Ehemaliger Dschihadist will Stadtrat in Birmingham werden
Ein verurteilter Terrorist tritt in Großbritannien als Kandidat an. Unter dem Banner einer pro-palästinensischen Allianz sucht er politische Macht.

In Birmingham sorgt eine Kandidatur für Empörung, Verunsicherung und eine gefährliche Debatte über die Grenzen politischer Normalität. Shahid Butt, ein Mann mit einer Vergangenheit als verurteilter Dschihadist, hat angekündigt, bei den kommenden Kommunalwahlen für einen Sitz im Stadtrat zu kandidieren. Er tritt als unabhängiger Bewerber im Stadtteil Sparkhill an, getragen von einer offen pro-palästinensischen Wahlallianz.
Allein diese Entscheidung wirft schwerwiegende Fragen auf. Wie kann jemand, der wegen Beteiligung an terroristischen Aktivitäten verurteilt wurde, heute ernsthaft ein politisches Amt in einer westlichen Demokratie anstreben? Und was sagt es über das politische Klima in Teilen Großbritanniens aus, wenn eine solche Kandidatur überhaupt möglich erscheint?
Butt wurde 1999 in Jemen verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, in einen Anschlagplan verwickelt gewesen zu sein, der das britische Konsulat, eine Kirche und ein Hotel in Aden ins Visier nahm. Fünf Jahre saß er im Gefängnis. Er behauptet bis heute, sein Geständnis sei unter Folter zustande gekommen. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass er wegen Terrorismus hinter Gittern landete.
Nach seiner Rückkehr nach Großbritannien im Jahr 2003 versuchte Butt, sein Leben neu auszurichten. Medienberichten zufolge arbeitete er zeitweise in Programmen zur Deradikalisierung, unter anderem im Rahmen der staatlichen Prevent-Initiative. Auf den ersten Blick klingt das nach einem glaubwürdigen Wandel. Doch ein genauerer Blick auf seine öffentlichen Äußerungen der vergangenen Jahre zeigt ein deutlich widersprüchliches Bild.
Immer wieder trat Butt mit Aussagen hervor, die zumindest Zweifel an seiner angeblichen Läuterung aufkommen lassen. Vor einigen Jahren rief er Muslime dazu auf, ein Fußballspiel zwischen Aston Villa und Maccabi Tel Aviv zu stören. Israelische Fans, so erklärte er damals, sollten in Birmingham nicht willkommen sein. In Videos von Protesten erklärte er, Muslime seien keine Pazifisten und Gewalt könne unter bestimmten Umständen gerechtfertigt sein.
Noch beunruhigender sind seine ideologischen Aussagen. Butt bezeichnete den Dschihad in der Vergangenheit als einen mitfühlenden Akt. Britische Kämpfer, die in Konfliktgebiete gereist seien, hätten aus Mitgefühl gehandelt, erklärte er. Zwar distanzierte er sich vom sogenannten Islamischen Staat und warf der Terrororganisation vor, den Islam missbraucht zu haben. Doch seine Wortwahl ließ stets eine gefährliche ideologische Grauzone erkennen.
Erst vor wenigen Monaten veröffentlichte Butt ein Video, in dem er unter Berufung auf den Koran erklärte, Muslime sollten Juden und Christen nicht als Freunde oder Beschützer wählen. Solche Aussagen sind nicht nur religiös radikal, sie stehen auch im klaren Widerspruch zu den Grundwerten einer pluralistischen Gesellschaft. Auf Nachfrage betonte Butt zwar, er hasse Juden und Christen nicht und arbeite sogar mit Christen zusammen. Doch gleichzeitig erklärte er offen, er habe keinerlei Sympathie für Zionismus.
Diese Mischung aus vermeintlicher Mäßigung und klaren antisemitischen Untertönen zieht sich wie ein roter Faden durch seine öffentlichen Auftritte. Er behauptet, Juden seien seine Cousins, mit denen er gemeinsam essen würde. Zugleich hetzt er gegen den jüdischen Staat und gegen israelische Anhänger. Genau diese Widersprüchlichkeit macht ihn für viele Beobachter besonders gefährlich. Sie erlaubt ihm, sich als gemäßigt darzustellen, während er radikale Positionen salonfähig macht.
In seinem Wahlkampf versucht Butt, ein Bild des verantwortungsbewussten Bürgers zu zeichnen. Er verspricht, im Falle seiner Wahl britisches Recht zu achten und keine Einführung der Scharia anzustreben. Er sagt, er werde sich und seine Familie verteidigen, aber niemanden unterdrücken. Diese Worte klingen beruhigend. Doch angesichts seiner Vergangenheit und seiner wiederholten Provokationen wirken sie wie taktische Beruhigungspillen.
Der Stadtteil Sparkhill, in dem Butt kandidiert, hat eine muslimische Bevölkerungsmehrheit von bis zu 84 Prozent. Damit ist klar, auf welche Wählergruppe er setzt. In Interviews erklärte er offen, er vertraue bei seiner Kandidatur auf die Unterstützung Allahs. Seine Kampagne ist fest eingebettet in ein Netzwerk aus pro-palästinensischen Aktivisten, die den kommunalen Wahlkampf zunehmend als Bühne für antiisraelische Agitation nutzen.
Gerade diese Entwicklung bereitet vielen Menschen in Großbritannien Sorgen. Der frühere Regierungsberater für politischen Extremismus, Lord Walney, nannte Butts Kandidatur offen beunruhigend. Angesichts seiner früheren Verurteilung und seiner Aussagen zum Dschihad sei es problematisch, wenn eine solche Person Zugang zu politischen Ämtern erhalte. Walney spricht damit aus, was viele denken: Eine Demokratie muss offen sein, aber sie darf nicht naiv werden.
Für die jüdische Gemeinschaft in Birmingham ist diese Kandidatur ein Alarmsignal. Ein Mann, der gegen israelische Fußballfans hetzt und problematische Aussagen über Juden verbreitet hat, könnte bald politische Verantwortung tragen. Das Vertrauen in staatliche Institutionen wird dadurch erschüttert. Antisemitismus erhält ein Gesicht, das sich plötzlich wählbar macht.
Der Fall Shahid Butt ist mehr als eine lokale Kuriosität. Er zeigt, wie sich in Teilen Europas radikale Narrative zunehmend in den politischen Mainstream schieben. Unter dem Deckmantel der Solidarität mit Palästina entstehen Plattformen, auf denen Extremisten eine neue Legitimität finden. Was gestern noch als radikal galt, wird heute als normale politische Position verkauft.
Großbritannien steht vor einer Grundsatzfrage. Will man Menschen mit einer nachgewiesenen Vergangenheit im Dschihadismus tatsächlich politische Macht anvertrauen? Oder zieht man klare Grenzen, um demokratische Werte zu schützen? Die Wähler von Sparkhill werden darüber entscheiden. Doch die Folgen dieser Entscheidung reichen weit über einen Stadtteil hinaus.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Arne Müseler - https://www.flickr.com/photos/arne_mueseler/53106698198/, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=138606342
Artikel veröffentlicht am: Donnerstag, 5. Februar 2026