann kam die deutsche Vernichtung. Millionen polnischer Juden wurden ermordet. Heute leben nur noch wenige Tausend im Land. Dass ausgerechnet in einem Land, dessen jüdische Bevölkerung nahezu ausgelöscht wurde, erneut solche Einstellungen messbar sind, ist mehr als ein gesellschaftliches Problem. Es ist ein historisches Alarmsignal.

Die Umfrage zeigt auch, wie stark der Konflikt im Nahen Osten die Wahrnehmung beeinflusst. Auf die Frage nach ihrer Haltung im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern äußerten mehr Befragte Sympathie für die palästinensische Seite als für Israel. Vierzehn Prozent stellten sich auf die Seite der Palästinenser, während nur zehn Prozent ihre Sympathie für Israel angaben. Die Mehrheit blieb unentschlossen oder wollte keine klare Position beziehen. Besonders auffällig ist die Haltung der jüngeren Generation. Junge Menschen in Polen neigen stärker dazu, Israel kritisch zu sehen und sich eher mit der Gegenseite zu identifizieren.

Für Israel ist diese Entwicklung nicht nur eine Frage der öffentlichen Meinung in einem europäischen Land. Sie ist Teil eines größeren Trends. Wenn negative Einstellungen gegenüber Juden wachsen und gleichzeitig die Unterstützung für Israel sinkt, entsteht ein Klima, das langfristige Folgen haben kann. Die Legitimität Israels wird nicht nur auf diplomatischer Ebene in Frage gestellt, sondern zunehmend auch in den Köpfen der Bevölkerung.

Ein entscheidender Hintergrund ist die polnische Erinnerungskultur. In Polen wird stark betont, dass auch Polen Opfer der deutschen Besatzung waren. Diese historische Wahrheit ist unbestreitbar. Millionen Polen wurden ermordet. Doch gleichzeitig entsteht in Teilen der Gesellschaft eine Debatte, die die jüdische Perspektive verdrängt oder relativiert. Wenn die Erinnerung an die Schoa nicht mehr als gemeinsame Verantwortung verstanden wird, sondern als Konkurrenz der Opferrollen, verändert sich auch die Wahrnehmung der Juden heute.

Für Israel ist diese Entwicklung ein schmerzhafter Widerspruch. Israel entstand als Antwort auf die Vernichtung der europäischen Juden. Die Existenz des Staates ist untrennbar mit der Geschichte Europas verbunden. Wenn nun in genau diesem Europa wieder wachsende Ablehnung gegenüber Juden messbar wird, zeigt das, dass Erinnerung allein kein dauerhafter Schutz ist.

Die Zahlen aus Polen sind deshalb mehr als eine nationale Statistik. Sie sind ein Spiegel einer europäischen Entwicklung, die Israel sehr genau beobachtet. Denn jede Veränderung der öffentlichen Meinung hat Folgen. Sie beeinflusst politische Entscheidungen, diplomatische Beziehungen und die Sicherheit jüdischer Gemeinschaften.

Israel wurde gegründet, damit Juden nie wieder schutzlos sind. Doch diese Umfrage zeigt, dass die alten Vorurteile nicht verschwunden sind. Sie haben nur ihre Form verändert. Und sie sind zurück im Zentrum der Gesellschaft.



Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Wistula - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=153576797

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 18. Februar 2026

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