Rätsel um RAF Fairford: Verdächtiger rief selbst die Polizei, Sprengstoff wurde nicht gefunden

Rätsel um RAF Fairford: Verdächtiger rief selbst die Polizei, Sprengstoff wurde nicht gefunden


Fünf Männer wurden unter Terrorverdacht nahe einer strategisch wichtigen US-Bomberbasis festgenommen. Nun steht fest: Sprengstoff gab es nicht. Dafür werfen Benzin in den Fahrzeugen und der Notruf eines Verdächtigen neue Fragen auf.

Rätsel um RAF Fairford: Verdächtiger rief selbst die Polizei, Sprengstoff wurde nicht gefunden
Bildnachweis: Symbolbild / KI

Der mutmaßliche Anschlagsplan gegen RAF Fairford in Südwestengland entwickelt sich zu einem der rätselhaftesten britischen Sicherheitsfälle der vergangenen Wochen. Noch am Sonntag sah alles nach einem möglicherweise unmittelbar bevorstehenden Angriff auf eine der wichtigsten amerikanischen Luftwaffenbasen Europas aus. Fünf Männer wurden festgenommen, drei verdächtige Transporter untersucht, rund 85 Haushalte evakuiert und Bombenentschärfer der Armee eingesetzt.

Inzwischen ist klar: In den Fahrzeugen befanden sich keine improvisierten Sprengsätze.

Die britische Terrorabwehr bestätigte, dass bei den umfangreichen Untersuchungen kein Sprengstoff gefunden wurde. Sichergestellt wurde allerdings eine größere Menge Benzin. Was die fünf Männer damit vorhatten und warum sie sich mit drei Transportern in unmittelbarer Nähe von RAF Fairford befanden, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.

Nun kommt eine weitere ungewöhnliche Wendung hinzu. Nach übereinstimmenden Berichten britischer Medien soll einer der Verdächtigen selbst die Polizei angerufen haben.

Nach Informationen der „Times“ ging dieser Notruf fast eine Stunde ein, bevor eine Anwohnerin die Polizei verständigte. Die Frau war nachts auf dem Heimweg, als sie drei Lieferwagen und mehrere Männer bemerkte, die nach ihrer Schilderung Sturmhauben trugen. Als ihr Fahrzeug näherkam, sollen Männer davongelaufen sein.

Bislang war dieser Anruf der Frau als entscheidender Hinweis bekannt, der den großen Polizeieinsatz auslöste.

Nun stellt sich heraus, dass die Polizei möglicherweise schon vorher von einem Mann aus der Gruppe selbst alarmiert worden war.

Warum er den britischen Notruf 999 wählte, ist nicht geklärt.

Die Ermittler prüfen nach Medienberichten, ob er tatsächlich versuchte, eine geplante Aktion zu verhindern, ob es innerhalb der Gruppe Streit gab oder ob der Anruf selbst Bestandteil eines anderen Plans gewesen sein könnte. Eine abschließende Erklärung gibt es bislang nicht.

Gerade deshalb sollte aus dem ungewöhnlichen Anruf noch keine Entlastung der Männer konstruiert werden.

Alle fünf bleiben unter Ermittlungsverdacht.

Vom vermeintlichen Bombenanschlag zum offenen Rätsel

Die Männer sind britische Staatsbürger im Alter zwischen 23 und 25 Jahren und stammen aus London. Sie wurden zunächst wegen möglicher Verstöße gegen das britische Sprengstoffgesetz festgenommen und anschließend zusätzlich wegen des Verdachts auf Vorbereitung einer terroristischen Tat.

Schon einen Tag später kamen alle fünf unter strengen Auflagen gegen Kaution wieder frei.

Der Leiter der britischen Terrorismusbekämpfung, Laurence Taylor, verteidigte diese Entscheidung ausdrücklich. Die Freilassung bedeute nicht, dass die Ermittlungen abgeschlossen seien. Die Männer unterlägen Einschränkungen hinsichtlich ihrer Bewegungsfreiheit und ihrer Kontakte und würden weiterhin untersucht.

Die Polizei durchsucht zudem Objekte in London und wertet umfangreiches Material aus.

Der Fall hat sich damit seit unserem ersten Bericht grundlegend verändert.

haOlam berichtete am Sonntag unmittelbar nach dem Großeinsatz. Damals lagen Hinweise vor, wonach die drei Transporter möglicherweise explosives Material enthielten. Die britischen Behörden behandelten die Lage entsprechend ernst. Ein Sicherheitsradius von rund 400 Metern wurde eingerichtet, Bewohner mussten ihre Häuser verlassen und Spezialisten untersuchten die Fahrzeuge mit Unterstützung militärischer Einheiten.

Diese erste Annahme hat sich nicht bestätigt.

Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand gab es in den Fahrzeugen keine improvisierten Sprengvorrichtungen.

Gefunden wurde Benzin.

