Schwere Niederlage für Spaniens Premier Pedro Sánchez bei Regionalwahl
Ein politisches Erdbeben erschüttert Madrid. In der wichtigen Region Aragón stürzen die Sozialisten auf ein historisches Tief, während Konservative und Rechte zulegen.

Was in der nordspanischen Region Aragón am Sonntag geschah, ist weit mehr als eine gewöhnliche Regionalwahl. Es ist ein Warnsignal für ganz Spanien und vor allem für Premierminister Pedro Sánchez. Seine Sozialistische Arbeiterpartei PSOE erlitt eine bittere Niederlage und erzielte das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte in diesem Gebiet. Für einen Regierungschef, der bereits seit Monaten unter wachsendem Druck steht, ist das ein weiterer schwerer Schlag.
Aragón gilt in der spanischen Politik als politischer Seismograph. Wer hier gewinnt, hat meist auch national Rückenwind. Umso alarmierender ist das Resultat für die Regierung in Madrid. Die konservative Volkspartei PP konnte zwar erneut den ersten Platz behaupten und erreichte 34 Prozent der Stimmen, verlor jedoch zwei Mandate und kommt nun auf 26 Sitze im Regionalparlament. Ein klarer Sieg sieht anders aus. Doch die eigentlichen Verlierer sind die Sozialisten von Sánchez. Sie fielen auf 24 Prozent zurück und erhielten lediglich 18 Sitze. Fünf Mandate gingen verloren, das schlechteste Ergebnis, das die Partei je in Aragón eingefahren hat.
Noch dramatischer ist der Aufstieg der rechtsgerichteten Partei Vox. Sie verdoppelte ihr Ergebnis von der letzten Wahl nahezu und kam auf 17 Prozent der Stimmen und 14 Mandate. Dieser Erfolg ist kein Zufall. Vox führte einen aggressiven Wahlkampf, vor allem in ländlichen Gebieten, und traf dort auf fruchtbaren Boden. Bauern und kleine Unternehmer fühlen sich seit Jahren von der Politik der Zentralregierung und von Brüssel im Stich gelassen. Genau diese Unzufriedenheit nutzte die Partei geschickt aus.
Für Sánchez ist das Resultat ein politischer Albtraum. Seit Monaten kämpft seine Regierung mit Skandalen, innerparteilichen Machtkämpfen und wachsendem Misstrauen in der Bevölkerung. Hinzu kamen im Januar mehrere schwere Zugunglücke, bei denen dutzende Menschen starben. Die Opposition warf der Regierung Versagen und Verantwortungslosigkeit vor. In einem solchen Klima wirken regionale Niederlagen wie Brandbeschleuniger.
Die Spitzenkandidatin der Sozialisten in Aragón, Pilar Alegría, versuchte zwar, Haltung zu bewahren, musste jedoch eingestehen, dass das Ergebnis eine Enttäuschung sei. Der politische Horizont in der Region sei nun unsicher, erklärte sie. Diese Unsicherheit gilt längst nicht mehr nur für Aragón, sondern für ganz Spanien.
Die Wahl ist zudem ein Vorbote für kommende Auseinandersetzungen. In den nächsten Monaten stehen weitere Regionalwahlen in Kastilien und León sowie in Andalusien an. Beide Regionen werden derzeit von den Konservativen regiert. Sowohl PP als auch PSOE haben diese Urnengänge bereits zu einem nationalen Kräftemessen erklärt. Für Sánchez droht damit eine Serie von Niederlagen, die seine ohnehin fragile Koalition weiter schwächen könnten.
Besonders heikel für den Premier ist, dass sein politisches Profil in den letzten Jahren stark von ideologischen Themen geprägt war. Er setzte immer wieder auf scharfe antiisraelische Rhetorik und versuchte, sich damit als moralische Führungsfigur der europäischen Linken zu präsentieren. Diese Strategie mobilisierte zwar Teile der eigenen Anhängerschaft, stieß jedoch bei vielen Spaniern auf Unverständnis. Immer mehr Wähler empfinden, dass die Regierung lieber internationale Symbolpolitik betreibt, statt sich um reale Probleme wie Inflation, Energiepreise und Sicherheit zu kümmern.
Die konservative Volkspartei versucht nun, die Regionalwahlen als landesweites Misstrauensvotum gegen Sánchez zu deuten. Parteiführer Alberto Núñez Feijóo sprach von einem klaren Signal der Bürger, dass Spanien einen politischen Kurswechsel brauche. Auch wenn die PP selbst nicht uneingeschränkt triumphieren konnte, zeigt die allgemeine Verschiebung nach rechts, wohin sich das politische Klima im Land bewegt.
Spanien steht damit vor einer unruhigen Phase. Die politische Landschaft zerfasert zunehmend, stabile Mehrheiten werden seltener, und radikale Kräfte gewinnen an Einfluss. Für Pedro Sánchez könnte Aragón der Anfang vom Ende sein. Noch hält sich seine Regierung im Amt, doch das Fundament bröckelt sichtbar.
Die Botschaft dieser Wahl ist unmissverständlich: Geduld und Vertrauen der Wähler sind erschöpft. Wenn der Premier keinen überzeugenden Neuanfang findet, könnten die kommenden Monate für ihn und seine Partei noch weitaus schmerzhafter werden.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Ministry of the Presidency. Government of Spain, Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=70958822
Artikel veröffentlicht am: Montag, 9. Februar 2026