Großbritannien holt still und heimlich IS-Anhängerinnen zurück


Sechs sogenannte IS-Bräute und neun Kinder sind unbemerkt aus syrischen Lagern nach Großbritannien zurückgekehrt. Die Regierung schweigt, während Sicherheitsbehörden vor neuen Risiken warnen und die britische Öffentlichkeit im Dunkeln bleibt.

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Seit Jahren spricht London von harter Linie gegen den islamistischen Terror. Doch hinter verschlossenen Türen läuft eine ganz andere Politik. Wie nun bekannt wurde, hat Großbritannien in den vergangenen Jahren mehrere Frauen und Kinder aus dem berüchtigten Al-Roj-Lager in Nordsyrien zurückgeholt, ohne dies öffentlich zu machen. Es geht um Frauen, die sich einst dem Islamischen Staat anschlossen und westliche Pässe nutzten, um in das Kalifat zu reisen. Nun kehren sie in aller Stille zurück, als sei nichts geschehen.

Nach Angaben der britischen Zeitung „The Times“ wurden bislang sechs Frauen und neun Kinder repatriiert. Die Information stammt von Rasheed Afrin, einem Verantwortlichen des Lagers. Die britische Regierung verweigert bislang jede Stellungnahme. Weder das Innenministerium noch das Außenministerium wollen erklären, wann und unter welchen Bedingungen die Rückholaktionen stattfanden. Ein transparenter Umgang mit dieser hochsensiblen Frage sieht anders aus.

Die betroffenen Frauen werden gemeinhin als IS-Bräute bezeichnet. Viele von ihnen reisten zwischen 2014 und 2016 freiwillig nach Syrien, um Kämpfer der Terrororganisation zu heiraten und Teil des islamistischen Projekts zu werden. Manche beteiligten sich aktiv an der Verwaltung des Kalifats, andere lebten in enger Nähe zu Gewalt, Hinrichtungen und Verbrechen gegen Minderheiten. Jetzt erhalten sie offenbar eine zweite Chance, ohne dass die britische Gesellschaft davon erfährt.

Der Zeitpunkt der Rückführungen ist brisant. In Nordsyrien tobt ein Machtkampf um die Kontrolle der Gefangenenlager. Die kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte ringen mit der Regierung in Damaskus um Zuständigkeiten und Territorien. Immer wieder kommt es zu Unruhen, Fluchtversuchen und Gewalt. Westliche Staaten fürchten, dass die Lager langfristig nicht mehr gesichert werden können. Genau in diesem Chaos holt London ausgewählte Personen zurück, ohne dies offen zu kommunizieren.

Noch immer befinden sich nach Angaben der Lagerverwaltung fast 30 Frauen und Kinder mit britischem Hintergrund im Camp Al-Roj. Viele von ihnen besitzen britische Pässe oder hatten diese zumindest früher. Eine der Frauen schilderte dem amerikanischen Sender CNN, sie habe sich vom IS losgesagt, fühle sich aber von Großbritannien im Stich gelassen. Ihr sei die Staatsangehörigkeit entzogen worden, nun sei sie staatenlos. Ihr Kind sei dadurch schutzlos.

Der bekannteste Fall ist jener von Shamima Begum. Die heute 26-Jährige verließ 2015 als Schülerin London, um sich dem Islamischen Staat anzuschließen. Sie heiratete einen IS-Kämpfer und lebte jahrelang im Herrschaftsgebiet der Terrororganisation. 2019 entzog ihr die britische Regierung die Staatsbürgerschaft aus Gründen der nationalen Sicherheit. Begum befindet sich bis heute im Lager Al-Roj. Ihr juristischer Kampf um eine Rückkehr läuft weiter. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat ihre Beschwerde inzwischen angenommen, doch London bleibt hart.

Noch im vergangenen Jahr erklärte der damalige Außenminister David Lammy unmissverständlich, dass Begum nicht nach Großbritannien zurückkehren werde. Personen mit IS-Vergangenheit seien gefährlich und radikalisiert. Sollten sie zurückkehren, würden sie sofort festgenommen und vor Gericht gestellt. Diese Worte stehen in scharfem Kontrast zu den stillen Rückführungen, die nun ans Licht kommen.

Die britische Regierung steht damit vor einem doppelten Problem. Einerseits wächst international der Druck, eigene Staatsbürger aus den unsicheren Lagern zurückzuholen. Andererseits fürchtet man innenpolitisch den Zorn der Bevölkerung. Viele Briten können nicht nachvollziehen, warum Menschen, die sich bewusst einer Terrororganisation anschlossen, wieder in das Land aufgenommen werden sollen.

Sicherheitsbehörden warnen seit Jahren, dass eine Rückkehr ohne strenge Überwachung ein erhebliches Risiko darstellt. Die Ideologie des IS verschwindet nicht durch einen Flug nach London. Deradikalisierung ist ein langer, unsicherer Prozess. Die Möglichkeit, dass ehemalige Unterstützerinnen erneut extremistische Netzwerke aufbauen oder ihre Kinder radikalisieren, ist real.

Dass all dies nun im Geheimen geschieht, macht die Angelegenheit noch problematischer. Demokratische Gesellschaften brauchen Transparenz, gerade bei Fragen von nationaler Sicherheit. Doch die britische Regierung zieht es vor, die Öffentlichkeit nicht zu informieren. Offenkundig fürchtet man politische Konsequenzen.

Die Ereignisse zeigen, wie widersprüchlich die westliche Politik im Umgang mit islamistischem Extremismus ist. Nach außen gibt man sich entschlossen und kompromisslos. Hinter den Kulissen aber werden Entscheidungen getroffen, die das Gegenteil signalisieren. Für Israel und andere Staaten, die täglich mit den Folgen islamistischer Gewalt konfrontiert sind, wirkt diese Haltung naiv und gefährlich.

Solange London nicht offenlegt, wer zurückgeholt wurde, welche Sicherheitsauflagen gelten und wie die Betroffenen überwacht werden, bleibt ein bitterer Beigeschmack. Die Opfer des Islamischen Staates wurden nie gefragt, ob sie bereit sind zu verzeihen. Die britische Regierung hingegen scheint entschlossen, einen Schlussstrich zu ziehen möglichst leise und ohne öffentliche Debatte.



Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Y. Boechat (VOA) - Syria Camp Housing Hardcore IS Families Spiraling "Out of Control", Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=83344184

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 6. Februar 2026

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