Antisemitische Kampagne zwingt israelisches Restaurant in Lissabon zur Schließung
Zehn Jahre Kulinarik, Begegnung und Offenheit enden abrupt. Nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern wegen gezielter Einschüchterung. Der Fall Tantura zeigt, wie Antisemitismus heute funktioniert und warum er mitten in Europa wieder Erfolg hat.

Es beginnt nicht mit Gewalt. Es beginnt mit Schmierereien, mit Lügen, mit Kampagnen. Und es endet mit geschlossenen Türen. Das israelische Restaurant Tantura in Lissabon wird am 10. Januar endgültig schließen. Nicht, weil die Gäste ausblieben. Sondern weil der Hass stärker war.
Tantura wurde vor zehn Jahren von den Köchen Elad Budenshtiin und Itamar Eliyahu gegründet. Ihre Idee war einfach und zutiefst israelisch. Küche als Begegnung. Essen als Sprache zwischen Kulturen. Auf der Speisekarte fanden sich Einflüsse aus jüdischen Traditionen aus dem gesamten Nahen Osten, Nordafrika und Europa. Ein kulinarischer Schmelztiegel, der das widerspiegelte, was Israel im Kern ist.
Doch seit dem 7. Oktober 2023 wurde das Restaurant zunehmend zur Zielscheibe. In einer öffentlichen Erklärung beschreiben die Betreiber eine Eskalation, die sich über Jahre aufgebaut hat, sich aber mit dem Krieg massiv verschärfte. Graffiti an den Wänden. Diffamierungen im Netz. Boykottaufrufe. Organisierte Kampagnen. Nicht gegen Politiker. Nicht gegen Militärs. Sondern gegen ein Restaurant.
Die Worte der Betreiber sind nüchtern und zugleich erschütternd. Der Ort, der für Verbindung und Freude gedacht war, sei zu einem täglichen Kampf geworden. Die Entscheidung zur Schließung sei eine der schwersten ihres Lebens gewesen.
Im Juni 2024 erreichte die Kampagne einen neuen Höhepunkt. Aktivisten beschmierten Fenster und Fassaden mit Parolen wie „Tantura ist ein Massaker“ und „Free Palestine“. Verantwortlich zeichnete eine Gruppe, die sich „Collective for the Liberation of Palestine“ nennt. Sie behauptet, in dem israelischen Küstenort Tantura habe es 1948 ein Massaker gegeben. Eine historisch hoch umstrittene Behauptung, die hier nicht diskutiert, sondern instrumentalisiert wurde.
Der Name des Restaurants war nie politisch gemeint. Tantura ist ein Strand in Israel. Dort haben die beiden Betreiber geheiratet. Für sie war es ein Ort der Liebe, nicht der Ideologie. Doch genau darin liegt die Logik des modernen Antisemitismus. Jüdische oder israelische Identität reicht aus, um zur Projektionsfläche zu werden. Fakten spielen keine Rolle. Schuld wird behauptet, nicht belegt.
Budenshtiin und Eliyahu betonen ausdrücklich, dass sie keine Politiker sind. Sie leben in Portugal, einem Land, das sie lieben. Sie wollten Menschen zusammenbringen, nicht spalten. Doch genau diese Normalität wurde ihnen genommen. Was mit Provokationen begann, verwandelte sich in eine systematische Zermürbung.
Der Fall Tantura ist kein Einzelfall. In ganz Europa werden israelische und jüdische Einrichtungen zunehmend angegriffen. Nicht immer mit Gewalt, oft subtiler. Durch Kampagnen, durch sozialen Druck, durch die Delegitimierung bloßer Existenz. Wer israelisch ist, wer jüdisch ist, soll sich erklären, rechtfertigen, verstecken oder verschwinden.
Dass ein Restaurant in einer westeuropäischen Hauptstadt wegen Antisemitismus schließen muss, ist kein Randereignis. Es ist ein politisches Signal. Nicht, weil die Betreiber Politik machen wollten, sondern weil andere sie dazu gezwungen haben.
Europa redet viel über Vielfalt, Toleranz und Erinnerung. Doch wenn jüdisches Leben im Alltag nicht mehr geschützt wird, wenn selbst Essen zum Politikum wird, dann ist diese Rhetorik hohl. Dann entscheidet nicht das Gesetz, sondern die Lautstärke der Straße.
Tantura schließt am Samstag. Was bleibt, ist mehr als ein leerer Gastraum. Es bleibt die Frage, wie viele weitere Orte folgen werden. Und wie lange Europa noch zusieht, während jüdisches Leben Stück für Stück aus dem öffentlichen Raum gedrängt wird.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot X
Artikel veröffentlicht am: Freitag, 9. Januar 2026