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Digitale Markierung statt Debatte: Wie ein Katalonien-Projekt jüdische Ziele sichtbar macht


Was als politische Aufklärung getarnt wird, wirkt wie ein moderner Pranger. In Katalonien kursiert eine interaktive Karte, die jüdische und israelische Einrichtungen gezielt markiert. Die Methode ist neu, das Muster alt und brandgefährlich.

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In Katalonien ist ein Projekt online gegangen, das bei genauer Betrachtung alle Alarmglocken schrillen lassen muss. Unter dem Namen „Barcelonaz“ wird eine öffentlich zugängliche, interaktive Karte betrieben, auf der jüdische Einrichtungen, israelische Unternehmen sowie internationale Firmen mit Bezug zu Israel geografisch markiert und kategorisiert werden. Der Anspruch der Betreiber lautet, sichtbar zu machen, wie „der Zionismus“ in der Region wirke. Die tatsächliche Wirkung geht weit darüber hinaus.

Die Karte ist kein statischer Text, keine Analyse, keine politische Streitschrift. Sie ist ein Werkzeug. Nutzer können filtern, zoomen, Standorte aufrufen, Kategorien auswählen und neue Einträge hinzufügen. Jüdische Schulen, koschere Geschäfte, Unternehmen, Banken, Technologie- und Rüstungsfirmen, diplomatische Einrichtungen und sogar Bildungsstätten werden farblich codiert und auf einen Blick lokalisierbar gemacht. Was hier entsteht, ist keine Meinungsäußerung, sondern eine digitale Infrastruktur zur Markierung.

Besonders erschütternd ist die Einbeziehung jüdischer Bildungseinrichtungen. Eine jüdische Schule in Barcelona wird nicht nur aufgeführt, sondern mit einer ideologischen Zuschreibung versehen. Damit werden reale Orte, an denen Kinder lernen, öffentlich kenntlich gemacht und politisch gebrandmarkt. In einem Europa, in dem jüdische Einrichtungen seit Jahren unter Polizeischutz stehen, ist das keine Nebensächlichkeit, sondern ein sicherheitsrelevanter Vorgang.

Die Betreiber geben sich anonym. Sie sprechen von Journalisten, Lehrern und Studierenden, bleiben aber jede transparente Verantwortlichkeit schuldig. Gleichzeitig laden sie zur Mitarbeit ein. Jeder kann neue „zionistische“ Orte melden. Kontrolle, journalistische Standards oder überprüfbare Kriterien existieren nicht. Die Grenze zwischen Dokumentation und Denunziation wird bewusst verwischt.

Historisch ist dieses Vorgehen erschreckend vertraut. Es waren nicht immer Listen auf Papier, die Ausgrenzung ermöglichten. Auch Register, Karten und Verzeichnisse erfüllten diese Funktion. Die digitale Form senkt heute die Hürde weiter. Eine Karte ersetzt Recherche, ersetzt Wissen, ersetzt Kontext. Sie macht Auffinden einfacher. Und genau darin liegt die Gefahr.

Niemand muss offen zu Gewalt aufrufen, um Gewalt vorzubereiten. Es reicht, Strukturen zu schaffen, die Orientierung bieten. Wer jüdische und israelische Ziele sichtbar bündelt, erleichtert Boykotte, Einschüchterung und im schlimmsten Fall Übergriffe. Die Wirkung entsteht unabhängig von der behaupteten Absicht.

Jüdische Organisationen in Spanien haben das Projekt deshalb nicht als politische Kritik, sondern als antisemitische Markierung verurteilt. Sie sprechen von einem Klima, in dem Juden erneut kollektiv verantwortlich gemacht, öffentlich herausgestellt und stigmatisiert werden. Die Verantwortung dafür sehen sie nicht nur bei anonymen Aktivisten, sondern auch in einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem Israel systematisch delegitimiert und antisemitische Narrative salonfähig geworden sind.

Die Betreiber des Projekts versuchen, ihre Arbeit als antizionistisch und damit legitim darzustellen. Doch die Praxis zeigt etwas anderes. Es gibt keine Trennung zwischen israelischen Unternehmen, jüdischen Einrichtungen oder internationalen Firmen. Alles wird unter einem ideologischen Etikett zusammengefasst. Genau diese Vermischung ist eines der ältesten antisemitischen Muster.

Was hier entsteht, ist kein Beitrag zur Debatte, sondern ein digitales Feindbild. Kein Diskurs, sondern eine Karte der Zuschreibung. Kein Journalismus, sondern eine Infrastruktur der Ausgrenzung.

In einer Zeit, in der jüdisches Leben in Europa wieder zur Zielscheibe wird, ist das kein Randphänomen. Es ist ein Warnsignal.

Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot

Artikel veröffentlicht am: Freitag, 2. Januar 2026

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