Auto fährt in London auf jüdische Schüler zu und verschärft Angst der Gemeinde
Drei jüdische Schüler konnten sich offenbar im letzten Moment retten. In London untersucht die Polizei einen Vorfall, bei dem ein Auto gezielt auf Jugendliche einer jüdischen Schule zugesteuert sein soll. Für viele britische Juden ist der Fall längst Teil einer viel größeren Entwicklung.

Bildnachweis: Symbolbild: KI generiert
Die britische Hauptstadt erlebt seit Monaten einen massiven Anstieg antisemitischer Vorfälle. Jetzt sorgt erneut ein mutmaßlicher Angriff auf jüdische Kinder für Entsetzen. Nach Angaben der Londoner Metropolitan Police fuhr am 20. April ein Fahrzeug auf einen Gehweg zu, auf dem drei 14-jährige Schüler standen.
Die Jugendlichen konnten offenbar rechtzeitig ausweichen. Verletzt wurde niemand. Dennoch behandelt die Polizei den Vorfall inzwischen als möglichen religiös motivierten Angriff.
Nach britischen Medienberichten sollen die Jungen Schüler der Hasmonean High School for Boys gewesen sein, einer bekannten jüdischen Schule in London. Die Schule selbst äußerte sich bislang nicht öffentlich zu dem Fall.
Die Ermittlungen laufen auch Wochen nach dem Vorfall weiter. Bislang gab es keine Festnahmen. Die Polizei erklärte jedoch, man stehe in engem Kontakt mit der Schule sowie mit jüdischen Sicherheitsorganisationen.
Für viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Großbritannien ist der Vorfall nicht mehr als isolierte Tat wahrnehmbar. Seit dem Massaker der Hamas am 7. Oktober erleben britische Juden einen drastischen Anstieg antisemitischer Bedrohungen, Angriffe und Einschüchterungen.
Besonders alarmierend ist dabei die zunehmende Normalisierung solcher Vorfälle. Die Organisation Campaign Against Antisemitism erklärte nach dem mutmaßlichen Angriff, jüdische Familien in Großbritannien seien über viele Entwicklungen längst nicht mehr überrascht. Man habe seit Jahren vor wachsendem Antisemitismus gewarnt, doch Politik und Behörden hätten die Gefahr unterschätzt.
Tatsächlich reiht sich der aktuelle Fall in eine Serie schwerer Vorfälle ein. Erst vor wenigen Tagen wurden in Golders Green, einem Stadtteil mit großer jüdischer Bevölkerung, zwei jüdische Bewohner bei einem Messerangriff verletzt. Hinzu kommen Brandanschläge, Bedrohungen gegen jüdische Einrichtungen sowie aggressive Demonstrationen in mehreren britischen Städten.
Gerade London entwickelt sich für viele Juden zunehmend zu einem Ort permanenter Unsicherheit. Eltern sorgen sich um den Schulweg ihrer Kinder, jüdische Einrichtungen stehen unter massivem Polizeischutz und Sicherheitsmaßnahmen gehören inzwischen zum Alltag vieler Gemeinden.
Die britische Polizei reagierte inzwischen mit der Einrichtung spezieller Schutzteams gegen antisemitische Straftaten. Doch innerhalb der jüdischen Gemeinschaft wächst gleichzeitig der Eindruck, dass die gesellschaftliche Entwicklung längst gefährlicher geworden ist, als offizielle Stellen lange wahrhaben wollten.
Besonders bedrückend ist dabei, dass sich antisemitische Gewalt zunehmend gegen Jugendliche und Kinder richtet. Genau das verändert auch die psychologische Wirkung solcher Taten. Wenn jüdische Schüler auf dem Weg zur Schule Angst vor Angriffen haben müssen, entsteht ein Klima, das viele europäische Juden eigentlich überwunden glaubten.
Hinzu kommt die politische Dimension. Seit Monaten wird in Großbritannien intensiv darüber diskutiert, wie stark antiisraelische Protestbewegungen und radikale Aktivistennetzwerke zur Verrohung des gesellschaftlichen Klimas beitragen. Jüdische Organisationen warnen dabei immer häufiger davor, dass die Grenze zwischen radikalem Israelhass und offenem Antisemitismus zunehmend verschwindet.
Der aktuelle Vorfall zeigt genau diese Entwicklung. Denn unabhängig davon, ob der Angriff gezielt geplant war oder nicht, reicht inzwischen oft allein die Wahrnehmung jüdischer Identität aus, um Menschen zum Ziel zu machen.
Für viele britische Juden ist genau das die eigentliche Katastrophe: Nicht nur einzelne Taten, sondern das Gefühl, dass sich ihre Sicherheit in Europa schleichend auflöst.
Autor: Redaktion
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 7. Mai 2026