Das macht die Situation weniger eindeutig, aber nicht automatisch harmlos. Größere Mengen Kraftstoff können für völlig unterschiedliche Zwecke bestimmt sein. Sie können Teil einer geplanten Brandstiftung sein, aus kriminellen Handlungen stammen oder eine andere Erklärung haben. Welche davon zutrifft, ist derzeit offen.

Britische Medien berichten über mehrere mögliche Ermittlungsrichtungen. Dazu gehören ein möglicher Test der Sicherheitsmaßnahmen rund um die Militärbasis, Aufklärungsarbeit, eine geplante politische Aktion oder gewöhnliche Kriminalität.

Auch die Möglichkeit, dass die Männer bewusst oder unbewusst für einen ausländischen Staat gearbeitet haben könnten, bleibt Gegenstand der Untersuchung.

Die britische Terrorabwehr hat ausdrücklich erklärt, in alle Richtungen zu ermitteln.

Das bedeutet zugleich: Es gibt bislang keinen bestätigten Beweis dafür, dass ein ausländischer Staat hinter dem Vorfall steht.

Iran bleibt im Blick, aber der Beweis fehlt

Besondere Aufmerksamkeit richtet sich weiterhin auf Iran.

Der Grund dafür liegt weniger in bislang veröffentlichten Beweisen als in der strategischen Bedeutung des Tatortes und der Vorgeschichte.

RAF Fairford liegt in Gloucestershire und wird von der US Air Force genutzt. Die Basis besitzt eine außergewöhnlich lange Startbahn und dient als wichtiger europäischer Standort für amerikanische Langstreckenbomber. Auch B-1- und B-52-Bomber können dort operieren.

Im Krieg gegen Iran wurde Fairford für amerikanische Operationen genutzt.

Teheran hatte anschließend ausdrücklich davor gewarnt, dass Militärbasen, die für Angriffe auf iranisches Territorium genutzt würden, als mögliche Ziele betrachtet werden könnten.

Genau deshalb lösten drei verdächtige Fahrzeuge mit maskierten Männern wenige Kilometer von RAF Fairford sofort erheblichen Alarm aus.

Hinzu kommt, dass britische Sicherheitsbehörden seit Jahren vor iranischen Geheimdienst- und Stellvertreteraktivitäten auf britischem Boden warnen. Dabei geht es unter anderem um Bedrohungen gegen iranische Oppositionelle sowie jüdische und israelische Ziele.

All das macht einen möglichen Iran-Bezug plausibel genug, um ihn zu untersuchen.

Es macht ihn aber nicht zu einer bewiesenen Tatsache.

Die iranische Botschaft in London weist jede Beteiligung zurück und bezeichnet entsprechende Vermutungen als unbegründet.

Auch die britische Polizei legt sich bislang ausdrücklich nicht fest.

Genau diese Zurückhaltung ist angesichts der neuen Erkenntnisse wichtig. Ein Fall, der am Sonntag zunächst wie ein möglicherweise vereitelter Bombenanschlag wirkte, sieht drei Tage später wesentlich komplizierter aus.

Kein Sprengstoff.

Fünf Verdächtige wieder auf freiem Fuß.

Ein erheblicher Benzinfund.

Ein strategischer US-Militärstützpunkt in unmittelbarer Nähe.

Und ausgerechnet einer der Verdächtigen, der offenbar selbst die Polizei anruft.

US-Präsident Donald Trump zeigte sich über die Freilassung der Männer irritiert und erklärte, er hätte sie nicht auf freien Fuß gesetzt. Auch in den Vereinigten Staaten wird der Fall wegen der amerikanischen Nutzung von RAF Fairford aufmerksam verfolgt.

Die britischen Ermittler halten dagegen an ihrer Linie fest: Eine Freilassung gegen Auflagen ist keine Einstellung des Verfahrens und keine Feststellung der Unschuld.

Das sollte auch für die öffentliche Bewertung gelten.

Am Sonntag wäre es verfrüht gewesen, aus dem Fundort und den iranischen Drohungen bereits einen iranischen Terroranschlag zu machen.

Heute wäre es ebenso verfrüht, den gesamten Fall wegen des fehlenden Sprengstoffs als Missverständnis abzutun.

Zu viele Fragen sind ungeklärt.

Warum fuhren drei Transporter mitten in der Nacht in Richtung einer hochsensiblen amerikanischen Militärbasis? Warum befand sich eine erhebliche Menge Benzin in den Fahrzeugen? Warum trugen Männer nach Zeugenaussagen Gesichtsbedeckungen? Weshalb rief einer der Verdächtigen selbst die Polizei? Und was genau wollten die fünf Männer bei RAF Fairford?

Die Antwort darauf kennen bislang offenbar auch die britischen Ermittler nicht.

Aus dem vermeintlich klaren Terroralarm ist deshalb kein erledigter Fall geworden.

Er ist nur wesentlich rätselhafter geworden.



Autor: Redaktion

Artikel veröffentlicht am: Mittwoch, 30. September 2026

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